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^^ann jetzt der Franzos kam
Un derr all mei Moos nahm,
Un der links erei kimmt,
Un merr all mein Wci nimmt,
Un derr aach mein Schatz kißt,
Was doch nücht am Platz üst,
Und sich in mei Haris legt
Un derr mich enaus jegt,
Un ich uff der Schund lag,
Waß ich da e Wuth krag!
Un derr in en Zorn kam
Un derrn uff deß Korn nahm!
Wann er gar mit mehr kimmt
, Un derr mei Gewehr nimmmt —
Dann sag' ich's meiner Mutter!
Wirklich stattfindende oder doch angedrohte
Versammlungen in Deutschland.
Architekten-Versammlnng im September zu Frankfurt.
Programm.
1. Tag. Frühstück mit Eier, eingenommen in dem Antikensaale des Städel'schen
Kunst-Instituts. — Erstürmung des Malokoff in der Licbfrauenstraße. Das Frank-
furter Beuamt übernimmt die Vertheidigung. Ein Toder und vieleVerwunderte.
Festessen im Rokokogeschmack. Vortrag über die Nothwendigkeit des Studiums
der griechischen und römischen Architektur von Seiten der Conditoren, nebst Vor-
weisung eines mißlungenen römischen Tempels von Bisquitteich. Zertrümmerung
und Ausweisung desselben durch die entrüstete Gesellschaft. Verlosung des unge-
nießbare« Amors auf der Kuppel des Tempels.
Diejenigen Theilnehmer, welche weitere Vorträge zu halten die Rücksichts-
losigkeit haben sollten, belieben sich schon wenigstens acht Tage nachher anzumelden.
Für Vorträge über den Styl der Neuzeit ist ein besonderes Zimmer reservirt, das
mehrere Ausgänge nach der Straße hat.
S. Tag. Frühstück mit Eier, eingenommen in dem zoologischen Garten. Vor-
trag über die Zulässigkeit des Kameels als Wasserreservoir. Rundgang durch den
Garten unter Anstimmung des Liedes:
Ha I wer bin ich und was soll ich hier,
Unter Tigern oder Affen?
Welchen Plan hat Gott mit mir
Und warum wurd ich geschaffen????? —!
Die Direktion des zoologischen Gartens wird sich in die Käfigte der wildesten
Lhtere bcaebcn. -— Spazierfahrt in fämmtlichen Droschken der Stadt an der neuen
Synagoge vorüber. — Am Abend Festvorstcllung in dem Theater, die Oper:
Maurer und Schlosser. . m ° n- .
». Tag. Frühstück mit Eier, eingenommen auf dem Bauplatz des Conzert-
saales Unentgeldliche Vertheilung von Ballsaal-Aktien. Wegen eintretendem Regen-
wetter Wird das Mittagessen auf dem Forsthause stattfinden. Feierliche Aufspannung
eines großen Festregenschirms mit einem neuen deutschen Stiel, durch den Präsidenten
des Festcomitö's. Rundgesang unter demselben.
Nückfahrt von dem Forsthause über Großgerau, Oppenheim und Worms
nach Mainz, Wiesbaden, Rüdesheim, Bingen, Aßmannshausen, über den Nieder-
wald nach Wiesbaden, Mainz, Worms, über Oppenheim, Großgerau auf das
Forsthais. Von da nach Isenburg Oberrad, Offenbach, Bürgel, Rumpenheim,
Großkntzeburg, Hanau, Aschaffenburg und zurück auf der Hanauer Eisenbahn nach
Frankfurt und von da mit der Verbindungsbahn Lis an das Fahrthor und so nach
achttägiger Abwesenheit in festlich geordnetem Gänsemarsch in den Künstlerverin
unter Anstimmung der Frankfurter Nationalhymne:
Du hast Bürgermeister und Schöffen,
Hast Alles was Menschen Begehr,
Und die schönste Bundesbesatzung,
Frankfurt! was willst du noch mehr?
LÄ. Tag. Besprechung der Frankfurter Architekten, wie das entstandene
Defizit zu decken sei.
Turnerverfammlung zu Stemmbach.
Programm.
1. Tag. Gut Heil! 2. Tag. Frisch! 3. Tag. Fromm! 4. Tag
Fröhlich! 5. Tag. Frei!
Allgemeine deutsche Schullehrerversammlung in Klagefurt.
Programm.
1. Kräftiger Mittagstisch. Vorzeigung eines deutschen Schullehrergehaltes unter
Anwendung eines Mikroskops durch den Präsidenten.
2. Antrag zu einer unterthänigsten Vorstellung an den Landesfürsten künftighin
bei dem Schulgebete im Vaterunser, die Worte: „Gib uns unser tägliches
Brod" mit erhobener Stimme sprechen zu dürfen.
Auflösung der Versammlung durch Gensdarmerie.

