Innendekoration: mein Heim, mein Stolz ; die gesamte Wohnungskunst in Bild und Wort — 51.1940

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INNEN-DEKORATION

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»SCHREIBTISCH DES GENERALDIREKTORS« NUSSBAUM SCHLICHT MIT WURZELMASER UND BUCHSBAUMADERN

VOM PALAIS ZUM VERWALTUNGSGEBÄUDE

Eine Versicherungsgesellschaft hatte das Wiener
Palais eines großen Herrn des 18. Jahrhunderts
erworben. Der repräsentative Bau sollte im Äußeren
unverändert erhalten bleiben. Im Inneren aber galt es,
das Haus seinerZweckbestimmung zuzuführen, es auf
einen anderen Inhalt umzustellen. Die fürstlichen
Räume, aus deren vorwiegend theresianischer Deko-
ration in unser technisches Maschinenzeitalter noch
etwas hinüberschwang von der Atmosphäre des »Ro-
senkavaliers«, sollten möglichst unverändert bewahrt
und erhalten werden. Die Umstellung der grand-
seigneuralen Welt, von der Werner Sombart sagte,
daß in ihr sich die Einnahmen nach den Ausgaben
richteten, auf das neue Haus, auf den Betrieb eines
auf nüchterner Wahrscheinlichkeitsberechnung und
statistisch belegbarer Erfahrung beruhenden Wirt-
schaftsunternehmens, bei dem sich also die Ausgaben
nach den Einnahmen zu richten haben, wurde dem
Architekten überlassen. Zwei unüberbrückbar er-
scheinende Gegensätze in Einklang zu bringen, zwei

Welten, zwei wesensfremde Zeitalter zu vermählen,
das war die Aufgabe, der Auftrag, den Professor
Fritz August Breuhaus mit der Neugestaltung der
inneren Einrichtung erhielt.

Die leicht verzopfte, aber nie sich versteifende De-
koration der fürstlichen Räume, die in österreichi-
schem Maßhalten stets ihre Unaufdringlichkeit be-
wahrt und jedes Überladensein vermeidet, die der Ver-
lockung zur ausschweifenden Phantasie nicht nach-
gibt und doch nie trocken und ernüchternd wirkt, die
vielmehr stets einen spezifisch wienerischen Klang
liebenswürdig heiterer Eleganz bewahrt, sie läßt uns
an das großartige Vorbild von Schloß Schönbrunn
denken. Mit leisem Lächeln erinnern wir uns dabei
des Besuches der von Kaiser Franz Joseph bewohnten
Zimmer, die im Stile seiner Zeit neu eingerichtet wur-
den. Da sind die neubarocken schweren Mahagoni-
betten des kaiserlichen Paares mit den spießigen
Nachtschränken, in ihrer gutbürgerlichen Beschei-
denheit fast rührend, wie Fremdkörper in eine anders
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