Deutsches Archäologisches Institut [Editor]; Archäologisches Institut des Deutschen Reiches [Editor]
Jahrbuch des Deutschen Archäologischen Instituts: JdI — 18.1903

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Nilsson, Attische Vasen mit Tierstreifendekoration.

ATTISCHE VASEN MIT TIERSTREIFEN-
DEKORATION.
Hierzu Tafel 9.
Es gibt kaum eine Wissenschaft, in der die Namen eine verhängnisvollere
Rolle gespielt haben als in der Vasenkunde. Namen, denen der Geber nur eine
vorläufige Geltung zugedacht hatte, sind in aller Schärfe aufgenommen worden, und
erst nach langer Zeit hat man sich ihrem Bann entziehen können. Wie lange dauerte
es z. B., bis der Klärungsprozeß in der sog. korinthischen Gattung anfing!
Es ist auch in der Tat manchmal schwer, einen präzisen Titel zu geben,
wenn er nicht eine unverhältnismäßige Länge haben soll. Da ich den gewöhnlichen
Namen Vurvävasen vermeiden will, der schon ungebührlich um sich zu greifen an-
gefangen hat, habe ich den oben stehenden gewählt, in dem ‘Vasen mit Tierstreifen-
dekoration' so zu verstehen ist, daß die menschliche Gestalt keinen besonders her-
vorgehobenen Platz einnimmt, sondern daß Gefäße, wenn nicht ausschließlich, so doch
hauptsächlich mit in ungefähr gleich breite Streifen verteilten Tieren dekoriert sind.
Den Vasen aus Vurvä hat Stai's, der sie ausgegraben und veröffentlicht
hat, gleich ihren richtigen Platz angewiesen Ath. Mitt. XV (1890), S. 323; diejenigen
aus Marathon hat er a. a. Ο. XVIII (1893), 55 ff· angereiht.
Später hat sie Böhlau zwar
kurz, aber einschneidend behan-
delt in seinem wichtigen Buche,
Aus ionischen und italischen Ne-
kropolen, in dem er zur Klärung
der Geschichte der nachmykeni-
schen und sog. korinthischen
Vasenmalerei wesentlich beige-
tragen hat. Er will die Heimat
des korinthischen Stiles, der als
etwas fertiges hineingebracht die
Entwicklung der protokorinthi-
schen Malerei abbricht, im äoli-
schen Gebiet in Kleinasien suchen,
wo er aus der schwarzbunten
Gattung entstanden sei. In Griechenland sei er dann über Euboia eingewandert.
Von Chalkis habe das mit dieser Stadt in engen handelspolitischen Beziehungen
stehende Korinth ihn übernommen. Von Euboia aus sei er auch in Attika ein-
gedrungen. Denn zwischen den in Attika und in Korinth mit Tierstreifen verzierten
Gefäßen zeige sich eine deutliche Verschiedenheit in Formen und Malerei (S. 115 ff.).
Man könne somit nur an Euboia denken; und mit euböischen Vasen gebe es auch
Anknüpfungspunkte.


Abb. 1.
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