Hiller von Gaertringen, Friedrich; Wilski, Paul; Hiller von Gaertringen, Friedrich [Editor]
Thera: Untersuchungen, Vermessungen und Ausgrabungen in den Jahren 1895 - 1902 (Band 3): Stadtgeschichte von Thera — Berlin, 1904

Page: 121
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Fig. 96. Kentaurenkampf. Metope eines unbekannten Baues, gefunden in der Verlängerung
des Aufganges zur „Kaserne", unterhalb der Straße zur Agora; Länge 0.37 m, Höhe 0.35 m.

FUENFTES KAPITEL
OEFFENTLICHE BAUTEN DER ROEMISCHEN KAISERZEIT

Thera war, wir wissen nicht genau, seit wann, eine Stadt des römischen Weltreichs. Provinz Asia
Wie die meisten Inseln des Aegäischen Meeres gehörte es zur Provinz Asia, deren Hauptstadt
Ephesos uns durch die österreichischen Ausgrabungen immer glänzender und reicher entgegen-
tritt; es unterstand dem dort sitzenden Proconsul. Im Ephesos Ehrenstellen zu erringen, mochte
wohl das Ziel des politischen Strebens für die intelligenteren und wohlhabendsten Theräer sein
(I. G. XII 3, 526). Die Masse lebte freilich weiter für die alltäglichen Dinge, die jetzt an
Bedeutung gewannen, weil die große auswärtige Politik wegfiel. So kümmerte man sich
stärker um die inneren Zustände, vor allem um die öffentlichen Bauten, die dessen sehr be-
durften, und hielt es, was uns besonders wertvoll ist, auch nicht unter seiner Würde, diese
Fürsorge recht eingehend auf den Steinen zu verzeichnen. Dem verdanken wir mancherlei
interessante Kunde. Man braucht jetzt nicht mehr mühsame chronologische Untersuchungen
anzustellen; die Namen der römischen Kaiser unterscheiden sich besser als die der Ptolemäer!
So mag hier zunächst vorgeführt werden, was sich nach den Kaisern datieren läßt. Und dann
erst wollen wir das betrachten, was eigentlich noch wertvoller sein dürfte, die Kultur der
ganzen Zeit, das Privatleben und vor allem die Wohnungen der Theräer, deren Grundzüge
sich schon in viel früheren Jahrhunderten gebildet hatten.

Schon bald nach der Schlacht bei Actium begann in Thera der Kaiserkultus. Seine Kaiserkultus
Stätte war auf der Dionysosterrasse, die man dem gesteigerten Luxusbedürfnis entsprechend von
der Seite des Marktes her mit einer großen Freitreppe versah. Daß damit ein Stück der
schönen Rusticamauer verdeckt wurde, bekümmerte nicht. Das Material zur Treppe nahm man
her, wo man es fand, vermutlich von älteren Bauten, die nun eingerissen wurden. Es entbehrt

THERA III. j.6
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