Deutsches Archäologisches Institut [Editor]; Archäologisches Institut des Deutschen Reiches [Editor]
Jahrbuch des Deutschen Archäologischen Instituts: JdI — 18.1903

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DIE JO-SAGE.
Hierzu Tafel 2.
In Roschers Mythol. Lex. II, S. 271 heißt es, daß in der Darstellungsweise
der Jo drei Perioden zu scheiden sind: »in der ältesten Zeit stellte man sie als
Kuh dar; darin ist wohl durch den Einfluß der Tragödiendichter, welche eine Kuh
nicht auf die Bühne bringen konnten (vgl. de Jone, S. 33), ein Wandel eingetreten,
man hat an Stelle der Kuh eine kuhgehörnte Jungfrau gesetzt, βούχερως παρβένος,
wie Äsch. Prom. 588 sagt, vgl. Suppl. 569: βοτον έσορώντες δυσχερές μιξόμβροτον, τάν
μέν βοδς, τάν δ’αυ γυναικός. Ob Äschylus zuerst dies getan hat, kann fraglich er-
scheinen, es hängt zum Teil davon ab, welcher Zeit der Prometheus angehört. Da
nämlich in den Suppl. die Person der Jo nur erwähnt, nicht auf die Bühne gebracht
wurde, lag für dies Stück keine Nötigung vor, von der alten Form der Kuh für Jo
abzugehen; für den Prometheus dagegen, wo Jo selbst auftrat, war die Änderung
nötig; demnach wäre nur unter der Voraussetzung, daß der Prometheus früher auf-
geführt wurde als die Supplices, die Schilderung der Gestalt der Jo in den Supplices
erklärlich. Sind aber die Supplices älter als der Prometheus, dann würde die Ein-
führung der neuen Gestalt wohl einem Vorgänger des Äschylus zuzuschreiben
sein.« Es liegt auf der Hand, daß dieser Schluß nur berechtigt ist, so lange man
Grund hatte, für beide Tragödien des Äschylus dieselbe Darstellung der Jo, als
kuhgehörnter Jungfrau nämlich, vorauszusetzen. Diese Darstellungsweise ist für den
Prometheus mit dem Ausdruck βούχερως παρθένος ja deutlich bezeugt, für die Supplices
konnte man die gleiche in den Worten βοτον μιξόμβροτον, τάν μέν βοός, τάν δ’αυ γυναικός
allenfalls angedeutet sehen, so lange, abgesehen von der Kuhgestalt, nur die eine
Bildungsform, Jungfrau mit Kuhhörnern, vorlag, aber eigentlich hätte man aus
dieser Tragödie schon auf eine andere Bildung schließen müssen: wenn Jo gänzlich
in menschlicher Form dargestellt wird, und der Künstler sich mit der Andeutung
der Verwandlung durch Hinzufügung der beiden Hörner begnügt, dann ist der
Ausdruck der Supplices nicht recht verständlich, er ist zu stark, besonders, sobald
man das hinzugefügte Epitheton δυσχερές mit in Betracht zieht und bedenkt, daß
die Verwandlung in eine Kuh (v. 303: βουν την γυναΐκ’ έ'βηχεν Άργεία βεός) ausdrücklich
hervorgehoben wird. Aber wie gesagt, so lange nur die eine Bildung bekannt war,
mußte man wohl oder übel auch in den Supplices die gleiche Gestalt voraussetzen.
Jahrbuch des archäologischen Instituts XVIII. 4
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