Kunsthistorische Sammlungen des Allerhöchsten Kaiserhauses <Wien> [Editor]
Jahrbuch der Kunsthistorischen Sammlungen des Allerhöchsten Kaiserhauses (ab 1919 Jahrbuch der Kunsthistorischen Sammlungen in Wien) — 25.1905

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iwao NIEDERLÄNDISCHE

BÜCHERERWERBUNGEN DES BENITO ARIAS MONTANO

FÜR DEN ESKORIAL

IM AUFTRAGE KÖNIG PHILIPP II. VON SPANIEN

NACH UNVERÖFFENTLICHTEN, AUS DEM MUSEE PLANTIN-MORETUS ZU ANTWERPEN
VON MAX ROOSES ZUR VERFÜGUNG GESTELLTEN URKUNDEN

VON

RUDOLF BEER.

Unter den mannigfaltigen und weit ausgreifenden
Maßnahmen, die Philipp II. %um Zwecke der Bereiche-
rung seiner zur Uberweisung an den Eskorial bestimmten
Privatbibliothek traf, nimmt die Mission des gelehrten
Hauptmitarbeiters an der Plantinschen Polyglotte Be-
nito Arias Montano, die ihm im Jahre i5G8 anläßlich
seiner Reise nach Antwerpen vom Könige übertragen
wurde und auf Erwerb wertvoller Handschriften und
Drucke in den Niederlanden abhielte, eine hervorragende
Stelle ein. Diese Tatsache war seit geraumer Zeit be-
kannt und ist auch in dem vor zwei Jahren in diesem
Jahrbuche veröffentlichten Beitrage: «Die Handschriften-
schenkung Philipp II. an den Eskorial vom Jahre i5j6.
Nach einem bisher unveröffentlichten Inventar des Ma-
drider Palastarchivs-» (Band XXIII, Abt. 2) an der Hand
der damals bekannten urkundlichen Quellen entsprechend
berücksichtigt worden. Zu diesen gehören in erster
Linie die dem Gelehrten vor seiner Abreise vom Könige
erteilte Instruktion (datiert vom 25. März i568), welche
ausdrückliche, den Büchererwerb in den Niederlanden
betreffende Weisungen enthält, ferner die Briefe Mon-
tanos an den Staatsarchivar Gabriel de Cayas über den
Ankauf griechischer Handschriften sowie — unter Bei-
schluß der bezüglichen Listen — über die Entnahme
kostbarer Manuskripte aus den Sammlungen der Städte
Breda und Hooghstraten (%um Teile abgedruckt im
VII. Bande der Memorias de la Real Academia de la
Historia de Madrid), Auszüge aus ähnlichen Berichten
sowie sonstige urkundliche Notizen, die Louis Prosper
Gachard in seinem gehaltvollen Aufsätze «La Biblio-
theque de l'Escuriah (Bulletins de l'Acade'mie Royale
des Sciences, des Lettres et des Beaux-Arts de Belgique,
Bruxelles iS]5, S. 216ff.) verwertet hatte, endlich, als
indirekte Belege, Mitteilungen über gewisse griechische
Handschriften des Eskorial, die durch das Werk von

XXV.

Charles Graux: Essai sur les origines du fonds grec
de l'Escurial, Paris 1880, zugänglich gemacht worden
waren.

Diese Zeugnisse lassen die ergebnisreichen Be-
mühungen Montanos, wie Seite XVIIff. des eingangs
erwähnten Beitrages dargelegt wurde, in ihren Haupt-
Zügen erkennen. Immerhin mußte (vgl. Jahrbuch,a.a.O.,
S. XX) dem Bedauern Ausdruck gegeben werden, daß
die vollständigen Listen der von dem eifrigen Kommissär
Philipp II. in den Niederlanden zusammenge^racl'lten
Handschriften und Druckwerke bisher noch nicht auf-
gefunden wurden. Bereits Gachard hatte in dem eben
zitierten Aufsatze darauf aufmerksam gemacht, daß in
einem Briefe Montanos, der sich auf eine beigeschlossene
Bücherliste bezieht und im Archiv zu Simancas auf-
bewahrt wird, die Liste selbst fehlt, und vermutungs-
weise hinzugefügt: «peut-dtre la trouverait-on dans les
papiers de la Bibliotheque de VEscurial». Die bezüglichen
Nachforschungen haben sich aber, soviel wir bisher
wissen, als erfolglos erwiesen.

Umso freudiger war die Überraschung des Schrei-
bers dieser Zeilen, als er im vorigen Jahre von dem Kon-
servator des Muse'e Plantin-Moretus zu Antwerpen, Herrn
Max Rooses, die Nachricht erhielt, daß die Verzeichnisse
der von Arias Montano im Auftrage Philipp II. in den
Niederlanden erworbenen Manuskripte und Druckwerke
sich in dem Archiv des Museums erhalten haben. Der
um die Aufhellung der Geschichte des berühmten Hauses
Plantin hochverdiente Forscher gab ganz sPontan der
Absicht Ausdruck, diese Listen behufs Publikation in
unserem Jahrbuche als Dank für die ihm durch das Werk
gebotenen Anregungen in Abschrift zur Verfügung z"
stellen, und die Redaktion des Jahrbuches hat sich gerne
bereit erklärt, dieses Anerbieten anzunehmen. In einer
bestimmten Beziehung hat sich die bei der Publikation

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