Kunsthistorische Sammlungen des Allerhöchsten Kaiserhauses <Wien> [Editor]
Jahrbuch der Kunsthistorischen Sammlungen des Allerhöchsten Kaiserhauses (ab 1919 Jahrbuch der Kunsthistorischen Sammlungen in Wien) — 25.1905

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Kinderbildnisse aus der Sammlung Margaretens von Österreich. 2 37

mir scheinen will, in dem Maler eher Orley als Mabuse erkennen. Schwieriger scheint es mir um ein
Bild der Sammlung des Herrn Ch. Leon Cardon in Brüssel zu stehen, das auch auf der Brügger Aus-
stellung von 1902 zu sehen war.1 Hier sieht man ein mädchenhaft zartes, feines Gesicht mit gerader
Nase, mandelförmigen Augen und einem kleinen Mund, der gar nicht an den habsburgischen Typus
erinnert. Alles dies stimmt nicht zu Isabella, ebensowenig wie die Tracht, die nicht im entferntesten
an die am Hofe Margaretens übliche erinnert. Das Bildnis ist aber gleichwohl mit dem Buchstaben Y
und einer Krone darüber als das einer Isabella aus königlichem Geblüt beglaubigt. Sollte man hier
nicht eher an Isabellas von Dänemark viel schönere und reizvollere Namensschwester von Portugal,
die spätere Gemahlin Karls V., denken? Die authentischen Bildnisse, die sie schon als Kaiserin dar-
stellen, wie eines in Gripsholm in Schweden und eines in florentinischem Privatbesitz, in dem Georg
Gronau2 den Urtypus für Tizians Porträt nachgewiesen hat, scheinen mir dieser Vermutung wenig-
stens nicht zu widersprechen. Wer der Maler des Brüssler Bildes ist, möchte ich nicht entscheiden;
weder die Zuschreibung an Orley noch die an Mabuse würde ich in diesem Falle annehmbar finden.

1 Abgebildet bei P. Wytsman, Tableaux Anciens peu connus en Belgique, Brüssel 1903.

2 The Burlington Magazine II, p. 281.

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