? Versammlung der Drüder „znm süßen Jesulein" in erDarmen.
Freitag den 13. nach I>Ltars wird, so es dem Herrn, Herrn Zebaoth wohl-
gefällig, im Lokale des Jünglingsvereins „zum keuschen Joseph" unsere erste Er-
bauung stattfinden unter Absingung des Liedes:
lule kam zu mir
Sagt ich sollt sie küssen,
Und vor lauter Lieb'
Hat sie mich gebissen, ^ule!

Gesellschaftliche Zustände.

Uns theilt die Aristokratie der Rente,
In Gulden-, Kreuzer- und Hellerstände.
Der harte Gulden schaut, gleich einem Prinzen,
Auf neunundfünszig Kreuzer kleiner Münzen.
Der Heller ist darum so roth geworden,
Weil ihn der Kreuzer fliehet aller Orten.
Das ist ein Meiden, Scheiden und Entweichen,
Das ist ein Angstgesuch nach seines Gleichen!
Der Gulden, der gibt vinör'8 und gibt
Natürlich sind die Gulden nur gebeten.
Der Kreuzer schließet ab sich in Collegen,
Und das geschieht allein der Heller wegen.
Der Heller, der hat lustige Gesellen,
Die sammeln sich zu abonnirten Bällen.
Und so in's Lächerliche und in's Krasse,
Zersplittert sich die ganze Masse,
Nur zu! Philister ihr und Puderquasten!
Ihr kommt zuletzt doch all in Einen Kasten.

Bekanntmachungen.
Zahnsäckchen für die lieben Klein-Deutschen sind wieder angekommen. Große
Eschenheimergasse Lit. O.! W.! — 35.
Da sich das falsche Gerücht verbreitet hat, die Verwaltung der Frankfurter
Verbindungsbahn sei um ein Güterabtretungsgesuch eingekommcn, so wird zur
Widerlegung dieser böslichen und muthwilligen Verleumdung hiermit bekannt ge-
macht, daß "die Frankfurter Verbindungsbahn niemals Güter gehabt hat.;

Zoologischer Garten.
Am 3. DUUUökfiag nach den Hundstagen Nachmittags 4 Uhr bet
gut besetzter Harmoniemusik:
Großes Familienfest.
Am Abend wird die Direktion, bei bengalischer Beleuchtung des Gartens,
auf „dem Schiff der Wüste" mehrmals die Räumlichkeiten durchschiffen. In Anbe-
tracht des verstorbenen jungen Wolfes wird sich der Präsident der Gesellschaft ver-
mummt auf einem ungesattelten, afrikanischen Wüstenhinkel einen neuen reiten.
Der Eintritt ist nur in gems- und angoraziegcnledernen Handschuhen erlaubt.
M. Nur wirklichen und natürlichen Familienmitglieder des zoologischen
Gartens ist der Zutritt an diesem Tage gestattet.

Steckbrief.
Alle souveräne Staatsbehörden und von Gott eingesetzte Obrigkeiten werden
hiermit, unter Zusicherung gleicher Willfährigkeit, dringend ersucht, auf den unten
näher beschriebenen, höchst Staats-und Throngefährlichen Destruktivling, Aufwiegler,
Abentheurer, Räuberhauptmann, Bandittenchef und sogenannten General und Volks-
befreier, G. Garibaldi, zu fahnden und im Nürnberger Betretungsfall sofort zu
verhaften und unter sicherem Gewahrsam anhero abzuliefern.
Neapel 1860.
(Gratis <llo <Ii Salvator Ilalgeisioi.
Signalement.
Stand: in Calabrien.
Religion: geht gern in die sicilianische Vesper.
Augen: auf Neapel gerichtet.
Mund: wässert ihm nach Rom.
Nase: wittert Unabhängigkeit.
Haare: auf den Zähnen.
Größe: bedeutend.
Besondere Kennzeichen: Befreit glückliche Völker und wiegelt harmlose
Menschen auf. _

Lokal-Räthfel*)
Mit L ist es ein stolzer Bogen,
Blau, grau und rosig überzogen,
Es spendet Thau unv Sonnenschein,
Und wenig kommen nur hiuein.
Mit » da geht es auf die Weide,
Und trägt ein Kleid, doch nicht von Seide, —
Bon Baumwoll nicht, noch Leinenzeug;
Gelt, das ist schwer? besinnet Euch!
Mit R» halb Tanz halb Dichtcrkönig,
Im Tanzen hat es Füß' zu wenig,
Allein im edlen Versenspiel
Da hat er Füße viel zu viel.

*) Die drei ersten Errather werden genannt.

Expkditionsbureau der Frankfurter Laterne: Buchhandlung von H. Keller, Zeil, dem Russischen Hos gegenüber. — Druck von Carl Horstmann.
 
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