Hildebrand, Adolf von
Das Problem der Form in der bildenden Kunst — Straßburg, 1910

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die Figur nur als Naturprodukt iarbig wirken,
nicht als ein farbig Dargestelltes, wobei die
Farbe als Ausdruck des Dargestellten benutzt
wird. Dazu kommt, daß der Natur gegenüber
die Figur in erster Linie sich als ein Ganzes
behaupten muß, und es ist deshalb nötig, sie auch
als Farbe möglichst zusammen zu halten. So stellt
es sich als das im allgemeinen Richtige heraus,
dem Stein wenn nötig eine Tönung, der Bronze
eine Patina zu geben. Alle Bemalung vom Ge-
sichtspunkte der direkten Naturwahrheit aus ist
eine Roheit.

V.

Die Reliefauffassung.

Wir haben im letzten Kapitel gezeigt, wie der
Künstler bei seiner Aufgabe — für die kompli-
zierte dreidimensionale Vorstellung eine einheit-
liche Bildvorstellung zu schaffen — zu einer immer
konzentrierteren Gegenüberstellung der gegen-
ständlichen Flächenwirkung zu der allgemeinen
Tiefenvorstellung gezwungen wird. Mit dieser Ge-
genüberstellung gelangt er zu einer einfachen Vo-
lumenvorstellung, zu der einer Fläche, die er nach
der Tiefe fortsetzt. Um sich diese Vorstellungs-
weise recht deutlich zu machen, denke man sich
zwei parallel stehende Glaswände und zwischen
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