Deutsches Archäologisches Institut [Editor]; Archäologisches Institut des Deutschen Reiches [Editor]
Jahrbuch des Deutschen Archäologischen Instituts: JdI — 18.1903

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Schöne, Statue eines römischen Wagenlenkers im Vatikan.

STATUE EINES RÖMISCHEN WAGENLENKERS
IM VATIKAN.

Es ist aus zahlreichen Monumenten bekannt, daß die römischen Wagen-
lenker (agitatores) der Kaiserzeit eine Verschnürung um den Oberkörper zu tragen
pflegten. Das bekannteste Beispiel bietet die Statue1 in der Sala della biga des
Vatikans (Abb. i), an der jedoch
nur der Rumpf ursprünglich ist:
der Kopf ist antik, aber nicht zu-
gehörig; ergänzt sind beide Arme
und die Beine von etwas über den
Knieen an abwärts. Nächstdem
geben die Mosaikbilder der factiones
circenses im Thermenmuseum das
deutlichste Bild von dieser Einzel-
heit der Zirkuskutschertracht2.
Der Zweck der Verschnürung
ist nicht ohne weiteres verständ-
lich und hat in neuerer Zeit zu
Kontroversen Anlaß gegeben, λνεΐΐ
einige literarische Zeugnisse, die
den Sachverhalt klarstellen, nicht
genügend beachtet worden sind.
Helbig spricht sich aus Anlaß
der vatikanischen Statue folgender-
maßen darüber aus: »Die den Brust-
kasten umgebenden Riemen dienten
nach der geläufigen Auffassung
dazu, sowohl dem Oberkörper bei
den Schwankungen des leichten
Wagens einen festen Halt zu geben
als auch bei einem Sturze das Rück-
grat und die Rippen zu schützen.
Doch scheinen sie mir für derartige
Zwecke ganz ungeeignet. Ich erkenne darin vielmehr die Zügel, die der Wagen-
lenker vorläufig um die Brust geschlungen trägt und die er später beim Anschirren
in die Gebisse der Pferde einfügen wird«.

Abb. i.


J) In Rom wurden Statuen von Wagenlenkern
schon im 2. Jahrh. n. Chr. gelegentlich sogar
in Tempeln aufgestellt. Galenos, De praenotione
ad Epigenem c. i, t. XIV p. 604 Kühn; die
reichen Leute τών . . ορχηστών και των ηνιόχων

εικόνας ποιούνται τοΐς τών θεών άγάλμασι συν¬
έδρους.
2) Ersilia Lovatelli in den Memorie della R. Acca-
demia dei Lincei, t. VII (1880—81), p. 149—156
nebst farbigen Nachbildungen auf Taf. 3 und 4.
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