Kunstgewerbliche Rundschau: Verkündigungsblatt des Verbandes Deutscher Kunstgewerbevereine — 4.1897

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München, April l89?.

4. Iahrgang Nk. 4.

Beiblatt zrir

iles Vazer. KuuflgewkickZemns.




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8erküni>igungsölatt i>es Leröandes deutsDer KnnstgeweBe'8kreine.



Bezug der „Zeitschrift" sammt der „Runstgewerblichen Rundschau": Durch den Buchbandel, die ssost oder die Verlagsbandlung R. Vldenbourg in München. ^Mk.^6

p. 3.; die Mitglieder des Bayer. Aunstgewerbe-Vereins Occhresbeitrag t4 Mk.) erhalten die „Aeitschrift" sammt der „Runstgewerblichen Rundschau" unentgeltlich.

erscheint jährlich in Monatsbeften.

^erausgeber: Bayer. Runstgewerbe-Verein (ssfandhausstraße 7). — Redaktion: ssrof. L. Gmelin (Luisenstraße (8).

Druck und Verlag von R. Oldenbourg in München, Glückstraße s s.

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elche Stellung man auch zn den derzeitigen Bestrebungen
anf dem Gebiete des Stiles einnehmen inag, — das Line
kann von keiner Partei bestritten werden, nämlich daß
die alten Werke noch innner eine große Nacht auf unscr
eigenes kiinstlerisches Lmxfinden nnd Schaffen ausüben;
die Frage ist nur die, ob man sich derselben nur sklavisch beugt und
blind am Gängelband die von den alten gebahnten Mege dahintapxt,
-- oder ob man sich dagegen anflohnt und in fugendlichenr Aampfesmuth,
der das Verstehenlernen des Ueberkonimenen nicht der Mühe werth
hält, diese Niacht zu zerschmettern sncht — oder endlich, ob man sich
bemüht, das Geheimniß jener Machtstellung zn ergründen nnd nach-
zuforschen, worin und warum 7lrbeiten der Vorzeit anch
für die Gegenwart immer noch einen bedentsamen Lehr-
werth besitzen. Den zuletzt bezeichneten Standxunkt werden die
meistcn als den einzig richtigen anerkennen; denn er hindert keineswegs
ein Fortschreiten und er verbürgt durch die bewnßte, aber auch ver-
ständnisvolle Anknüpfung an das Alte eine stetige Entwickelung, wäh-
rend der erste Standxunkt ein Fortschreiten überhauxt mehr oder
weniger verabschent nnd der zweite den Umsturz bedentet, der dahin
führen würde, Alles von vorne anzufangen und sich der Iahrhunderte
und Jahrtausendc alten Lrfahrungsschätze zu entäußern. Durch die
nur zu oft blind gehorsame Verehrung des Alten hat sich bei vielen
die Nkeinung festgesetzt, als seien die uns überlieferten Formen etwas
Absolutes, an sich Schönes, während dicselben doch ihren Reiz nur
ihren oft nur unbewußt erkannten Beziehnngen zur Lntsiehungsweise,
zu Zweck und Nkaterial verdanken; wer sich bemüht, bei Betrachtung
der Arbeit Anderer — nicht nur der Alten — alle auf die Gestaltung
der betrachteten Arbeit einwirkenden Nkomente zu erforschen, dem
wird das Stndium alter Arbeiten — wäre es auch der allermodernste
Mensch — immer nicht nur zum Genuß, sondern auch znr Be-
lehrung gereichen.

i) Alte Briginal-Nlöbel verschiedener Stilarten. Fünfzig lhelio-
gravüren (3(:^5cm) nach photographischen Aufnahmen von Gtto
Schmidt. lVien ;8gs. Uunstverlag von Btto Schmidt. — Die diesem
Artikel beigegebenen Abbildungen 55—s;, sind mit freundlicher Er-
laubniß des verlegers in entsxrechender verkleineriing diesem werke
entnommen.

Aus diesem Grunde darf das neue lverk aus dem überaus
thätigen Runstverlag von Schmidt in lvien anf Thcilnahme rechnen.
Die Sammlung beschränkt sich auf Stücke, die fast ausschließlich in
Bber-Gesterreich ihren Standort haben; nnd da diescr in fast allen
Fällcn nnzweifelhast derselbc gebliebcn ist, für welchen die Schränke,
Stühle, Thüren n. s. w. seinerzeit geschaffcn wurden, so ergiebt sich
ein Bild der Kunsttischlerci der letzten Jahrhunderte innerhalb cines
verhältnißmäßig kleinen Landestheils. Freilich kein lückenloses Bild;

ss. Truhe in Linz a. D.

dafür ist die Anzahl der Blätter zu klein. Aber die geschickte kvahl
treffender Beisxiele hat dafür gesorgt, daß die wichtigsten Lntwickelungs-
stufen durch bezeichnende Stücke vertreten sind. Der Titel des kverkes
trifft insofern den Jnhalt nicht ganz, als neben Möbeln anch kvand-
schränke — die man schon nicht mehr eigentlich den Nköbeln beizählen
kann, indem fie mehr Theile der kvand bilden — sowie Thüren in
ziemlicher Anzahl in der Sammlung vorkoinmen; doch soll das kein
Vorwurf sein, zumal die stilistische verwandtschaft des Niobiliars mit
den Thüren nnd die oft ganz hervorragende Schönheit der letzteren
ihre Tinreihung vollkommen rechtfertigen.

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Runstgew. Rundschau. 4- Iahrg. 1(897. Nr. 4. (Bg. 1.)
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