Gesellschaft für Vervielfältigende Kunst [Editor]
Die Graphischen Künste — 21.1898

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DIE GRAPHISCHEN KÜNSTE

IN DER

XII. AUSSTELLUNG DES WIENER AQUARELLISTEN-CLUBS.

Vor Kurzem wurde im Künstlerhaus die »XII. Ausstellung des Aquarellisten-Clubs der
Genossenschaft bildender Künstler Wiens« erösfnet, die mit einer Collectiv-Ausstellung des
Karlsruher Künstlerbundes vereinigt ist. Die Bezeichnung einer »Aquarellausstellung« bedarf
sogleich einer näheren Bestimmung, d. h. einer Erweiterung, insoferne Aquarelle nur die kleinere
Hälfte der Ausstellung ausmachen, die Mehrzahl der Werke aber anderen Techniken angehört: der
Radirung, der Lithographie, der Kohlen- und Bleistiftzeichnung u. a., kurz so ziemlich allen
möglichen Techniken mit alleiniger Ausnahme der Ölmalerei. Durch diese Ausschliessung nehmen
diese Techniken gerechte Rache für die Zurücksetzung, die sie gemeiniglich auf den grossen
Kunstausstellungen durch die Ölmalerei zu erleiden haben, wo sie, erdrückt von der glänzenderen
Umgebung, meistens auch elend untergebracht, in schlecht beleuchteten Räumen, übrig gebliebenen
Winkeln, Corridoren u. dgl. bisweilen geradezu die Rolle zugewiesen erhalten, dem müden
Besucher eine Rast von künstlerischen Eindrücken zu gönnen. Liegt auch in anderen Fällen nicht
absichtliche Zurücksetzung von Seite der Leiter zu Grunde, so ergibt sie sich doch ganz von selbst
von Seite des grossen Publicums — wie die schönste Sonate, das sinnigste Lied, zwischen Orchester-
werken gespielt, nothwendigerweise wirkungslos verhallen. Daher hat sich die Ausstellung vor der
gefährlichen Nebenbuhlerschaft mit Recht behütet und so mag sie auch weiteren Kreisen enthüllen,
dass das speeifisch künstlerische Moment in diesen leichter zu handhabenden Techniken sogar zu
intensiverem Ausdrucke kommen kann als in der Ölmalerei, dass sich hier die Probleme der Kunst
klarer und bestimmter erkennen lassen, dass hier der Morgenwind der heraufziehenden Veränderungen
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