Deutsches Archäologisches Institut [Editor]; Archäologisches Institut des Deutschen Reiches [Editor]
Jahrbuch des Deutschen Archäologischen Instituts: JdI — 10.1895

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DAS SOGENANNTE STADIUM AUF DEM
PALATIN

Zwischen der doinus Augustana, dem Kaiserpalast, der heute unter der Villa
Mills zum gröfsten Teile noch begraben liegt, dessen Grundrisse durch Guattani,
Monumenti antichi inediti Notizie per Γanno ij8g S. i und 29 erhalten sind, und
den Bauten des Septimius Severus am Ostabhang des Palatin liegt ein lang-
gestreckter, rechteckiger Raum, der unter dem Namen des Palatinischen Stadiums
allgemein bekannt ist. Derselbe ist neuerdings zum Gegenstand eingehender Unter-
suchungen gemacht worden, insbesondere in den Abhandlungen von J. Sturm (Pro-
gramm des Königlichen Gymnasiums zu Würzburg für das Studienjahr 1887/88) be-
titelt: »Das kaiserliche Stadium auf dem Palatin«, von H. Deglane in der Gazette
archeoiogique von 1888 S. 216 f. und von demselben Verfasser in den Melanges
d'drcheologie et d'histoire der iicole frangaise de Rome IX 1889 S. 205 f. k Die Er-
gebnisse der Ausgrabungen jüngster Zeit, über die Notizie degli scavi 1893 S. 31.
70. 117. 162 und 1894 S. 94 berichtet ist, sind zusammenfassend von Barnabei, Cozza,
Mariani und Gatti behandelt in den Monumenti antichi pubblicati per cura del/a R.
Accademia dei Lincei V 1895 S. 17 fr.
Wir betreten das Stadium von Süden kommend: es ist ein weitausgedehnter
rechteckiger Raum, der sich unserm Blick eröffnet, ringsum mit Mauern, an die
viereckige Pfeiler angelehnt sind, eingefafst, nach Deglanes Angaben 48 Meter breit,
160 Meter lang, von einer der Umfassungsmauer parallelen Pfeilerporticus mit Halb-
säulen nach innen an allen vier Seiten umgeben. Die südliche Seite des Raumes
hat im Gegensatz zu den drei andern geraden Seiten die Form einer schwach-
gekriimmten Curve, ebenso der zugehörige Teil der Porticus. Eine mächtige
Exedra, das Halbrund nach der Innenseite geöffnet, unterbricht die Umfassungs-
mauer der Ostseite. In der eigentlichen Arena des Stadiums finden wir zwei2
grofse Wasserbassins, mehrere Statuenbasen, aufserdem geradelaufende und krumm-
linige Mauerzüge, welche aus verschiedenen Zeiten stammen und über deren Ver-
wendung und Bedeutung eine Einigung nicht erzielt ist. Umso sicherer schien die
Bedeutung und die hauptsächliche Bestimmung der Anlage selbst fest zu stehn.
Die Anlage ist nach der allgemein verbreiteten Anschauung der Gelehrten ein Sta-
dium gewesen, bestimmt in erster Linie für die Wettläufe der Athleten, dann für
gymnastische Aufführungen verwandter Art3. Die Tatsache jener jüngeren Um-
bauten und Einbauten führte aufserdem zu dem zwingenden Schlufs, dafs in einer

') Die von Deglane a. a. O. S. 216 und sonst an-
geführte Arbeit von Pascal ist mir nicht zu-
gänglich.
Jahrbuch des archäologischen Instituts X.

J) Notizie 1893 S. 70.
!) So zuletzt Cozza und Mariani in den Monumenti
a. a. O. S. 25.
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