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Kunstgewerbliche Rundschau: Verkündigungsblatt des Verbandes Deutscher Kunstgewerbevereine — 4.1897

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https://doi.org/10.11588/diglit.8371#0069
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4- 69

X

München, Iuli l897.

Iahrgang M. 7.

Zerkündigungsölatt des Keröandes deutWer Kunstgeweröe-Lereine.

Bezug der „Zeitschrift" samrnt der „Runstgewerblichen Rundschuu": Durch den Buchhandel, die post oder die verlagshandlung R. Oldenbourg in München, lNk. l6
p. a.; die Mitglieder des Bayer. Runstgewerbe-Vereins (Iabresbeitrag Nlk.) erbalten die „Zeitschrift" sannnt der „Runstgewerblichen Rundschau" unentgeltlich. — Die „Zeitschrift"

erscheint sährlich in lNonatsheften.

k-erausgeber: Bayer. Runstgewerbe-Verein (s)fandhausstraße 7). — Redaktion: ssrof. L. Gmelin (Luisenstraße (8).

Druck und Verlag von R. Oldenbourg in München, Glückstraße u.

»aksö vsn

Ialkr f.

iner der wenigen Nänner die in Gesterreich noch mit
Rudolxh von Litelberger an dem Aufbau eines ver-
jüngten und veredelten Aunstgewerbes arbeiteten, ist hin-
übergegangen. Was Litclberger, der Schöxfer des Vester-
reichischen Nuseums, durch scine Grganisationen schus,
die er mit rastloser, zäher Ausdauer, ost das scheinbar Unmögliche
realistrend, zum Wachsthum brachte, das belebte und kräftigte Falke
durch seine Schriften, die einschmeichelnd nöthigend dem gebildeten
Publikum das Verständniß des Schönen und die Lust am Aunstgenusse
erschlossen haben. Die durch Falke repräsentirte glückliche Vereinigung
eines wissens- und erfahrungsreichen Gelehrten mit dem feinsinnigsten
Weltmanne ermöglichte es, daß Aünstler und Aunstfreunde, Schaffende
und Genießende sich ihm ganz hingaben, seinen Lehren unbedingtes
Zutrauen schenkten. Jhm war jegliche Pedanterie fremd. Ihm war
auch die Gabe der meisterhasten, die Zuhörer niemals ermüdenden
Rede eigen. Außer durch seine popnlär-ästhetischen Werke mehrte
Falke seinen Rus durch seine Thätigkeit als Aritiker (hauptsächlich
bei den großen Ausstellungen der letzten Iahrzehnte), sowie als geist-
reicher Geschichtschreiber alles dessen, was mit Lultur und Aunst im
Iusammenhange steht. Falke's besondere Bestrebungen gingen auch
noch dahin, dem Publikum die hervorragendsten künstlerischen Werke
der Vergangenheit durch die im A. U. Besterreichischen Nkusenm ver-
anstalteten Sxecial-Ausstellungen vor Augen zu führen. was im
Laufe der Jahre serienweise in den weiten Räumen des Museums
gezeigt wurde, oft den größten Schätzen geistlichen oder weltlichen
Besitzthums entlehnt, brachte das Aostbarste vor Augen, was über-
hauxt in den verschiedenen Ieiten und Ländern entstanden ist und bot
vielen Ständen ein unübertreffliches Bildungsmittel. Das moderne
Uunstgewerbe suchte Falke in jeder Weise zu fördern und er war auch
einer der Begrüuder des Wiener Uunstgewerbe-Vcreins. von seinen
zahlreichen Werken sind vielleicht die bekanntesten „Die Uunst im
kjause" und die „Geschichte des modernen Geschmacks".
An diese reihen sich an: „ksellas und Rom" und die „Uostüm-
geschichte der Lulturv ölker", weiters die „Geschichte des
Deutschen Uunstgew erbes", als Band V der bei Grote in Berlin
erschienenen „Geschichte der Dcutschen Uunst" und die „Geschichte
der k. k. Wiener Porzellanfabrik". Um seine „Beschreibung
derUunstsammlungen des Uönigs Uarl XV" zu verfassen

unternahm Falke eine Reise nach Schweden. Für den Uönig Larol
von Rumänien schrieb er die in künstlerischer Prachtausstattung er-
schienene Monograxhie des Schlosses Pelesch. von hervorragender
Bedeutung ist endlich Falke's „Geschichte des Fürstlichen ksauses
Liechtenstein" (in drei Bänden). Aus seinen älteren Schriften
mögen noch genannt sein: „Die Uunstindustrie der Gegen-
wart" ((86?) und „Die Uun sti n d u stri e auf der Wiener
Weltausstellung ( 873 ". Lrst vor Uurzem erschienen seine
„ Leb ens erinn erungen ", die einen bilderreichen Neberblick seines
Wirkens, Denkens und seiner Ersahrungen enthalten.

Jacob Ritter von Falke war am 2(. Iuni (825 in der lauen-
burgischen ksauxtstadt Ratzeburg geboren und erreichte ein Alter von
fast 72 Iahren. Lr studirte in Lrlangen und Göttingen Philosoxhie
und widmete sich eine Ieit lang der Lehrthätigkeit. Im Iahre (855
wurde er Lonservator am Germanischen Museum in Nürnberg; drei
Jahre darauf nahm er die Stelle eines Fürstlich Liechtenstein'schen
Bibliothekars (später auch eines Gallerie-Directors) an und ging nach
Wien. (Der ohne Nennung des Autors in mehreren Auslagen er-
schienene Uatalog der sürstlichen Gemälde-Sammlung stammt aus
Falke's Feder.) In der Werdezeit des Gesterreichischen Aluseums
wurde Falke, durch Litelberger herangezogen, erster Lustos und Director-
Stellvertreter dieses Instituts und nach dem Ableben Eitelberger's im
Jahre (885 Director. Dem stattlichen und rüstigen Manne hätte wohl
Jedermann noch eine lange Zeit der Thätigkeit voraussagen wollen.
Doch der schmerzliche verlust, den er durch den Tod seiner Gattin
erlitt, mit der er in langer und glücklicher Ehe vereint war, lähmte
seine Freudigkeit und Schaffenskraft und zwar um so eher, als es ge-
rade ihm ein besonders starkes Bedürfniß war, aus den Tiefen einer
edlen Frauenseele Erquickung des Gemüthes zu schöxfen. Falke klagte
Lber die trüben Tage des zunehmenden Alters. Er kam um seine
Pensionirung ein und schied Anfangs des Iahres (8?5 aus dem Amte.
Trotz körxerlicher Abspannung rief Falke in den letzten Iahren seiner
Amtsthätigkeit noch einige Ausstellungen im Gesterreichischen Museum
ins Leben, aus deren glänzenden Erfolg er stolz sein durste. Die
Sxecial-Ausstellung farbig gedruckter Uupferstiche
und die Ausstellung von Schabkunstblättern, deren fach-
männische Grganisation in den bewährten ksänden des Lustos Franz
Ritter lag. Auch zu der im Winter (895/96 eröffneten Wiener-



Runstgew. Rundschau. Iahrg. 1(897. Nr. 7. (Bg. 1(.)
 
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