Deutsches Archäologisches Institut [Editor]; Archäologisches Institut des Deutschen Reiches [Editor]
Jahrbuch des Deutschen Archäologischen Instituts: JdI — 10.1895

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Treu, Technik und Bemalung der olympischen Giebelgruppen.

sammengeflickten Körper wohl erst dem Umstande, dafs man für die späte Giebel-
ansbesserung nicht Blöcke gröfseren Umfanges zur Bland hatte (01. III S.91). Auch
die Statuen des Theseus und Peirithoos werden vielleicht erst nachträglich so
wieder zusammengestiickt worden sein, wie sie uns jetzt erscheinen (01. III S. 74 ff.).
Bei der ersten Anlage der Statuen ist dem Spitzeisen für die Tiefen mit
dem Stichbohrer vorgearbeitet worden. Von dem laufenden lassen sich an den
Bildwerken noch nirgends Spuren nachweisen; von dem Stichbohrer dagegen min-
destens fünf Gröfsen, (von J/2 bis 3x/2 cm im Dm.)3. Die Beispiele für solche Vor-
bohrungen der Tiefen entnehmen wir am bequemsten der Statue des geraubten
Knaben vom Westgiebel (A*), weil hier der Bohrer mehrfach fehl gegangen ist
(01. III S. 80 Abb. 126—127). Auch sieht man z. B. an den Resten einer Löcher-
reihe zwischen den Pferdehälsen des Nordgespanns, dafs die Tiefen mit dem Bohrer
herausgeholt wurden. Bohrlöcher finden sich ferner in den Höhlungen der Hände,
und zwar nicht nur da, wo metallne Stäbe hindurch gesteckt werden sollten, sondern
auch dort, wo es einfach galt, die Finger zu trennen. So sitzt ein ganzer Kranz
solcher Löcher in der linken Hand der südlichen Eckfigur vom Westgiebel V (Ausgr.
zu 01. II Taf. 20b). Die winzigen Bohrlöcherreste an der rechten Daumenwurzel
des Apollon vom Westgiebel (01. III S. 70 Abb. in) können auch nicht etwa, wie
man gemeint hat, von einem Attribut herrühren, sondern stammen, wie bei /( ein-
fach von Vorbohrungen her. Endlich beweisen zahlreiche Bohrerspuren in den
Tiefen der Ohren-, Nasenlöcher und Mundwinkel, in der Mitte der schneckenförmi-
gen Lockenenden an Blaar und Bärten, den Unterhöhlungen von Gewandsäumen,
dem Grunde der Dübellöcher u. dergl. m. die häufige Anwendung dieses Werkzeugs.
Die verschiedenen Gattungen des Spitzeisens, welches die Arbeit des Boh-
rers ausglich und weiterführte, verfolgt man am besten an den, später zugestückten,
halbfertigen Falten über dem linken Schienbein des »Kladeos« (01. III S. 67 Abb. 108)
und an den Rückseiten der Statuen, welche zumeist nur aus dem Rohen gehauen
worden sind. Wie darauf das Spitzeisen von Zahneisen verschiedener Grade ab-
gelöst wurde, lehren die gezahnten Flächen an den nach vorne umbiegenden Rän-
dern der Giebelfiguren und die Rückseiten der nackten Teile, denen die Künstler,
im Gegensatz zu den vernachlässigten Gewandpartieen, auch dort eine etwas sorg-
fältigere Behandlung angedeihen liefsen, wo sie dem Auge des Beschauers ent-
zogen waren.
Neben dem Zahneisen scheint vielfach die Raspel hergegangen zu sein.
Man unterscheidet ihre Spuren z. B. an den Fiifsen des Peirithoos, am rechten er-
hobenen Arm derselben Statue, der abgewandten Kopfseite des Theseus, den Lippen
des Apollon, welche zur Aufnahme von Farbe gerauht wurden, dem Kinn des wür-
genden Lapithen Q und am linken Joch- und Stirnbein des Ostgiebel-Greises. An
den Schuhen der letztgenannten Gestalt wurde die Raspel auch benutzt, um eine
3) Abbildungen eines antiken Bohrers, sowie der
übrigen üblichen Bildhauerwerkzeuge u. A. bei
Clarac, Musee de sculpture I Taf. i, Blümner,

Technologie der Griechen und Römer III S. 220 ff.
und S. 194. Vergl. auch E. A. Gardner, Jour-
nal of Hellenic Sludies XI 1890 S. 135 ff.
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