Innendekoration: mein Heim, mein Stolz ; die gesamte Wohnungskunst in Bild und Wort — 53.1942

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INNEN-DEKORATI ON

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SQDWESTANSICHT DES SOMMERHAUSES MIT GESCHLOSSENEM UND OFFENEM GESCHÜTZTEM SITZPLATZ

SOMMERHAUS IN BRAUNLAGE

VON ARCHITEKT PAUL SCHAEFFER-HEYROTHSBERGE-MAGDEBURG

Das Sommerhaus ist eine Abart des Einfamilien-
hauses, es ist gewissermaßen seine ländliche und
allen Möglichkeiten des freien Landschaftsraumes
aufgeschlossene Schwester, ohne aber den Städter
etwas von dem vermissen zu lassen, was seinen stän-
digen Gewohnheiten in der Stadt entspricht.

Schon in frühen Zeiten spielte das Sommerhaus
immer in der Architektur eine Rolle, nie aber wurde
es im allgemeinsten Sinne populärer als im letzten
Drittel des neunzehnten Jahrhunderts, zur Zeit jenes
Aufstiegs des Reiches und zu den Zeiten, da die In-
dustrialisierung der Länder im vollen Gange war. Nie
vorher sind die Städte des Reiches so rasch gewachsen
als in jener Zeit, und damals war es auch, daß in den
bereits bestehenden beschaulichen Bäder- und Kur-
orten wie in den neu entstehenden Luftkurorten
und sonstigen landschaftlich bevorzugten Plätzen
»Villen« und Landhäuser in sehr großer Zahl aus
dem Boden wuchsen. Was aber in gesundheitlicher

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und wirtschaftlicher Hinsicht sehr zu begrüßen war,
wurde in baukünstlerischer Hinsicht ebenso bekla-
genswert, denn die siebziger und achtziger Jahre,
denen jeder materielle Vorteil zu Gebote und jeder
Baustoff unbegrenzt zur Verfügung stand, brachten
aus schöpferischem Unvermögen heraus alle mög-
lichen geschmacklosen verwirrten Kombinationen
hervor, die uns heute völlig unverständlich erscheinen.

Mit der Jahrhundertwende trat dann eine kunst-
schöpferische Wandlung in Deutschland ein. Die
Wand, die Decke, das Möbel, der ganze Außenbau er-
fuhren eine Neuerung und die reformierenden Künst-
ler machten auch vor der Gestaltung des Gartens
nicht halt. Es entstand der sogenannte architekto-
nische Garten, der draußen im Freien den Grundriß
des Hauses wiederholen sollte. Im ganzen gesehen
entsprach dies alles einer mehr aristokratischen
Kunst, die noch eines erweiterten Rahmens harrte,
aber der neuen, vom Historizismus sich lösenden
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