Deutsches Archäologisches Institut [Editor]; Archäologisches Institut des Deutschen Reiches [Editor]
Jahrbuch des Deutschen Archäologischen Instituts: JdI — 10.1895

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MYKENISCHE STUDIEN. I.
ERBAUUNG UND ZERSTÖRUNG DES MYKENISCHEN PLATTENRINGES
In der Abhandlung: Die mykenische Lokalsage (Osterprogramm des Frie-
drichsgymnasiums zu Berlin 1893, S. 32 f.) habe ich nach den Ausgrabungsberichten
Schliemanns darzustellen gesucht, wie die grofse, an ihrer Oberfläche von dem
bekannten Plattenringe umgebene Grabanlage gleich hinter dem Löwenthore zu
Mykene entstand. Heute soll die Beschaffenheit dieses Plattenringes selbst ins
Auge gefafst werden. Die Rekonstruktion des Ganzen auf S. 115, sowie die beiden
Ausschnitte aus Steffens Karte (S. 116) entheben mich längerer einleitender Darstel-
lung, doch' geben die neuen Ausgrabungen von Tsuntas Anlafs zu einem Nachtrage.
1. Der alte Fahrweg vom Löwenthore auf die Oberburg, der Weg
westlich der Grabanlage, die Rampe südlich des Plattenringes.
1890 grub Tsuntas in Mykene und machte reiche Funde, die zum besten
Teile in der Έφημερις αρχαιολογική veröffentlicht sind. Eine sehr wichtige topogra-
phische Thatsache aber ist zwar in den Πρακτικά von 1890 (erschienen 1893), S. 35
und in Tsuntas’ Buche angedeutet, aber noch nicht genügend bekannt. Von dem
Thatbestande habe ich mich im Sommer 1894 persönlich überzeugen können.
Schliemann hatte in grofser Hast begonnen zu graben und, als er seine Stelen fand,
auf das Übrige nicht mehr so recht geachtet. Ein grofses Viereck grub er aus,
dessen nördlichen Rand wir auf Figur 2 durch die schwarze Querlinie bezeichnet
haben. Dort, wo diese Linie auf der Ostseite an die Stützmauer stöfst, und wo
Steffen eintrug: »N.O.-Grenze der Schliemannschen Ausgrabungen«, grub Schliemann
zu tief. Es hat sich 1890 gezeigt, dafs an dieser Stelle ein breiter Fahrweg auf
den oberen Teil der Burg hinaufführte. Die Steigung begann da, wo unsere schwarze
Linie an die »kyklopische Stützmauer« stöfst; die von Steffen als »Abschnittsmauer«
bezeichnete Mauer war die grofse Rampe, welche diesen Weg trug. Schliemann
grub überall bis auf das Niveau seines Plattenringes und zerstörte dabei den Anfang
dieser Rampe und des auf ihr ruhenden Fahrweges. Dieser Weg führte direkt vom
Löwenthore zur Burghöhe. Schliemann, der sich diese Erkenntnis selbst zerstört
hatte, nahm an, dafs Wagen nach Erbauung des Plattenringes nicht auf die Burg
hinauf hätten fahren können (Mykene, S. 138). Die Ausgrabung ist heute noch nicht
ganz beendet, sondern nur bis an das bretterne Wächterhäuschen geführt, welches
oben mitten auf dem Fahrwege steht, und welches man noch nicht zerstören wollte.
Tsuntas schreibt (Πρακτικά 1890, S. 35): τής όδοΰ ταυτης έκτισμένης διά μεγάλων λίθων
και έπεστρωμένης διά χάλικων σώζεται σήμερον μόνον τμήμα μήκους 24 μέτρων και πλά-
τους 5· ή άρχή λείπει, διότι κατεστράφη κατά τάς άνασκαφάς του 1876.
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