Kladderadatsch: Humoristisch-satyrisches Wochenblatt — 15.1862

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Müller. Welches sind denn nun die eigentlichen Volksvertreter? Sind
,z die. die im Abgeordnetenhaus- sitzen, oder die Leute die jetzt täglich mit der
Eisenbahn ankommen, und die Fracks in der Wilhclmsstraße anziehcn?
Schultzc. Ja, lieber Freund, wenn du »och fragen kannst, wer die
eigentlichen Volksvertreter sind, dann müßte man dir eigentlich einige
uuszählen.

Schultze. Müllerkcn, Wat gibt eS denn Neues in die Bude?
Müller. BiSmarck sagt: die Presse hält in der Hand der Jute.
Schultze. Wie schl'S denn in Holstein auS?
Müller. Dank für jüt'gc Frage —
Preußen legt die Sache vor jetzt dem Bundestage.
Schultzc. Und in Kassel?
Müller. Haynau hat waS gelernt in Hessen:
Fängt 'ncn neuen Schwindel an mit Loyal-Adressen,
Hat bereits zu diesem Zweck —
Schultze. WaS denn?
Müller. Für die Lieben
Den Loyalitätcr-Frack auS Berlin verschrieben.
Schultze. Sprich: ist denn der Sultan jetzt? —
Müller. Krank an, nervus rerum.
Weiß nicht, wo der Kopf ihm steht — Jlob eS mir —
Schultze. 0 äeruw.

/Itl8 der Aasseser Rindcrslufie.
DaS Kind greift nach Len bunten Puppen,
Damit zu spielen fällt ihm ein,
ES stellt sic auf in netten Gruppen
Und spricht: Ihr sollt Minister sein!
Sonst hak eS weiter keine Zwecke.
Der Knabe spielt, doch bald nachher
Wirst er die Puppen in die Ecke
Und ruft voll Zorn: ich spiel' nicht mehr!
WaS aber jetzt? was weiter, wenn er
Nun fühlt der Langeweile Lual?-
Da liegen noch die Hampelmänner,
Heb' sic nur auf und spiel" noch mal!

Herr Excellenz! Gehorsamst anzufragen, wie ich mir zu verhalten, weil
KreiSrichter Forstmann zu Zeitz nicht obne einem Urlaubsgesuche im Aus-
land« nämlich nach Weimar reisen darf, indem ich nämlich bei meine Dienst-
reisen nach die benachbarten Dörfer Punkcwitz und Märtendorf nicht anders
als über einen unvermeidlichen Zipfel von Meiningen kommen kann und ich
mir als Beamter niemals nichts zu Schulden kommen lassen werden will.
Also bitte ganz gehorsamst um einem Paßparthu-dir keinen Zwang an vor
alle Fälle zu immerwährende Beurlaubung, womit ich bin Ew. Excellenz
unter thänigster Bote vonS Appell in Naumburg,
ans rechte Saalufcr.

Die conscrvative Wurst, welche als Beweis loyaler Stopfung auS Bar-
men einem hohen Staatsmanns zugesandl worden, soll nicht die erwartete
gnädige Aufnahme gefunden haben, sondern an den Absender mit sclzcndcm
Begleitschreiben zurückgcgangcn sein:
»Von Ihrer Sendung bedaure ich keinen Gebrauch machen zu können,
la ich mich augenblicklich in einer Verfassung befinde, wo mir Alles — Wurst
iß- Den guten Willen erkenne ich dankbar an; aber die loyale Farce habe
ich bereits herzlich satt. Ihr wchlaffectionirtcr re."

Äus dem geheimen/ach eine8 abberuscnen Diplomaten.
wa» die Zeit ihn gct-brl, und was er im Echreiblisch verborgen,
Hängen wir dankbar und sromm hier in dem Heiliglbnm aus.
(Prevtzitche Skernzeitung vom 27. Novbr. 1862.)
Die Sternzcitung beschuldigt mich, daß ich eine lebhafte Thätigkcit in der
Presse entwickelt habe. Di- Presse ist das öfsentliche Gewissen. Ge-
wissen Leuten scheint aber allerdings daS öffentliche Gewissen so un-
bequem zu sein, wie ihr eigenes.

Ein Ministerium besitzt grade so viel Glauben an sich, als ihm — Ein-
sicht mangelt.

Die Macht und der Einfluß der Presse sind bereits so groß, daß sie
durch nichts mehr vergrößert werden können, — als durch gewaltsame
Beschränkungen. _
Der größte Nachtheil einer bohcn Stellung ist der, daß sie die
größte Freiheit giebt, von den Menschen niedrig zu denken.

