Deutsches Archäologisches Institut [Editor]; Archäologisches Institut des Deutschen Reiches [Editor]
Jahrbuch des Deutschen Archäologischen Instituts: JdI — 10.1895

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Hauser, Vasenfunde in München. χ^χ

so lehnt sich der betreffende Theil des Ringes mehr oder weniger an die grofse
Rampe und es war daher für viele wenigstens der äufseren Platten nicht wohl mög-
lich, dafs sie sich nach Aufsen, d. h. nach der Rampe, neigten, sondern nur nach
innen, da es ja nach Beiger selbst eine feste Mauer zwischen den Plattenreihen nicht
gab; diese nun, die äufseren Platten, haben auch diejenigen der inneren Reihe zur
Neigung gebracht. Aus welchem Grunde aber jene ihre senkrechte Stellung ver-
lassen haben, kann ich freilich nicht sagen; man könnte mehrere Vermuthungen
darüber anstellen.
Die Reconstruction des Plattenkreises, wie sie Beiger zuerst in der »Myke-
nischen Lokalsage« gab, ist gewifs sehr bestechend, und die Erklärung der Ent-
stehung der Tradition, welche Pausanias überliefert, geistreich. Warum ich aber
jene Reconstruction nicht für richtig halten kann, geht aus dem Obigen hervor.
Zum Schlufs füge ich noch hinzu, dafs der Peribolos in Nemea, in welchem das
Grab des Opheltes gelegen haben soll, nur dann als Parallele mit Sicherheit zu
verwenden wäre, wenn es feststände, dafs er in der That ein Grabperibolos war.
Pausanias sah ja in demselben mehrere Altäre, welche wir kein Recht haben für
Opfergruben zu erklären.
Mykenac. Chr. Tsountas.

VASENFUNDE IN MÜNCHEN
(Tafel 4) 1
Ausgrabungen in München — man kann es kaum anders nennen — haben
der Vasensammlung in der alten Pinakothek eine Menge von Scherben griechischer
Thongefäfse zugeführt, die nicht sehr viel geringer sein wird, als was der Perser-
schutt auf der Akropolis in Athen herausgab. Im Keller der Glyptothek lagen
halb vermodert und fast vergessen ganze Haufen von Vasenfragmenten; seit der
Zeit als die Vasensammlung König Ludwigs, nach Bayern geschafft worden war,
ruhten diese Scherben in ihrem friedlichen Gelafs. Es waren fragmentirte Gefäfse,
die zu unvollständig oder zu corrodirt erschienen, um eine Restaurirung zu lohnen,
oder auch bereits ergänzte Vasen, die beim Transport von neuem in Brüche
giengen, endlich eine Masse von Scherben, aus denen man das Zusammenpassende

P Die Tafel verkleinert meine Zeichnung um etwa
ein Viertel. Bei der Mikrotechnik des Originals
liefs es sich nicht vermeiden, dafs manche
Feinheiten in der Verkleinerung verloren gien-

gen. Namentlich fiel der Kranz der Tänzerin,
welcher mit seinen dünnen rothen Blättchen und
den weifsen Beeren dazwischen wie ein feines
Mosaik wirkt, in der Reproduktion zu plump aus.
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