Deutsches Archäologisches Institut [Editor]; Archäologisches Institut des Deutschen Reiches [Editor]
Jahrbuch des Deutschen Archäologischen Instituts: JdI — 10.1895

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DER GRABHERR
DES »ALEXANDERSARKOPHAGS«

Unter den reichen Funden, die die im Jahre 1887 durch Hamdy Bey aus-
gegrabene sidonische Nekropole geliefert hat, bildet unbestritten das Glanzstück
der mit prächtigen Reliefs geschmückte, polychrome Sarkophag, den wir uns nach
der auf einem dieser Reliefs dargestellten Alexanderschlacht den »Alexandersarko-
phag« zu nennen gewöhnt haben. Die anfangs auftauchende Vermutung, dafs der
Sarkophag dem grofsen König wirklich angehöre, oder doch ursprünglich für ihn
bestimmt gewesen sei, hat näherer Prüfung nicht stichgehalten, aber zu einer Eini-
gung über den Grabherrn ist man noch immer nicht gelangt, wenngleich der
Reliefschmuck des Sarkophags selbst zur Deutung und Bestimmung entschieden
auffordert. Jede Grabschrift fehlt.
Die verschiedenen Meinungen, die man bisher über den Besitzer des Sarko-
phags aufgestellt hat1, zerfallen in zwei grofse Gruppen: nach der einen (Hamdy,
Perrot, bedingt Winter) ist er ein makedonischer General — man hat an Parmenion
oder Perdikkas gedacht — nach der anderen (Th. Reinach, Studniczka) ein per-
sischer oder orientalischer Grofser (nach Studniczka Abdalonymos, der von Alexander
eingesetzte König von Sidon2). Alle diese Ansichten haben aber eine eingehende
Begründung nicht erfahren, so ausführlich im Allgemeinen über Reihenfolge, kunst-
geschichtliche Stellung, Verteilung der sidonischen Sarkophage gehandelt worden
ist; es sind mehr oder weniger ausführlich dargelegte Vermutungen. Ich glaube,
dafs eine sorgfältige Berücksichtigung aller in Betracht kommenden Faktoren uns
in der Bestimmung des Grabinhabers weiterführt, dafs wir mit dem Grad der Ge-
wifsheit, den unsere Überlieferung überhaupt zuläfst, den Grabherrn wirklich nennen
können.

') Die Hauptarbeiten über die sidonischen Sarko-
phage sind bisher: O. Hamdy-Bey und Th.
Reinach, Une necropole royale a Sidon, 3 Tafel-
lieferungen, 2 Textlieferungen, Paris 1892/93;
Th. Reinach, Gazette des beaux aris III per. VIII
1892, 177 ff.; F. Studniczka, Verhandlungen der
XLII. Versammlung deutscher Philologen und
Schulmänner in Wien, Leipzig 1894, 70 ff.; ders.
Jahrbuch IX 1894, 204 ff.; F. Winter ebd. Ar-
chäolog. Anzeiger 1 ff, bei dem auch die übrige
Literatur angeführt ist.
2) Die Stellen über seine Einsetzung bei Niese,
Gesch. d. griech. u. makedon. Staaten I 78, 5.
Dazu zu fügen ist Justin XVIII 3, 18 f., bei dem
Jahrbuch des archäologischen Instituts X.

hier derselbe Irrtum wie bei Diodor XVII 46, 6
vgl. 4, die Abdalonymosgeschichte nach Tyros
zu verlegen und sie mit Alexanders Eroberung
der Stadt zu verquicken, wiederkehrt. Ich hatte
seinerzeit (Kleinasiat. Studien 209) die Stelle
der Vollständigkeit halber für den älteren Stra-
ton von Sidon, als dessen Nachkomme der von
Alexander eingesetzte König, eben wol Abdalo-
nymos, bei Justin erscheint, mit angeführt. Die
Ansicht Studniczkas (Jahrb, 225,60), dafs die
Justinstelle als »völlig unzugehörig« bei mir zu
streichen sei, ist deshalb unrichtig; Studniczka
hat die entscheidende Beziehung zwischen Diodor
und Justin übersehen.
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