Kunsthistorische Sammlungen des Allerhöchsten Kaiserhauses <Wien> [Hrsg.]
Jahrbuch der Kunsthistorischen Sammlungen des Allerhöchsten Kaiserhauses (ab 1919 Jahrbuch der Kunsthistorischen Sammlungen in Wien) — 25.1905

Seite: 85
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facsimile
Fig. i. Pieter Brueghel d. Ä.
Nach dem Stiche von Ägidius Sadeler.

PIETER BRUEGHEL DER ÄLTERE UND SEIN KUNSTSCHAFFEN.

Von

Axel L. Romdahl.
Lebenslauf.

er äußere Lebenslauf Pieter Brueghels d. Ä. ist bald genug erzählt. Die Haupt-
quelle unserer Kenntnis darüber ist Karel van Mander, zu dessen nicht besonders
vollständiger aber stellenweise recht charakteristischer Schilderung die For-
schung nur ein paar Daten hinzufügen konnte. Unter diesen ist leider nicht das
von dem Verfasser des Malerbuches verschwiegene Geburtsjahr, das nur ver-
mutungsweise um 1525 angesetzt wurde.1 Der Meister war ein Bauernsohn aus
einem in der Nähe von Breda — also in einem nachmaligen holländischen Ge-
biete — gelegenen Dörfchen, dessen Namen er zu dem seinigen und dem seiner Nachkommen machte
und damit zu einem der ruhmvollsten der niederländischen Kunstgeschichte.2

Frühzeitige Anlagen mochten wohl seinen Erzieher veranlaßt haben, ihn in die Lehre zu einem
Maler nach Antwerpen zu senden. Warum gerade Pieter Coeck van Aelst, der kenntnisreiche und
vielseitige Romanist, zu seinem Lehrer gewählt wurde, ist freilich schwer zu erraten. Während der
Schülerjahre bereitete sich bei ihm eine, wie wir glauben dürfen, glückliche Verbindung fürs Leben
vor. Van Mander erzählt nämlich im Vorübergehen, wie der Malerjunge des Meisters Töchterlein,
seine künftige Braut, auf den Armen zu tragen pflegte. Pieter Coeck übersiedelte indessen, wahr-
scheinlich infolge seiner Stellung als Hofkünstler, nach Brüssel, wo er im Jahre 1550 gestorben ist.3

1 Wollte man es wesentlich früher setzen, so müßte man annehmen, daß sich der Künstler erst sehr spät entwickelt
hat, und es wäre der völlige Mangel an Werken seiner Hand aus den Vierzigerjahren schwer zu erklären.

■ 2 Der Ortsname und der davon abgeleitete Familienname wurde im XVI. Jahrhundert «Brueghel» geschrieben (Bei-
spiele auch in den Inventirangaben von Stichen nach Pieter Brueghel d. Ä.). Diese Form verwendeten Jan Brueghel d. Ä.
und Pieter Brueghel d. J.; der letztere bezeichnete jedoch die Spätbilder in der heutigen Schreibart des Ortsnamens:
Breughel. Die eigenhändige Signatur des älteren Pieter Brueghel ist immer Bruegel. Ich habe mich für die als Gesamt-
name der Familie in den meisten Katalogen benutzte Form Brueghel entschieden.

3 J. Van den Branden, Geschiedenis der Antwerpsche Schilderschool, S. 158, 159.

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