Kunsthistorische Sammlungen des Allerhöchsten Kaiserhauses <Wien> [Editor]
Jahrbuch der Kunsthistorischen Sammlungen des Allerhöchsten Kaiserhauses (ab 1919 Jahrbuch der Kunsthistorischen Sammlungen in Wien) — 25.1905

Page: 239
DOI Page: Citation link: 
https://digi.ub.uni-heidelberg.de/diglit/jbksak1905/0243
License: Free access  - all rights reserved Use / Order
0.5
1 cm
facsimile
Eine Gruppe von Holzschnittporträten Karls V. um die Zeit der Kaiserwahl.

239

gen Adler gehaltene Wappen des Königreiches Spanien zwischen mit Granatäpfeln ausgeschmückten
Füllhörnern, von denen links ein Bogen und rechts ein Bündel Pfeile herabhängen (Taf. XXXVIII).

Diese weder Bartsch noch Passavant bekannte Ausgabe ist an folgenden Stellen literarisch be-
handelt worden: Thausing, Dürer, 2. Auflage (1884) II, 161, Anm. 3; Dodgson, The Dürer Society,
First Series, 1898, Nr. 20, und Mitteilungen der Gesellschaft für vervielfältigende Kunst, 1905, S. 66.
Der Abdruck des Dresdener Kupferstichkabinetts, welcher lange als Unikum galt, ist zweimal reprodu-
ziert worden, gegen 1891 in einem, so weit ich erfahren konnte, nicht für die Öffentlichkeit bestimmten
Lichtdruck, dann 1898 in der hier wieder abgedruckten Zinkätzung der Londoner Dürergesellschaft.
Im Jahre 1905 fand ich in der reichen Dürersammlung der Bremer Kunsthalle einen zweiten, leider
beschnittenen, aber, wie es scheint, früheren Abdruck (242 : 191 mm BL). Es fehlt der ornamentale
Aufsatz; da die Einfassung die auf dem Dresdener Exemplar unter dem Schweife des Adlers bemerkbare
Fehlstelle nicht aufweist, darf man wohl vermuten, daß der obere Stock überhaupt eine spätere Zutat
war. Es ist eben nicht wahrscheinlich, daß das Ornament, wenn schon vorhanden, vom Abdruck ab-
geschnitten worden sein sollte; das Fehlen eines Randes schließt aber die Gewißheit aus. Nach dem
abweichenden Wortlaute des Textes gehört aber dieses Exemplar bestimmt einer anderen Auflage an.
Die Unterschrift besteht nämlich nur aus sechs Zeilen links und rechts vom Teppich, welche die kürzer
gefaßten Titel König Karls enthalten.1 Sowohl die Fassung dieser Unterschrift als auch die bessere
Erhaltung des Holzstockes sprechen für die Priorität der nicht datierten Auflage.

1 a. Von diesem Holzschnitte gibt es einen unbeschriebenen, hier (Taf. XXXIX) verkleinert ab-
gebildeten, zweiten Zustand, der mir nur in einem Abdruck bekannt ist (Berlin, Kupf.-Kab., 238—1884).
Oben steht anstatt des früheren Ornamentes ein neuer, der Breite des Hauptblockes genau angepaßter
Holzschnitt (117 : 197 mm), der den heraldischen Inhalt eines unten zu beschreibenden Nachschnittes
des Porträts (Nr. 3) in ganz origineller Anordnung wiederholt. In der Mitte hält ein Greif das von
der Kette des goldenen Vließes umgebene einköpfige Adlerwappen; die Krone ist wohl eher die römisch-
königliche als die eigentliche Kaiserkrone zu nennen. Zu den Seiten halten zwei Löwen je in der
einen Tatze ein spanisch-österreichisches Wappen, in der anderen eine Fahne mit Bogen und Pfeilen.
Zeichnung wie Schnitt machen einen fremden Eindruck; als Entstehungsort käme wohl Straßburg in
Betracht. Schon der geschmacklose Einfall, auf der rein architektonischen Einfassung des Porträts eine
Landschaft mit offenem Felde aufzubauen, schließt die Möglichkeit aus, daß das neue Stück eine vom
Künstler selbst gewollte Zutat sei. Daß der fremde Zeichner nicht nur die früheren Porträte Karls V.
sondern auch die seines Großvaters gekannt hat, beweisen der Kopf des Greifes mit seiner eigentüm-
lichen Ohrbildung und das Gefieder des Halses und der Flügel; diese Formen sind nämlich dem Greifen
auf der Einfassung des großen Holzschnittporträts Maximilians I. von Hans Weiditz nach Dürer (B. 153)
entlehnt. Der Hauptblock selber ist unverändert. Unten dagegen, an der Stelle des Textes sind zwei neue
Holzstöcke eingefügt, die je drei Wappen der österreichischen und spanischen Lande enthalten, links
vom Beschauer Dalmatien, Kroatien, Bosnien, rechts Sevilla, Galicien, die fünfzehnhundert Inseln. 2

2. Wiederholung von Nr. 1, im wesentlichen nach derselben Zeichnung, doch mit entschiedenen
Verbesserungen, besonders in den Gesichtszügen des Dargestellten. Das hagere, langgezogene Gesicht
ist sorgfältig modelliert, ebenso der Hals; die Nase wirft einen Schatten auf die rechte Wange; die
Augen, denen die halbgeschlossenen Augenlider einen melancholischen Ausdruck verleihen, blicken

Karolus vö gottes gnade Künig in
Hispanie . beide Sicilie vnd . Jerusale
ertz hertzog in Osterreich . Burgundy
Lotring . Steir . Brabät Carinthe Grä
Tirol . Liraburg . Lutzenburg Geldern
Graff in flander . Habspurg . Phyritte

Teppich

Küburg Arthois Burgüdi . pfaltzgraf
zu Hennegaw holad . Seeläd Namen
Sütphe margraf des heilige römische
reich vn zu Burgaw Lätgraf i Elsas
Her vö friesläd.bis auff die windische
marck . Portenaw Salin Mcchcln etc.

2 So heißen sie im Texte zu Nr. I, wie auf der Ehrenpforte Kaiser Maximilians I., der die Darstellung im Wappen
nachgebildet zu sein scheint. Im Texte zu Nr. 2 dagegen (I. Etat) heißt es «der Siben Insel». Sieben größere Inseln sind
tatsächlich im Wappen von vielen kleineren umgeben.
loading ...