Deutsches Archäologisches Institut [Editor]; Archäologisches Institut des Deutschen Reiches [Editor]
Jahrbuch des Deutschen Archäologischen Instituts: JdI — 10.1895

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Dümmler, Zu den griechischen Vasen von Teil Defenneh.

Aquarellen und Zeichnungen von Mr. Anderson hergestellt, welche unter meiner
Aufsicht verfertigt wurden. Was zunächst den Fundort angeht, so wird man
Flinders Petrie die Identification von Defenneh mit der ägyptischen Grenzfestung
Daphnä unbedenklich zugeben können2, auch die Zeitbestimmung für die Mehrzahl
der griechischen Vasen, die erste Hälfte des sechsten Jahrhunderts, ist damit ge-
geben. Nur möchte ich nicht so streng, als Petrie zu thun geneigt ist, das Jahr 565
oder spätestens 560 als untere Zeitgrenze festhalten. Die Beschränkung sämmt-
licher ägyptischer Griechen auf Naukratis, welche Amasis durchzuführen suchte,
wird sich schwerlich mit völliger Consequenz haben durchführen lassen, namentlich
in Orten, welche ganz von gemischter Bevölkerung bewohnt waren. Wenn die
griechische Bevölkerung von Daphnä einfach nach Naukratis verpflanzt worden
wäre, so würde man dort eine Fortsetzung oder eine Einwirkung der Keramik von
Daphnä erwarten, wovon keine Spur vorhanden ist. Allerdings existiert unter den
Scherben von Naukratis eine, welche deutliche Reste eines räthselhaften Leitmotivs
von Daphnä zeigt, nämlich der nackten Reiterin, aber da es auch im Thon zu den
Vasen von Daphnä, nicht zu denen von Naukratis stimmt, so wird dies Stück im-
portiert sein3, würde also für ein Fortbestehn der Industrie von Daphnä neben
der von Naukratis sprechen. Übrigens ist die Organisation von Naukratis durch
Amasis wahrscheinlich keine Neugründung und daher auch kein sichrer terminus
post quem für die Vasenfunde.
Wie auffallend gering der Naukratis und Daphnä gemeinsame Formen-
vorrath ist, hat auch Petrie bereits richtig hervorgehoben (vgl. die Tabelle Tunis.
Part II. Nebesheh and Defenneh S. 62). Richtig bemerkt er auch, dafs die Vasen
in Daphnä selbst hergestellt sein müssen, und hebt eine Anzahl ägyptisierencler
Eigenthümlichkeiten treffend hervor; andere werden uns noch begegnen.
In der That sind wohl nur die Fikellura-Amphoren und einige attische Vasen
sicher importiert4; sie sind Neb. and Def pl. 27, 28 u. 32 mit einer Ausnahme voll-
ständig abgebildet und bieten zu den bekannten Beispielen nichts bemerkenswerthes
neues. Wahrscheinlich sind diese Gefäfse von Rhodos importiert. Ebendaher wird
ein andres Exemplar einer schweren Amphore stammen, von welcher ein fast glei-
ches Stück aus Kamiros sich im Britischen Museum befindet: bei beiden Gefäfsen ist
die untere Hälfte des Rumpfes mit braunen Plorizontalstreifen, die obere mit ab-
wärts gerichtetem Schuppennetz, der Hals beiderseits mit einer auf zwei Ranken
stehenden Palmette bemalt (pl. 31,1). Von den Fikellura-Amphoren ist ein Ornament-

2) Fraglicher ist ob die weitere Identification der
Stratopeda, welche Psammetich I den Ioniern
und Karern anwies (Herod. II 154), mit jener
Festung richtig ist, wahrscheinlich ist es mir
nicht.
3) Ein andres Beispiel s. u.
4) Ich wage nicht mit Sicherheit zu behaupten,
dafs das Bruchstück Neb. a?id Def. pl 30, 31;

Catal. B. 124 von einer »tyrrhenischen« Am-
phora stamme, obwohl es mir wahrscheinlich ist.
Ebenda pl. 31 ist manche Scherbe, die ich nicht
gesehen habe, abgebildet, die ich nicht für lo-
cales Fabricat halten, nach der Abbildung aber
auch nicht näher bestimmen kann. Nach Walters
Catal. II S. 42 Nr. B. 129 ist es vorwiegend
attische Waare.
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