Innendekoration: mein Heim, mein Stolz ; die gesamte Wohnungskunst in Bild und Wort — 53.1942

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INNEN-DEKOR AT ION

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EIN LANDHAUS IN BERLIN-DAHLEM STRASSENSEITE MIT HAUPT EINGANG

AM RANDE DER GROSSTADT

EIN LANDHAUS IN BERLIN-DAHLEM VON PROF. F. A. BREUH AUS-BERLIN

enn Otto Valentin in der Einleitung seines Bu-
ches »Gärten« sagte: »Die Schönheit eines Gar-
tens liegt nicht in einer möglichst reichen Gestaltung
oder in der Mannigfaltigkeit seiner Motive, sondern in
seiner Haltung«, so läßt sich das ohne Einschränkung
auch auf den Hausbau übertragen und vor allem auf
dies »Haus am Rande einer Großstadt«, das mit dem
Garten eine unzertrennbare Einheit, fast ein leben-
diges Wesen darstellt, mit dem die Bewohner als
gute Freunde zusammenleben wollen.

Es läßt sich nur schwer entscheiden, wo die Arbeit
des Architekten beginnt und wo die Aufgabe des Gar-
tengestalters aufhört, denn nur wenn beide von An-
fang an aufs engste zusammenarbeiten, kann die le-
bendige Einheit von Haus und Garten zustande kom-
men. Und wie der Bau des Hauses bereits mit der
Wahl des Grundstücks beginnt, das einmal als Bau-
platz dienen soll, ist auch der Aufbau des Gartens von
vornherein von der Lage und Form des Grundstücks
abhängig. Und schließlich: wie das Haus im Garten
liegt, so die Wirkung des einen und des andern.

In Berlin-Dahlem, dort, wo die Viermillionenstadt
in den Grunewald hineinwächst, hat Fritz August
Breuhaus dieses Haus von ausgeprägter Eigenart
errichtet, das künstlerischen Willen und hohe Wohn-
kultur schon im Äußern deutlich erkennen läßt.
Mit sicherer Überlegenheit hat er es vermocht, für

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ein Eckgrundstück an zwei stumpfwinklig geschnit-
tenen Straßen eine Lösung zu finden, die in jeder Hin-
sicht Beachtung verdient.

Nicht nur aus den Aufnahmen, auch aus dem Lage-
plan ist ersichtlich, wie eng die Beziehung dieses Hau-
ses zu seiner Umgebung ist, die hier eine wirkliche Er-
weiterung der Wohnräume darstellt. Der niedere,
langgestreckte Bau gestattete ein vollkommenes
Ineinandergehen von Haus und Garten, die in ihrer
Haltung aufs glücklichste einander entsprechen.

Die gesamte^Anlage^zeugt davon, daß Breuhaus
nicht der Versuchung erlag, dem Bau eine unnatür-
liche Monumentalität zu verleihen, wozu die Größe
der Aufgabe leicht hätte verleiten können, sondern
daß er neben den landschaftlichen, vor allen Dingen
den praktischen Erfordernissen Rechnung trug. Dies
tat er mit Geschick und Feingefühl. Wir spüren
jene innere Bescheidenheit, die darauf verzichtet,
interessant sein zu wollen.

Lautlos und ohne Pathos dient dieser Bau dem täg-
lichen Dasein seiner Bewohner, in der natürlichen und
einfachen Größe aber gerade das offenbarend, was
wir von je an den Landhausbauten von Breuhaus be-
sonders empfunden haben: die Fähigkeit, Haus und
Garten als ein organisches Ganzes zu gestalten,""ohne
sich'an starre Formvorstellungen zu binden'oder sich
in irgendwelche verwirrende Einzelheiten zu verlieren.
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