Heerwagen, Heinrich
Die Lage der Bauern zur Zeit des Bauernkrieges in den Taubergegenden — Nürnberg: Mohr & Zimmer, 1899

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Dr. G. Wilhelm Bensen, Kurze Beschreibung und Geschichte der Stadt
Rothenburg o. T. Erlangen 1856.

W. H. v. Riehl, Ein Gang durchs Tauberthal. Allgemeine Zeitung 1865.

Was nicht speziell unsere Gegend berührt, findet sich an Ort und Stelle zitiert.

Obengenannte Bücher enthalten zum grössten Teil eine Ueberfülle von
urkundlichen oder aus Urkunden herausgearbeiteten Materials. Zu dessen Er gänzung
_ unternahm Verfasser eine grössere Fusswanderung in der Thal- und Berglandschaft
an der Tauber, um in gemeindlichen, und Pfarrarchiven Gedrucktes mit den Originalen
zu vergleichen und Ungedrucktes heranzuziehen. Ueber manches geschichtlich
Gewordene in den Verhältnissen des Landes suchte er sich ausserdem namentlich
bei älteren Leuten in der Gegend Belehrung, was hoffentlich der Arbeit einiger-
maßen zugute gekommen ist. Von einem Besuche des fürstlich Löwenstein-
Wertheimschen Archives zu Wertheim konnte wohl abgesehen werden, da dasselbe
noch nicht vollständig geordnet ist, und zudem eine sichere Hand ihm dort
eigentlich schon zuvorgekommen ist (R. Schröder: Zu Grimm’s Weistümern die
betreffenden Bände, Oberrh. St. R. I. Bd.), so dass sehr in Frage stand, ob entgegen-
stehende Schwierigkeiten durch etw. aige Sonderfunde würden aufgewogen werden.
Dagegen bedauert Verfasser sehr, das gerühmte Archiv des erzbischöflichen
Ordinariats in Würzburg nicht mehr haben benutzen zu können. Doch war ihm
anderseits das städtische Archiv in Rothenburg o. T. dank dem Entgegen-
kommen des Herrn rechtskundigen Bürgermeisters Manu daselbst, zu Gebote, und
die treffliche Registrierung des handschriftlichen Bestandes half wenigstens auf die
örste Spur. Dank schulde ich auch den Herren Pfarrern und Gemeindebeamten, die
mir dies und jenes Hemmnis beseitigt. Wer es jemals unternommen hat, auch auf
dem Lande handschriftlichen Schätzen der Vergangenheit nachzusuchen, der wird
die Hindernisse alle '/u«Vül"diO'en wissen, die sich auch dem energischsten Forschen
in den Weg stellen. — Wieviel für uns wertvolle Handschriften mögen schon lange
vor unserer Zeit unwiederbringlich verloren gegangen sein! Schon im Bauernkrieg
hat da der Bauer nach Möglichkeit tabula rasa gemacht und die verhasste Rechte
enthaltenden Dokumente mit grimmiger Freude zerstört. Das lag ja schliesslich
auch in seinem Interesse. Fries berichtet von den Bauern in Schwartzach, die
nicht bloß Thüren, Fenster und Möbel in Trümmer schlugen, sondern ganz besonders
auch „bucher, register und beth zerrissen“. (S.314.) Scheffel erzählt in seinen
„Reisebildern“ (1887 S. 27) in humoristischer Weise, wie man es im Schwarzwald
trieb: „Im Bauernkrieg gabs einmal Gelegenheit, das St. Blasische Archiv gründlich
zu bereinigen; ein heller Haufen aus dem Hauensteinschen ‚verruinierte“. damals die
Bibliothek und Zubehör so durchgreifend, dass, wie der gelehrte Abt Herbert klagt
(Historia nigrae silvae II, p. 348), man damals bis an die‘ Kniee in zerrissenen
Urkunden waten konnte.‘“ Das verstand man allerorten nur zu gut. Begreiflicherweise
ist aber auch bei den heutigen' Bauern nur sehr ausnahmsweise ein Interesse für
die „alten Papiere“ vorhanden, und wer den Aktenstücken nachspüren will, welche
durch Veranlassung der Badischen historischen Kommission verzeichnet wurden,
muss auch gewärtig sein, sie unter anderen nass und schmutzig gewordenen
; Päpiei'en auf einem Speicher stundenlang vergeblich suchen zu müssen.

Im folgenden gebe ich die Zusammenstellung des umfangreichen hand-
schriftlichen Materials mit Einschluss des vergeblich Gesuchten in chronologischer
Ordnung :
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