Historisch-Philosophischer Verein <Heidelberg> [Editor]
Neue Heidelberger Jahrbücher — 12.1903

Page: 141
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Ein neuer juristischer Papyrus der Heideiberger
Universitätsbibliothek.

Mit Faksimile.

Von

G. A. Gerhard mul 0. Gradenwitz.

I. Edition (mit Exkursen) von Gerhard.

Von den lateinischen Stücken unserer Sammlung wurde eines, das
Fragment aus einem Digestenkodex (P. 1272) kürzlich publiziert.1)
Gleichfalls litterarisch-juristischen Inhalt — merkwürdigerweise wieder
aus dem Erbrecht — bietet der P. 1000, den ich in Begleitung einer
Lichtdrucktafel im Folgenden mitteile. Bei der Lesung und Verarbeitung
des Textes berieten mich in liebenswürdiger Weise die Herren Professoren
Otto Gradenwitz und Franz Bühl in Königsberg. Ferner muss ich
Herrn Professor Deissmann hier und Herrn Dr. Crönert in Bonn
für gütige Durchsicht der Bogen und nützliche Winke Dank sagen.
Herr Prof. Gradenwitz hat auch diesmal die Freundlichkeit, der Edition
eine sachliche Erläuterung beizufügen (S. 179 ff.). In letzterer Beziehung
macht sich nun freilich der geringe Umfang und die schlechte Erhaltung
des Blättchens leider besonders schmerzlich fühlbar. Handgreiflich ist
dagegen sein Wert für das antike Buchwesen und für die Paläographie.

Bis jetzt hatte man auch in den ältesten neuerdings ans Licht ge-
tretenen juristischen Handschriften mit einer eigens zu erklärenden Aus-
nahme2) Kodizes3) erkannt. Unser 3cm hoher und 7,4cm breiter Pa-
pyrus, links ganz aussen Spuren einer Klebung zeigend und nur auf
dem Bekto der feinen Charta in der Bichtung der Horizontalfasern be-
schrieben, erweist sich als ein mit dem Band erhaltenes unteres Ko-
lumnenende aus einer Bolle.

NEUE HEIDELB. JAHRBUECHER XII.

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