Kallenbach, Georg Gottfried
Atlas zur Geschichte der deutsch-mittelalterlichen Baukunst ((Geschichts-Abriss)): [Geschichts-Abriss] — [1847]

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wechseln, siehe bei 1320. 3. Jeder dieser kleineren Cylinder ruht
hei 4. auf eigenen Polygonen, doch sind diese noch nicht so zu
einem organischen Ganzen verbunden, wie wir solches bei 1320.
5. wahrnehmen, wo alle kleinen Polygonen einem gemeinschaft-
lichen polygonischen Sockel entwachsen.

Vierzehntes Jahrhundert.

Haben wir im vorigen Zeitabschnitt zu erkennen gesucht,
wo die gothische Baukunst in ihren Hauptformen als sich selbst
bewusst auftritt, und welche mannigfache Bemühungen um ihre ei-
genthümliche Entwickelung und Vollendung sie demnächst durch-
laufen ist, so wird der Entwicklungsgrad aller jener behandelten
Formen um so augenfälliger werden, wenn wir uns jetzt den Prin-
zipien der vollkommen ausgebildeten Kunstweise zuwenden.

Von Kirchen des untergeordnetsten Ranges, Avelche ein ein-
faches längliches Viereck bilden, mit polygonischem oder auch ge-
radlinigtem Schluss am Ostende, mit Gewölben, welche die ganze
Breite der Kirche überspannen, oder auch flachen Holzdecken, bei
deren letzterem Vorkommen dann auch meist die Strebepfeiler fort-
fallen , kann hier natürlich nicht weiter die Rede seyn, wesshalb
wir uns vielmehr sogleich den durchgebildetsten Werken nahen.
Eine Kirche der letztern Art zerfällt in ihrer Hauptanordnung in
den Chorraum, das Kreuzschi(f, welches auch zuweilen fehlt, das
LangschilT und die Vorhalle mit einem oder mehreren Thürinen.
Der Chor ist wiederum entweder einfach oder zusammengesetzt, in
welchem letztern Falle sich um den hohen Chor ein niedrigerer
Umgang, auch wohl Capellenräume umherziehen. Die einfache wie
auch die zusammengesetzte Choranlage kann an der Ostseite ge-
radlinigt geschlossen seyn, doch ist der Schluss durch eine Sei-
tenanzahl des Acht- oder Mehreckes in den deutschen Kirchen zur
Regel geworden. Am Halberstädter Dome, 1320, werden der hohe
Chor wie sein Umgang durch drei Seiten des Achteckes begrenzt.
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