Kunstgewerbliche Rundschau: Verkündigungsblatt des Verbandes Deutscher Kunstgewerbevereine — 4.1897

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München, August (8^7.

Iahrgaug M. S.

2<unstgewerblrche

Beiblatt zur

ZeiWifi i>k§ ÄGkr. Kunstgkwerök-Lerems


ZerkÄndigMgsölatt de§ 8eröande§ deutsDer Kunstgkwerök'Zereine.



Bezug der „Aeitschrift" samnrt der „rlunstgewerblichen Rundschau": Durch den Buchhandel, die ssost oder die verlagshandlung R. Vldenbourg in München, Mk. l6
p. 3.; die Mitglieder des Bayer. Aunstgewerbe-Vereins (Iahresbeitrag ^ Mk.) erhalten die „Aeitschrift" sammt der „Aunstgewerblichen Rundschau" unentgeltlich. — Die „Zeitschrift"

Druck und Verlag von R. Mldenbourg in MLinchen, Glückstraße s s.

tuNrtk MturölMM.

or etwa ;o—Jahren machte eine Lrfindung, welche die
Naturblumen nach Form und Farbe zu erhalten bezweckte,
ein gewisses Aussehen; ihrem eigentlichen Wesen nach be-
stand diese Lrhaltuug darin, daß die frischen Blumen in
eine warmfiüssige Masse (Parasfin) getaucht wurden, die
nach dem Lrkalten durchscheinend blieb und die organischen Pflanzen-
theile durch den Abschluß gegen Luft vor verwesen und verderben
schühte. Form und Farbe blieben dabei im Wescntlichen thatsäch-
lich erhalten, wenn auch kein besonders scharfes Auge dazu ge-
hörte, die Blumen als das zu erkennen, was ste waren, als Blumen-
leichen, die sozusagen durch Linbalsamirnng vor gänzlichem vergehen
bewahrt werden sollen. Dießbezügliche Nersuche sind schon zu der ge-
nannten Zeit von Frau Therese Reinherz-Nünchen gemacht worden;
ein Botaniker aber — pros. Or. pfitzer-bseidelberg — war es, der
eiue Methode ausfindig inachte, welche die eonservirten Blumen auch
weich und in Form und Farbe unverändert erhielt, so daß dieselben
verhältnißmäßig frisch erschienen. Zweifellos hat eine derartige Lon-
servirungsinethode für einen Botaniker einen fast unschätzbaren Werth,
da sie denselben in den Stand setzt, Pflanzen oder Pflanzentheile zu
Unterrichtszwecken stets in gewünschter Weise zur verfügung stellen zu
können. Weniger Anklang fanden diese „Semxer-viva-Blumen" im
Bereiche des Uunstgewerbes; wohl vermochten sie eine Zeitlang den
Absatz der künstlichen Blumen zu beeinträchtigen — aber inan zog
schließlich doch die ganz künstlichen den h a l b künstlichen vor.

In neuester Zeit isi nun Frau Reinherz dazu übergegangen,
Pflanzentheile statt mit paraffin mit weißem Stuck zu überziehen und
auf diese Weise stuckirte Naturblumen herzustellen; was die
Natur hin und wieder bei stark kalk- oder kieselhaltigen wassern
(z. B. Aarlsbader Sxrudel) ausübt, das Uebersteinern xflanzlicher
Gebilde mittelst unorganischer Stosfe — Aalk oder Aiesel — das
wiederholt hier die Technik, indem sie die Blumen, Blätter, Anosxen
und Stiele mit Stuck überzieht.

Das (patentirte) verfahren ist allerdings ein ziemlich uinständ-
liches. Iuerst werden die ssflanzentheile auf der Rückseite mittelst des
pinsels durch eine UUschung aus Paraffin und ksarz bestrichen und
so versteift; um die Blumen iudessen zu Stuckaturen verwendbar zu

zzz. Plafond-Relief aus stuckirten Naturblumen. Ausgeführt
von Barth 6c Lie., Ntünchen.

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Runstgew. Rundschau. Iahrg. !(897. Nr. 8 (Bg. 1.)
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