Hiller von Gaertringen, Friedrich; Wilski, Paul; Hiller von Gaertringen, Friedrich [Editor]
Thera: Untersuchungen, Vermessungen und Ausgrabungen in den Jahren 1895 - 1902 (Band 3): Stadtgeschichte von Thera — Berlin, 1904

Page: 137
DOI Page: Citation link: 
https://digi.ub.uni-heidelberg.de/diglit/hiller1904/0150
License: Public Domain Mark Use / Order
0.5
1 cm
facsimile
Fig. 119. Kohlenbeckenhenkel.

SECHSTES KAPITEL
HELLENISTISCHE UND ROEMISCHE PRIVATHAEUSER

UND VERWANDTES

Jetzt komme ich zu einem Kapitel, dessen Abfassung ich gern einem anderen überlassen
hätte. Leider habe ich aber keinen Sachverständigen gefunden, der Zeit und Lust besaß, es
zu schreiben, und fühle doch als Leiter der Ausgrabung die Verpflichtung, dafür zu sorgen,
daß es in irgend einer Form geschrieben werde. Zum Glück stehen mir die Aufnahmen
und Beschreibungen von Wilski zu Gebote, der diesen Mauern soviel abzusehen bemüht war, als
es irgend anging. Außerdem verdanke ich im einzelnen noch manchen anderen wertvollen Rat.
Einige Häuser sind schon von Dörpfeld und Wilberg im ersten Bande behandelt worden; sie
durften hier nicht ausgeschlossen werden. Im übrigen ist die Forschung in vollem Flusse
und wird es noch lange sein; und es ist mir lieber, einen kleinen Nebenfluß in den großen
Strom zu leiten und damit diesen nach besten Kräften zu verstärken, als unthätig an der
Mündung zu stehen und die Wasser, die da kommen, abzuwarten, während das mir anvertraute
Land brach liegt und versumpft. Eine abschließende Kritik der gefundenen Mauern und
sonstigen Reste kann ich nicht geben; für manches mögen die Abbildungen Ersatz gewähren,
anderes mögen die Forscher, die dazu berufen sind, sich selbst an Ort und Stelle ansehen,
mögen mit vertieften und erweiterten Gesichtspunkten nachmessen und nachgraben und dann
auch nicht vergessen, es bald, ohne Schonung der Vorgänger, der gelehrten Welt mitzuteilen.
Dann wird diese Darstellung als Stufe zur weiteren Erkenntnis ihren Zweck erfüllt haben.

Als Vergleichungsmaterial wird der Spezialforscher heutzutage in erster Linie die sehr
viel prächtigeren Häuser in Delos und Priene heranziehen. Für Priene erwarten wir das Werk
von Wiegand und Schrader, von Delos hat das Bulletin de correspondance manche vortreffliche
Hausbeschreibungen gebracht und anschauliche Pläne; vgl. P. Paris VIII 1884, 473 ff. und Tafel 21,
und besonders Couve (und Convert) XIX 1895, 460 ff. und Tafel 3—6. Die Handbücher
brauche ich nicht zu nennen, da sie jedem geläufig sind; nur beispielshalber erwähne ich die
lehrreichen Zusammenstellungen von Guhl-Koner-Engelmann Leben der Griechen und Römer
192 ff., Springer-Michaelis Handb. der Kunstgeschichte I7, 1904, 301; Luckenbach Kunst und
Geschichte4 1902, 7; E. Gardner The greek house in Journ. hell. stud. XXI 1901, 293 ff.,
besonders S. 297. Alle bestreben sich, wie es sich gebührt, die Forderungen des Vitruv mit
den vorhandenen Ruinen zu vergleichen, zunächst den hellenistischen; der weitere Schritt ist

THERA III. j8

1
I
loading ...