Deutsches Archäologisches Institut [Hrsg.]; Archäologisches Institut des Deutschen Reiches [Hrsg.]
Jahrbuch des Deutschen Archäologischen Instituts: JdI — 13.1898

Seite: 87
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DER CASTORTEMPEL AM FORUM ROMANUM.
(Tafel 6—9.)
Seit den Ausgrabungen der siebziger Jahre durfte man annehmen, dafs der
Castortempel, soweit überhaupt angängig, frei gelegt war, und dafs die Ruine in
allen wesentlichen Punkten den Zustand des Tempels im Altertum erkennen lasse.
Die drei noch erhaltenen Säulen teilte man dem Neubau des Tibcrius aus dem Jahre
6 n. Chr. zu; der Unterbau, an dem man wahrnahm, dafs ein jüngerer und höherer
Bau über einen älteren und niedrigeren gelegt war, wies deutlich auf die beiden
aus der Überlieferung bekannten Bauten hin, den älteren des L. Caecilius Metellus
aus dem Jahre 117 v. Chr.1 und den jüngeren und, soweit unsere Kenntnis reicht,
letzten fundamentalen Umbau des Tiberius. Meinungsverschiedenheit herrschte
über die Länge des Tempels, da der hintere Teil unter der modernen Strafse liegt
und eine vollständige Freilegung dieser Seite zunächst nicht zu erwarten ist; doch
konnte schon seit der Ausgrabung Fea’s, der die Südwestecke des Tempels auf-
deckte, als feststehend betrachtet werden, dafs der Tempel elf Säulen an den
Seiten, acht in der Front gehabt habe. Daneben machte sich die Meinung geltend,
der auch noch Lanciani in seiner Forma urbis Taf. 29 folgt, der Tempel habe an
den Seiten 13 Säulen gehabt. Die Rekonstruktion von Caristie2 beruht auf dieser
Annahme.

a) Vgl. O. Richter, Topographie der Stadt Rom, 2) Caristie, Plan et coupe d’une partie du Forum
2. Aufl. S. 85. Romain etc. Paris 1821.
Jahrbuch des archäologischen Instituts ΧΠΙ. 7
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