Kladderadatsch: Humoristisch-satyrisches Wochenblatt — 15.1862

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And ER» -er große Stumme an der Seine,
Wasscngepanzcrt schier bis an die Zähne,
Doch unbeweglich steht ER da.
Argwöhnisch SEINE Gasiioncnhccre
Betrachtend, steht die „Herrscherin der Meere",
Die glückliche Brilannia.
And dennoch scheint ERgeht des Kampscs müde?
And dennoch ist das Kaiserreich der Friede?
Fest in der Scheide scheint SEIN Schwert gebannt,
Die mächt'gr Flotte selbst wird jetzt entmannt;
And theilend die Gewalt, allein zu handeln,
Mit SEIAGM Volke, will ER wirklich wandeln
Die sanstcn Pfade Elihu Burrits
Am Rande — eines kleinen Dcsicits!

And nun, o Mensch, mit deinem palmcnzweige
Erkenn' aus der Geschichte Fingerzeige,
Was unsres Friedens wahrer Hort.
Des Weltenbrandcs Furien zu binden,
Willst du die mächl'ge Zaubcrsormct finden?
Das Deficit! so heißt das Wort.
Das Desicit, cs ist der wahre Bürge,
Daß sürder nicht der Krieg die Menschen würge!
Nicht mehr der schnöde Mammon, nicht das Geld,
Das Desicit regieret jetzt die Welt.
In Dcmuth beuge dich den großen Denkern,
Dich, Nntrrthan, auch unser» Staatenlcnkern,
Die freudig opfern ihren ganzen Witz
Dem steten Wachsthum unsres — Desicits!
ZkslMernkwIsch.


Aie Iabre kommen und scheiten,
Geschlechter sinken hin,
Mit trübem Auge sieben
Wir bei des Iabrs Beginn.
Ter Krieg mit eisernem Finger
An Englands Tbürcn pocht;
Wir hören, wie vesuvisch
Tie Welt jetzt gäbrt und kocht.
Ader — es wird nichts so heiß gegessen, wie eS
gekocht wird!

Graubärt'ge Helden stehen
In Oe streich dichtgeschaart:
Laßt unS zurück erobern,
Was uns entrissen ward!
Und wenn der Lenz gekommen,
Dann ziehn mit SicgS-Schalmei'n,
Mit Trcmmelklang und Flöten
Wir wieder in Mailand ein!-
Aber — wo Lu nicht bist, Herr Organist, da
schweigen alle Flöten!

Zum Brudermorde rüstet
Sich Bruder Jonathan,
Schon schwimmen die Kanonen
Hin über den Occan.
Wer bändigt die Begierde
In rauber Hcchlaudsbrust?
Bald treffen sich die Schwerter,
Gezückt voll Kriegeolust
Aber — Lord Palmersion denkt: Erst das Geschäft
und dann das Vergnügen!
Herr Victor roll Verlangen
Blickt hin zum Tiberstrcm;
Drei Monde noch, dann stiegen
Wir siegreich gegen Rom!
Heim kebrcl der Franzose,
Dann ist es rasch gctban,
Dann staltert die Tricolcre
Herab von: Vatican.
Aber— es muß doch nicht gleich sein? ES hat doch
noch Zeit?
Und EN, der bei Magenta
Den Feind mit uns erdrückt,
Ter sür Italiens Freiheit
Den Lorbeer sich gepflückt,
EN Hilst gewiß vollenden
Das Werk, das Egt begann!
Egt kann uns nick't verlassen,
ER — sübrt uns wieder an!
Aber — so muß cs kommen, sagt Reumann!

Ter Däne hat zum Hohne
Energische Rote» entsandt
Zur Spree und an die Donau —
Wer trägt noch länger die Schand'?
Zum Zorn ermannt sich selber —
O glaubt'S — der deutsche Bund:
Wir schwimmen racheschnaubend
Im März schon an den Sund.
Aber — derDäne denkt: Bange machen gilt nicht!
Ter Landtag kommt; in Frieden
Möcht' gern er ziehen ein.
„Seht, lauter Iacobiner!" —
Hört man die Junker jchrein —
„Convent, Rebellen, Schächer,
Ein rohes Tcuselswert!
Auf, rettet den Staat, Minister,
Erstürmt und sprengt den Berg!"
Aber — hinterm Berge wohnen auch Leute!
Und die Berliner rusen:
„Wir weichen und wanken nicht!
Fest schau» wir den Gefahren
Ter Zukunst ins Gesicht!
Wir halten ans Deutschlands Feinde
Gerichtet scharf den Blick;
Wir stebn sür Recht und Freiheit
Und große Politik!"
Aber-nur keine Ueberstürzung! Nur immer
ruhig Blut!
Kladderadatsch.
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