»Hochmuth kommt vor'M Fall." Oft auch erst nach dem — tief-
sten Falle. _

Wer mit den Juden angesangen, hat noch immcrl— bald ausgehört.
Wer Pech angreift, der — hat eS eben.

Man kann au« Büchern nicht schwimmen lernen, und nach einem fast
fünfzigjährigen Frieden ist jede Debatte über zwei- oder dreijährige
Dienstzeit-Makulatur. _

Nicht« geistreicher als die Acußerunz deS '' scheu Gesandten, daß gewisse
Reden iu usum velpkini erscheinen werben.

Sie lecken den Speichel des Edelmanns und speien ihn den edeln
Männern in's Gesicht.

Auch wer gegen den Strom schwimmt, wird vom Strom getragen.

Mancher sieht seine Partei, wie jener Geizige seine geringe Mahlzeit
durch ein Vergrößerungsglas: Er wird nicht satt davon.

Eine Verfassung soll nicht »di- Tochter deS Regiment«," sondern
„ein Weib aus dem Volke" sein.

Die neue Acra war guter Hoffnung, aber sie versah sich an Kur-
Hessen und gebar einen — Wechselbalg.

Wenn die Heuchelei eine Huldigung ist, die daS Laster der Tugend bringt,
so war die Marschbereitschaft nach Kurhessen eine anticipirtc Schmeichelei für
den Nationalfonds.

Wenn irgend Einem — so gebührt dem Kurfürsten von Hessen der Dank
deS deutschen Voltes. Eine fünfzigjährige unumschränkte Preßfreiheit hätte
das nicht vermocht, waS dieser Fürst in den letzen Monaten geleistet: Er hat
den Thron in -inen Stuhl verwandelt, der nicht der heilige ist.

„Schafft Euch eine billigere Justiz an!" Sie wird bald um-
sonst da sein.

Die Loyalitäts-Adressen haben nur einen Fehler: — daS preußische
Volk.

Ohm soll sich wieder in Berlin befinden, — melden die Zeitungen —
mit dem Preußischen Volksverein aber nichts zu thun haben
w ollen.
Herr von BiSmarck soll gesagt haben: „Die Presse befindet sich in
Händen von Juden und ihren LebenSbcruf verfehlt habenden Menschen."
Napoleon I. soll zu Erfurt gesagt haben: „die deutsche Politik befindet
sich in den Händen -von Junkern und ihren LebenSberuf verfehlt habenden
Diplomaten."
Welch' wunderbare Aebnlichkeit in den Sätzen zweier gleich großen
Männer!


Sie spotten über die „Macht des Goldes in den Kasten" und ver-
gessen ganz der „Ohnmacht des Eisens in der Scheide."

: „Gott schenke un« Kartätschen, um den Rost der Ereignisse
! wegzufressen!" sagte ein geistreicher Osficier. Gott schenke uns Kar-
! tosseln, um den Hunger wegzufressen! sagte ein armer Leineweber.


Bricskaslcn. H. D. in Braunschweig u. H. K. in Zürich: Für eine der nächsten Nummern zurückgclegt. — F. in Hannover: Der Schul-
mann, der wegen seines Bartes mit Entlassung bedrobt ist, möge sich darauf berufen, daß er sich genau nach dem Vorbilde der Heiligen gerichtet habe und
gern bereit sei, den Bart abzuschneiden, sobald im Lande verboten wird, die Apostel, Märtrrcr u. s. w. mit Bärten abznbiltcn. — O. S. in Stargard und
"> P. in Glatthal: Unsrem Zeichner zur Begutachtung überwiesen. — A. M. hier: Rccbt hübsche Reime! — E. G. in Leipzig: Die Schlußstrophc ist
unverständlich. — B. St. hier: Muß erst von andern Blättern besprochen sein. — M. Zwickoir in Minden: Ucbre Uedö, dön Lovalilölcrn alleun dü
«osten dör Röorganüsaßüon zur Probe übreS PatrüctüsmusseS zu überlassen, üst von dör Börlüner Röform böreuts vörarbcutet. NcbrigönS büßten Dank!
Uebr Namcnsvöllcr. — E. B. bei M.: Nähere Mitlbcilungen sehr erwünscht. — P. in Breslau: Ohne Nennung des Namens unbrauchbar. — Mond-
maße hier: s. Zwickoir. — Bz. in Löwenberg: Die Verfassung ist nach der Ansicht gewisser Herren ein Leiden, daS man beschwören muß.
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