Kunstgewerbliche Rundschau: Verkündigungsblatt des Verbandes Deutscher Kunstgewerbevereine — 4.1897

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München, )uni 189?-

Iahrgang Nr. ö.

MkündiglmMatt des Kerbandes SeutsSer Kunstgewerbk'8erkine.


Kunstgewerbliche

mWrm

Beiblatt zur

Bezug der „Zeitschrift" samnrt der „rlunstgewerblichen Rundschau": Durch den Buchhandel, die ssost oder die verlagshandlung R. Mldenbourg in München, Mk. l6
p. a.; die Mitglieder des Bayer. Runstgewerbe-Vereins Oahresbeitrag Mk.) erhalten die „Zeitschrift" sammt der „Runstgewerblichen Rundschau" unentgeltlich. — Die „Zeitschrift"

erscheint jährlich in (2 Monatsheften.

L)erausgeber: Bayer. Runstgewerbe-Verein (s)fandhausstraße 7). — Redaktion: s)rof. t. Gmelin (Luisenstraße (8).

Druck und Verlag von R. Dldenbourg in München, Glückstraße ,t-

WüMk i>kS KllMiM

Mgemeine vereinsnachrichten.

Am iy. Mai verschied xlötzlich an einem Schlaganfall
der Lonservator der Schleißheimer Gemäldegalerie,

Maler tzeinrich Lossow,

geb. io. INärz 18-1Z.

Dcr Verein verliert in ihm cinen Meister, der neben der
Malerei auch auf dem Gebiete der Aleinkunst die schönsten
Erfolge erzielt hat; seiner Aunst verdankt der Verein selbst einen
Theil der dekorativen Ausschmückung der „Kneipstubo", sür die
er in uneigeunützigster Meise seiue Aräfte zur versiigung gestellt
hatte. Wohlverdient war daher der Lorbeerkranz, welchen der
l. vorstand des Vereins am Grabe niederlegte.

Lhre seincm Audenkenl

Ausschuß und Lommisfionen. Znr Lrgänzung des Ausschusses
wurden fernerhin cooxtirt: Architekt vr. Streiter, Bildhauer Floß-
mann, Architekt Rronenberger, Bildhauer Rauch. Die beiden
ersten wurden der II. (Redaktions-) Lommission zugetheilt; Rronenberger
wurde der IV., Rauch der 1. nnd III. Lommisfion zugetheilt.

Die Redaktions-Lommission wählte in ihrer Sitzung vom 21. Mai
Prof. Friedr. v. Thiersch zum Gbmann. Somit ist nunmehr der
Ausschuß vollzählig und die Lommissionen siud endgiltig constituirt.

Lxcursionen. Geinäß dem Generalversammlungsbeschluß werden
iui Laufe dieses Sommers verschiedene Excursionen, bezw. Bcsichtigungen
stattfindeu. Die Reihe derselben wurde erösfnet mit einem Besuch des
Sauses des Prof. Fr. v. Lenbach (am n. Mai), zu welchem sich
etwa 70 Vereinsmitglicder zusammengefunden hatten; die Führung
hatte Professor G. Seidl sreundlich übernommen. Am 25. Mai
sand die Besichtigung zwcier Bauten des Bauamtmanns Isocheder
statt: des Schulhauses in der Bazeillesstraße und des St. Martins-
spitales, beide in der Vorstadt Giesing. Ltwa 25 Theilnehmer hatten
sich hier um 5 Uhr Abends eingefunden, und nahmen bei fast drei-
stündigem Aufenthalt unter Führung des Gberlehrers D. Mayer,

MilstgMerßk'LerklllS.

bezw. des Armenxficgschaftsrathes Buchner die sehr intcressauten
Besichtignugen vor.

Die weiteren Lxcursionen werden wie bisher — etwa alle 2, 3
Wochen — stets am Dienstag Nachmittag stattfindeu uud zumeist mit
eincm Beisammensein auf einem Bierkeller ihren Abschluß finden;
Mittheiluugen über Zeit nnd Vrt der Zusammeukunst erfolgen stcts
am Montag Abend in den „Münch. N. Nachr." Außerdem werden
schon vorher die aus die Lxcnrsionen bezüglichen Nachrichten iu einem
der Schaufenster der Vereinshalle augeschlageu.

Tbiersch-Leier. An der dem Lrbauer des Münchener Iustiz-
xalastes gegebencn Feicr betheiligte sich auch unser Verein, in Gemein-
schaft mit anderen, mit der Aunst in Berührung stehenden Vereinen
und Aörperschaften Müncheus. Dcr große Saal des Löweubränkellers
war von jdros. Gabr. Seidl überaus sreundlich und lauschig aus-
gestattet worden: Laubengänge zogen sich den Längswänden entlang,
während die Grchesternische mit ihrer Umgebung in einen dichten
Temxelhain verwandelt war; die eiuzelnen sestgcbenden Grupxen hatten
überdieß ihrcn Tischen besonderen origiuellen Schmuck verliehen. —
Das Festspiel, welches den Aernpunkt der Feier bildete, war von dem
Ausschußmitglied unseres Vereins, I. v. Schmaedel, verfaßt, und
wurde auch z. Th. von unseren Vereiusmitgliedern, im Ubrigen von
Damen des lhoftheaters ausgeführt; es begann mit einer Bierstamm-
tisch-Besprechung, bez. Benörgelung des Iustizbaues, deren Ausartung
in „handgreifiiche" Beweisführung nur durch das Auftreten der
„Monachia" hintangehalten wurde. Diese (Frl. Swoboda), umgeben
von dcn vertreterinuen der festgebenden vereine, pries den Meister
Thiersch uud seine kselfer, rief aber zur würdigen Belohnung eine
höhere herbei; da ösfnet fich die jdforte, und bei dem Scheine des
elektrischen Lichtes, geleitet von Aranzträgerinnen, naht Pallas Athene
(Frl. Dandler) selbst, um als Ihiiterin des Rechtes uud als Schirm-
herrin der Aünste mit erhebenden worten dem Geseierten den goldenen
Lorbeer auf's bsaupt zu drücken, woraus die versammlung in eine
kurze, auf eine bekanntgegebeue Melodie gedichtete bsymne einstimmt.
— Jn herzlichen lVorten dankte v. Thiersch sür die ihm zu Theil
gewordene Lhrung den sestgebenden vereinen, indem er zugleich auch
den Mitarbeiteru am Bau seinen Dauk für ihre bsingebung und ihre
Ausdauer aussxrach und die glückliche vollendung des großen Werkes
nur dem Umstand zuschrieb, daß eben auch seine Mitarbeiter den

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Runstgew. Rundschau. Iahrg. (897. Nr. 6. (Bg. 1.)
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