Münsterbau-Verein <Freiburg, Breisgau> [Editor]
Freiburger Münsterblätter: Halbjahrsschrift für die Geschichte und Kunst des Freiburger Münsters — 2.1906

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Kleine Mitteilungen und Anzeigen

Gemeinsam ist diesen Glocken der Name der jung-
fräulichen Gottesmutter und die Anrufung: sie oder der
König der Glorie möge mit dem Frieden kommen.

Es ist das begreiflich, wenn man an die Mensch-
werdung denkt, in welcher der König der Glorie vom
Himmelsthron in den Schoß Maria kam und der Welt den
Frieden brachte. Engelgruß, Menschwerdung und somit
Ankunft des Friedenbringers fand nach der Anschauung
des 13. Jahrhunderts am Abend statt. Da nun zudem
später für „Angelusläuten" der Ausdruck „Pro pace
schlagen" sich einbürgerte, oder besser als eingebürgert
nachweislich ist, so ist die Folgerung Thurstons wohl
nicht verfrüht, wenn er die genannten Glocken als Ave-
glocken anspricht. Nun aber macht er die wichtige Be-

merkung, dass vor jedem schriftlichen Zeugnis für das
Aveläuten eine Glocke sich findet, die wenigstens den
zweiten Teil jener Aveglockensprüche aufweist, und das
ist eben unsere älteste Münsterglocke, die Hosanna, die
mit der Jahreszahl 1258 die Inschrift zeigt: O rex gloriae
Christe, veni cum pace -- O König der Glorie Christus,
komm mit dem Frieden.

Sonach wäre in Freiburg im Breisgau schon 37 Jahre
vor dem ersten schriftlichen Zeugnis für das Aveläuten
ein monumentales, und zwar das älteste bis jetzt über-
haupt nachgewiesene, Zeugnis vorhanden, indem sich
die Hosanna als Aveglocke des 13. Jahrhunderts zu er-
kennen gibt.

Zu der Darstellung „Maria mit dem Schutzmantel" am Freiburger Münster.

Von

Professor Friedrich Ostendorf.

ie älteste mir bekannte bildliche Darstellung
der Schutzmantelidee, die noch etwas früher
ist als die ältesten

VBI^KlJHr in dem Krebsschen
^^K Aufsatz (Münster-
blätter 1, 27 ff.) erwähnten1, findet
sich im Dominikanerkloster zu
Erfurt — und das ist für den
dargestellten geschichtlichen Zu-
sammenhang gewiss besonders in-
teressant. Dort ist von dem im
Süden der Kirche angelegten Klo-
ster nur der Ostflügel, dieser aber
in verhältnismäßig recht guter Er-
haltung noch vorhanden. Seinen
Formen nach gehört dieser präch-
tige Klosterbau sicher noch dem
Ende des 13. Jahrhunderts an.
Im Norden an das südliche Seiten-
schiff der — wie alle Bettelordens-
kirchen querschifflosen — Kirche
anschließend, enthält er im Erd-
geschoss der Reihe nach : die

Gewölbeschlussstein in der Dominikanerkirch
zu Erfurt.

1 Anm. d. Schriftleitung. Eine weitere, von Krebs nicht
aufgeführte Schutzmanteldarstellung in der Evangel. St. Barbara-
Kirche zu Breslau bringt „Die Denkmalpflege" 6, Berlin,
1904, S. 5.

Sakristei, den Kapitelsaal, einen tonnengewölbten Durch-
gang vom Kreuzgang zum Garten, einen andern tonnen-
gewölbten, vielleicht 3 m breiten
Raum und die Fraternei. Das
Obergeschoss nahm, wie überall,
das Dorment ein. Der im Westen
ehemals anschließende Kreuz-
gangflügel ist zerstört. Die drei
Haupträume des Erdgeschosses
sind durch 1, bezw. 2, bezw. 4
in der Längsrichtung des Gebäudes
aufgestellte Säulen in zwei Schiffe
geteilt und durch Kreuzgewölbe
mit Gurten und Rippen überdeckt.
An den Schlusssteinen und an den
Kragsteinen, auf denen an den
Wänden Gurte und Rippen auf-
setzen, erscheint als Ornament
vielfach die Rose, die Blume der
Himmelskönigin. In dem nord-
östlichen Gewölbe der Fraternei
zeigt der besonders reich gebil-
dete Schlussstein unter einem Bal-
dachin die hier abgebildete Gottesmutter mit dem Schutz-
mantel. Die zarte und feine Skulptur, die nicht ganz
intakt erhalten geblieben ist, ist heute in einen dicken
Kalkanstrich eingehüllt.
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