Kunsthistorische Sammlungen des Allerhöchsten Kaiserhauses <Wien> [Editor]
Jahrbuch der Kunsthistorischen Sammlungen des Allerhöchsten Kaiserhauses (ab 1919 Jahrbuch der Kunsthistorischen Sammlungen in Wien) — 25.1905

Page: 238
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EINE GRUPPE VON HOLZSCHNITTPORTRÄTEN KARLS V.
UM DIE ZEIT DER KAI SERWAHL.

Von

Campbell Dodgson.

" s gilt hier vor allem, eine bestimmte Gruppe von Porträten des jugendlichen
Karl V. einem weiteren Kreise bekannt zu machen, die zwar fast ausnahmslos
beschrieben, teilweise sogar reproduziert, noch nie aber in ihrem richtigen Zu-
sammenhange einer eingehenden Untersuchung unterworfen worden sind. Mit
einer Ausnahme gehören die in Betracht kommenden Holzschnitte zu den aller-
größten Seltenheiten und nur wenige der größeren Kupferstichsammlungen
Europas können sich rühmen, den einen oder den andern zu besitzen; in allen
Varianten liegen sie nirgends beisammen. Merkwürdigerweise ist das Hauptblatt der ganzen Gruppe,
von dem die Albertina einen tadellosen Abdruck besitzt, noch nie abgebildet worden. Die Behandlung
eines dem Programm dieses Jahrbuches so durchaus entsprechenden Themas soll nicht länger ausbleiben
und wenn der Zweck dieses Aufsatzes in der Hauptsache schon durch die Publikation der Porträte
selbst erreicht ist, so sind doch einige Erörterungen über ihre Reihenfolge und namentlich über ihren
mutmaßlichen Autor unentbehrlich, dies umsomehr, als alles, was bisher über diesen Gegenstand er-
schien, meines Erachtens am falschen Ort, nämlich in der Dürerliteratur zu suchen ist.

Es empfiehlt sich aber, die Frage nach dem Meister erst dann aufzuwerfen, wenn wir die be-
treffenden Holzschnitte kennen gelernt haben. Ich führe sie in der chronologischen Reihenfolge an,
die mir unbedingt als die richtige erscheint, und werde versuchen, im folgenden meine Meinung über
die Originalität und Priorität gewisser Varianten gegen abweichende, namentlich von Thausing ver-
fochtene Ansichten zu verteidigen. Das vollständige Illustrationsmaterial überhebt mich einer genauen
Beschreibung der Blätter; ich darf mich also auf die Betonung der Einzelheiten beschränken, die als
Kennzeichen der verschiedenen Zustände, beziehungsweise Wiederholungen oder Kopien besonders
wichtig sind.

i. Brustbild, links und rechts von Säulen eingerahmt, die einen einfachen Balken tragen. Uber
dem Hute steht der aus gotischen Buchstaben gebildete xylographische Titel «Karolus • Rex • Hispanie».
Die Hände des als stehend aufgefaßten Königs ruhen auf einer Brüstung, wovon nur die mit einem
schmalen Teppich behängte Vorderseite sichtbar ist. Dieser Teppich, nebst den Fingerspitzen der
linken Hand, ist auf einen besonderen Holzblock gezeichnet, welcher durch die Einfassungslinie des
Hauptblockes nach unten vorragt; man möchte fast annehmen, daß der weiße Streifen, welcher jetzt
vom Teppich teilweise bedeckt wird, ursprünglich zum Zwecke einer Inschrift leer geblieben sei, wenn
sich nicht die Stellung der Linken ohne den Teppich schwer erklären ließe. Die mit beweglichen
Typen gedruckte Inschrift ist allerdings in der endgültigen Gestaltung des Blattes am Unterrande an-
gebracht, und zwar auf dem hier abgebildeten Dresdener Exemplar in zehn Zeilen, welche die Titel des
Dargestellten «Karolus vö gottes genade Künig in Hispanie» usw. ausführlich kundtun und mit einer
historischen Mitteilung schließen: «Item dise gebildnus ist gemacht nach seiner gestalt 1518.» Oberhalb
des Porträts steht als ornamentaler Aufsatz, von einem dritten Holzstock gedruckt, das von einem einköpfi-
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