Kladderadatsch: Humoristisch-satyrisches Wochenblatt — 15.1862

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XV. Jahrgang.


UM
wochenkatenber.
Molltag, dca 5. Mai.
Schön ist'«, unter sreiem Himincl
Stürzen in das Schlachtgctümmel,
Wenn die Wah ltrompete schallt!
Volkszeitung.
Dieaslag, dcn 6. Mai.
Schlacht, du brichst an!
Grüßt sie in freudigem Kreise.
Laut nach germanischer Weise.
Brüder heran!
Berliner Reform.
Mittwoch, dca 7. Mai.
Kaum gedacht, kaum gedacht.
War der Lust ein End' gemacht.
Berliner Allgemeine Zeitung.


wochenkateirder.
Donnerstag, dcn 8. Mai.
Fordre Niemand mein Schicksal zu hören,
Dem das Leben noch wonnevoll winkt.
Sternzeitung.
Freitag, dcn !>. Mai.
Doch wie sich auch gestalten
Im Leben mag die Zeit,
Du sollst uns nicht veralten,
O Traum der Herrlichkeit!
Krcuzzcilunz.
Sonnabcud, den 1ü. Mai
Feind, nur herab!
Nicht mit dem sckmaubendcn Gaule
Nicht mit dem prahlenden Maule
Schreckt man unS ad.
Kladderadatsch.

HumorMch-salyrisches VochmblalL

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dLSSccnenTo
aus einem an gefangenen Trauerspiel.
--

ES ist noch still im Lager?
Alle« still;
In wenig Stunden doch kann Alles da sein!
Dann können wir die Maske von unS werfen,
Und Ercellenz sind deS Jahrhunderts Mann!
Schnell fertig seid Ihr immer mit dem Wort,
Da« schwer sich handhabt, wie de- Sterne« Zeitung;
Denn des Jahrhunderts Männer sind wir Alle,
Sofern wir nicht — die Erinoline tragen!
Doch horch! Ich hör' es auf der Treppe klirren,
Ein schwerer Tritt — daS ist ein LandralhSsticfel!
Landrath tl.il> ein»
Minister «nachdem er einen forschenden Blick nu! ihn geworfen!-
Nun, welche Botschaft habt Ihr mir zu melden?
Landrath. Wir hatten frohe Zuversicht durch Euch,
Es werde schnell daS Glück sich zu un« wenden!
Wir schöpften Alle neuen Athen, wieder,
Als Jdr erließet, was, wie jetzt unS klar,
Ihr besser uns und Euch — erlassen hattet!
Minister. Zur Sache, wcnn'S beliebt!
Landrath. Ein neuer Geist
Verkündigte sogleich die Discipli»,
Die Energie der gegnerischen Leute!
llUcht blinde Wutb mehr ranz mit blinder Wuth —
In hell geschicd'ncm Kampfe sahen wir
Die Fettigkeit der Kühnheit widerstehn,
Und weise Kunst die Tapferkeit crmüdcn-
Miuislcr. So also haben sic's erreicht, und wir
Sind so verlassen wieder wie damals
Im Jahr der Schanb' am schandercichstcn Tage!

Minister.
Rath.
Miuistcr.

Landralh. Verlassen ist nur, wer sich selbst verläßt!
ES ist ein großer Augenblick der Zeit;
Dem Tapfern, dem Enlschiossncn ist sie günstig.
Drum nimm die Stunde wahr, eh' sic entschlüpft!
Siicht selten kommt der Augenblick im Leben,
Der unS zur Höhe führt auü tiefem Fall:
Was in Mühlhausen sich begeben,
Kann sich begeben überall.
Minister. Ha, welcher Sprache, Herr, vermeßt Ihr Euch?
Hat die Erweichung Euer Hirn erfaßt,
Daß solch ein Wort die Lippe darf beschielten?
DeS Volke« BeßteS sollen preis wir geben
Der Rachgier, alte Feinde zu zerschmettern?
Landrath. Nur in Entwürfen seid Ihr tapfer, feig
In Thaten! — Gut! Gebt Euren Feinden Recht!
Da eben ist e«, wo sie Euch erwarten.
Den guten Vorsatz glauben sic Euch gern,
Doch Keiner glaubt die Möglichkeit der Tbat:
Sonst müßten sie Euch fürchten und Euch achten!
Minister. Das ist zu viel! So viel uns auch geschah,
DaS sind wir nicht gewohnt!
Landrath. Sie werden sich
An Manches noch gewöhnen müssen, Herr!
Minister. Doch nie daran, uns selber zu verachten!
Was wir gethan, war unsre Schuldigkeit;
Man wild den Mann vom Amte unterscheiden.
Nu» ist« entschieden nun ist « gut — und schnell
Sind wir geheilt von allen Zweifclsgualen!
Landrath. Nun gut! So geht, laßt uns an Eure Stell' —
- Nacht muß cS sein wo unsre Sterne strahlen!
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