Hartlaub, Gustav Friedrich
Der Stein der Weisen: Wesen und Bildwelt der Alchemie — München, 1959

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3Die SymbouS

Daß die Astrologie schon in der Antike - bei den Ägyptern und Römern
insbesondere - der bildenden Kunst viel Stoff gegeben hat, ist bekannt.
Auch im christlichen Mittelalter und erst recht in der abendländischen Re-
naissance hat der heidnische Sternglaube - von den Kalendermotiven des
Tierkreises bis zu den Schicksalsbildern der sieben Planeten - eine Rolle
gespielt; erst im 17.Jahrhundert trat dieser Stoffkreis zurück. Daß auch
die Alchemie einst in vielfachen Beziehungen wenigstens zur Malerei und
Graphik stand, ist weniger bekannt, obschon ein solches Verhältnis wahr-
scheinlich genug ist. Denn erstens mußte die Fülle von >Bildern< und
Gleichnissen, mit denen die Hermetiker gewissermaßen vom Begrifflich-
Verstandesmäßigen insTraumhaft-Symbolischezurückstrebten, von selbst
einmal aus dem Bereich des Wortes in das der optischen Illustration hin-
überrücken. Zweitens enthielt das Leben und Treiben der Alchemisten,
wie es uns neben den romantischen Schilderungen der Anhänger vor allem
die Satiriker beschreiben, so viel malerische Eigenschaften (Unordnung
und Chaos sind ja meistens pittoresk), zugleich so viel halb tragikomische,
halb auch poetische Züge, daß sie sich der Malerei, die seit dem Ende des
Mittelalters das Sitten- und Genrebild entwickelte, geradezu aufdrängen
mußten.

Auch noch von anderen Auswirkungen geben unsere Abbildungen Bei-
spiele: jene kulturgeschichtlich so merkwürdigen Medaillen, die zum Ge-
dächtnis gelungener Transmutationen aus so entstandenem Golde bezie-
hungsweise Silber geprägt sein wollen, dazu der zeremonielle Prunkofen,
den wir gleichfalls in unseren Bilderläuterungen kurz beschreiben. Da-
gegen handelt es sich bei den Hauptspiegelungen um Gebiete, zu denen
wir hier mindestens allgemeine Gesichtspunkte beisteuern müssen.

Im Gegensatz zum Sternglauben, dessen Thematik vom 14. bis 16. Jahr-
hundert sogar in die monumentale Wandmalerei und Plastik eindringt, be-
schränkt sich die alchemistische Darstellung in der Hauptsache auf Lehr-
und Meditationsbilder in den geschriebenen und gedruckten Traktaten.
Außerhalb dieser engen Zone muß der bildnerische Niederschlag erst wie-
der aufgespürt, kann auch oft höchstens vermutet werden.
Ursprünglich hat der Traum vom Stein der Weisen eine reiche Bilderwelt
erweckt, eineFülle vonFarben und Figuren, die an sich häufig der trockenen
Erfindung von Allegorikern entstammten, aber durch Künstler, welche

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