Gesellschaft für Vervielfältigende Kunst [Editor]
Die Graphischen Künste — 43.1920

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ARTUR BRUSENBAUCH.

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All das, worüber Bayersdorfer schon im
Jahre 1868 in einem Briefe vorausschauend
klagte — daß die Maler sich immer philo-
sophischer und spekulativer gehaben, daß sie
sich um die Erscheinungswelt garnicht mehr
bekümmern, so daß sie bald dahin gelangen
werden, die absolute Idee malen zu können
—, ist seither zur Tatsache geworden. Die
Maler — und mit ihnen die Graphiker — der
neuen Generation zeigen nicht mehr, wie die
Maler von früher, an den realen Dingen die
Ideen, sondern sie stellen die Idee mit den
realen Dingen dar; ja die radikalsten von
ihnen haben sich auch davon emanzipiert und
malen und zeichnen, unter Verzicht auf alle
von der Natur in niemals zu bewältigender
Überfülle dargebotene Gegenständlichkeit,
die »absolute Idee«, den »vierdimensionalen
Raum«, den »dynamischen Aktivismus«, das
»raumzeitliche Continuum« und andere Ab-
stracta. Die strenge Dogmatik ihrer theore-
tischen und praktischen Prinzipien unter-
drückt mit folgerichtiger Rücksichtslosigkeit
alles Gefühlsmäßige zugunsten des Gedank-
lichen, somit das Persönliche zum Vorteil
des Schematischen.

Immerhin gibt es noch genug bildende
Zeichnung. Künstler — und es sind nicht die geringeren
Könner —, die von den Sichtbarkeiten der Welt den nie versiegenden Anreiz zum Schaffen
empfangen. Ein solch undogmatischer, theorienloser, freudwillig an das Leben hingegebener Gestalter
ist der Maler und Graphiker Artur Brusenbauch, von dem dieses Heft ein Originalblatt und Wieder-
gaben einiger seiner Arbeiten enthält.

Er ist eines von jenen nicht allzu häufigen Talenten, welche die Naturgabe beglückt, mit leichter,
flinker Hand, ohne Zagen und Zögern, die richtige Zeichensetzung und Rechtschreibung zu treffen.
Die Landschaft und das Bildnis, das Stilleben und das Interieur und all die Dinge, aus denen sich

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Aitur Brusenbauch, Selbstbildnis.

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