Kunsthistorische Sammlungen des Allerhöchsten Kaiserhauses <Wien> [Editor]
Jahrbuch der Kunsthistorischen Sammlungen des Allerhöchsten Kaiserhauses (ab 1919 Jahrbuch der Kunsthistorischen Sammlungen in Wien) — 16.1895

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PETER FLÖTNER ALS PLASTIKER UND MEDAILLEUR,

vornehmlich nach seinen in den Kunstsammlungen des Allerhöchsten Kaiserhauses

befindlichen Werken.

Von

Karl Domanig.

ekannt ist, »welche rückhaltlose Anerkennung Meister Wentzel
Jamitzer (Jamnitzer) mit seiner Kunst bei seinen Zeitgenossen
in Nürnberg sowohl als im Auslande fand, wie hoch er aller
Orten geehrt worden ist und dass er unsterblichen Ruhm sich
erworben hat. Aber Wentzel Jamitzer hatte, weil er mit seinen
Ideen sehr freigebig war und seine Entwürfe nur selten mit
seinem Namen bezeichnete, das Missgeschick, dass die Kennt-
niss seiner Kunstweise in neuerer Zeit fast ganz verloren ge-
gangen war; man wusste zuletzt nicht mehr, was er geschaffen
hat«.1 Ganz dasselbe Geschick ist aus dem nämlichen Grunde
einem älteren Zeit- und Heimatsgenossen Jamitzer's, dem Bild-
hauer Peter Flötner zu Theil geworden.

Ueber Flötner's Leben wissen wir so viel wie nichts.
Baader2 führt unter den Nürnberger Bildschnitzern zum Jahre
1523 neben Mathes Gebel einen Peter Flattner an; woher er die
Notiz schöpfte, ist nicht gesagt. 1542 begegnet uns Peter Flötner, Bildhauer, mit Bernhard Schaller als
Vormund über Jörgen Sonnenschein's seligen Kinder3 und 1546 meldet das Todtengeläutbuch von
St. Sebald,* dass »Peter Flettner, bildhauer am Spitzenberg« gestorben sei. Des Künstlers Selbstporträt
vom Jahre 1533 glaube ich in der in unserer Initiale abgebildeten sitzenden Figur entdeckt zu haben;5
es stimmt mit einem bekannten, bedeutend jüngeren Porträt Flötner's (Fig. 1) gut überein.

• Bergau, Wentzel Jamitzer's Entwürfe zu Prachtgefässen in Silber und Gold, Berlin 1879, S. 2.

2 Beiträge zur Kunstgeschichte Nürnbergs, S. 5. — Muck, Geschichte vom Kloster Heilsbronn, I, S. 226, sagt, dass
ein Bildschnitzer Peter von Nürnberg, ein Zeitgenosse von Veit Stoss, »anderwärts« (sie) genannt werde. Man könnte an
Flötner denken.

3 Des Johann Neudörfer, Schreib- und Rechenmeisters zu Nürnberg, Nachrichten von Künstlern und Werkleuten da-
selbst aus dem Jahre 1547, herausgegeben von Dr. G. W. K. Lochner (Quellenschriften für Kunstgeschichte, Bd. X), S. 116.

4 Mittheilungen aus dem Germanischen Nationalmuseum, II, p. 278. — Vgl. gegen Reimer's Annahme, dass Flötner
erst 1547 gestorben sei, Mittheilungen des Oesterreichischen Museums 1890, S. 269.

5 Das Blatt, welchem beide Figuren entnommen sind (Original im Oesterr. Museum), zeigt ein Bett auf einem Podium
in Perspective und ist signirt P. F. 1533. Zeichnungen von Möbeln versieht Flötner fast niemals mit Staffagen; was in dem
sitzenden Manne, welcher von dem anderen Geld zu empfangen scheint, von vorneherein den Künstler vermuthen lässt, ist
das Werkzeug in seiner Linken, der Steinmetzklöpfel, den er in Verbindung mit dem Mcissel geradezu als sein Künstler-
zeichen verwendet (vgl. unten S. 6). Vielleicht sollte die Darstellung eine launige Erinnerung für den Besteller sein. —
Eine ähnliche Figur kehrt, was bei Flötner auffällt, auf Blatt 23, Rückseite in »Der Hungern Chronica« wieder.

XVI. 1
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