Historisch-Philosophischer Verein <Heidelberg> [Editor]
Neue Heidelberger Jahrbücher — 12.1903

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August Reiehensperger und der Kirchenban
der Renaissance.

Von

Otto Honsell.

Zu derselben Zeit, da bei uns die bildende Kunst aus einem un-
mittelbaren Zurückgehen auf die Schöpfungen der Antike neue Kraft und
neue Vorbilder zu gewinnen strebte, und der Klassizismus im Norden wie
im Süden, in Berlin, Dresden und München durch glänzende Leistungen
seinen Sieg zu verkünden suchte, bildete sich im Stillen eine Richtung
aus, die ganz von dieser Strömung abgekehrt, dem Mittelalter sich zu-
wandte. Sie war hervorgegangen aus der führenden Kunst, der Dichtung.
Die Romantiker versenkten sich mit schwärmerischer Hingabe in den
Geist, in die Thaten und Empfindungen der mittelalterlichen Helden;
rüstig arbeitete die Sprachwissenschaft an der Erkenntnis der Sprache
und der nationalen Epen und Volkslieder jener Zeit. Die Brüder Boisseree
sammelten Bilder der Kölner Meister und suchten die verachteten goti-
schen Bauwerke auf; man hörte wieder die stille Mahnung des Kölner
Doms und arbeitete an Plänen für die Vollendung des herrlichen Werkes.
Die Thätigkeit englischer Künstler und Forscher regte auch auf dem
Festland zur Beschäftigung mit der älteren Baukunst an. — In dieser Zeit,
Anfang der fünfziger Jahre, begann August Reiehensperger seine schrift-
stellerische Thätigkeit, seine Arbeit um die Wiederbelebung der Gotik,
seinen Streit wider die Renaissance und den Klassizismus.

1) Von seinen Schriften sind hier benutzt und kommen für die kirchliche
Architektur in Betracht:

Die christlich-germanische Baukunst und ihr Verhältnis zur Gegenwart.

3. Aufl.

Fingerzeige auf dem Gebiet der kirchlichen Kunst.

Vermischte Schriften über christliche Kunst.

Allerlei aus dem Kunstgebiet.

NEUE HEIDELB. JAHRBUECHER XII.

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