Gesellschaft für Vervielfältigende Kunst [Editor]
Die Graphischen Künste — 43.1920

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ROBERT KOHL.

Die jüngste Kunst unserer Zeit will, indem sie von der äußeren Anschauung möglichst
absieht, das innere Erleben zum Ausdruck bringen. Sie hält das für etwas so unerhört Neues, daß
ihr der Bruch mit der Vergangenheit nicht schroff und gründlich genug sein kann und sie am
liebsten auch auf alle technischen Mittel der überwundenen Kunst Verzicht leisten möchte. Daß
die jüngste Kunst das Schwergewicht in das seelische Erlebnis verlegt, ist nicht nur ihr gutes
Recht, sondern bedeutet auch zweifellos einen wichtigen und fruchtbringenden Fortschritt
gegenüber der Herrschaft des Impressionismus, der allzu beschränkt an der Außenseite der Dinge
haftete. Die Besinnung auf das Innere und seine starke Betonung ist aber keineswegs neu, denn
sie war den frühchristlichen Künstlern und den Nazarenern gewiß ebenso vertraut wie den jungen
Stürmern der Gegenwart. Auch die Geringschätzung der technischen Besitztümer der letzten
Kunststufe ist natürlich schon dagewesen und, weil die Nazarener bereits genannt wurden, so darf
wohl auch daran erinnert werden, daß sie die Üppigkeit der Farbe und das Aktstudium streng
verpönt haben. Heute aber geht man, den ungeheuren Umwälzungen, die unsere politischen und so-
zialen Verhältnisse erfahren haben, entsprechend, auch auf dem Gebiete der Kunst viel weiter, so daß
der besonnene Kunstfreund voll Besorgnis fragt, ob da nicht das Kind mit dem Bade ausgeschüttet
werde, und umso eifriger unter dem das Werk der Zerstörung verrichtenden jungen Nachwuchs
nach Erscheinungen ausspäht, die ihrerseits Gewähr für die Zukunft bieten könnten. Solche
Erscheinungen zu erkennen, ist aber umso schwieriger, als die handwerkliche Überlieferung,
die einzige verläßliche Grundlage aller Kunst, immer mehr in Trümmer geschlagen wird und
angesichts des allgemeinen Bestrebens, sich der Ausdrucksformen von Wilden und Kindern zu
bedienen, selbst Kundige kaum mehr imstande sind, mit Sicherheit das Echte vom Falschen zu
unterscheiden.

Da hilft denn nur die persönliche Bekanntschaft mit dem Künstler selbst, und auf Grund
einer solchen seien hier der Ernst und die Lauterkeit von Robert Kohls Wollen und Streben über
allen Zweifel gestellt. Was er leistet, davon legen hier das Urbild einer jüngeren und die Wieder-
gabe einer älteren Arbeit Zeugnis ab. Robert Kohl ist eine in sich gekehrte, schwerblütige Natur.
Ihm ist es nicht gegeben, spielend mit den glatt abgegriffenen Formen zu hantieren, die andere
geprägt haben. Er ringt lange und mühsam mit dem Ausdruck. Das, was er zu sagen hat, strömt
aber, kommt es auch etwas unbeholfen heraus, stets den starken, herben Duft persönlicher Eigenart
aus. In unmittelbarer Folge davon wirkt es auch als so recht aus dem Geiste unserer zerklüfteten,
aufgewühlten, wild und trüb gährenden, trostlosen Zeit heraus geschaffen. Daher kommt es, daß
zum Beispiel Kohls Hamlet-Blätter (deren eines, das nicht in die bei Franz Hanfstaengl in München
erschienene Folge Aufnahme gefunden hat, hier im Original beiliegt), neben die gegenständlich ver-
wandten Größerer — Delacroix,' Rossettis, Klingers — gehalten, überraschend gut die Probe bestehen.

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