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geschichtliche (Erinnerung, o

^5ar'§ Louis XIV. ober Mazarin? —

Es ist gleichgiltig auch cufin —

Dcr soll gesagt einst haben:

„Der Staat bin Ich!" Ich bin das Haupt
Des Parlaments; und wer's nicht glaubt,

Der lasse sich begraben!

Wie Felsen fest ist meine Macht;

Ich halte der Gesetze Wacht,

Nur ich gebiet' als freier
Unb starker Herr bem Volke boch,

Hub wer daran will zweifeln noch,

Den schick' ich gleich zum Geier!

Dem Reiche nur gilt all' mein Müh'n;
Drum Hab' ich Trotz geboten kühn
Der Fronbe stolzen Rittern.

Der Kleinen Reib, ber Großen Haß,

Ich trotze ihnen! Merkt euch bas,

Unb beugt euch mir mit Zittern!

„L’etat, c’est moi!“ Ja, ich allein
Befehle Schweigen ben Partei'»

Unb meiner Gegner Wüthen.

Unb wer ba anbern Sinnes ist,

Der sei als Heib' unb Antichrist
Vernehmt unb mag sich hüten!

Der Weltbeglückung heil'ge Schrift
War ich — sie ist für Manchen Gift —
Zu lesen stets beflissen;

Unb waS von je bis biese» Tag
Von euch auch Mancher wissen mag,

Ich muß es besser wissen.

O Buch ber höchsten Wissenschaft!

Rur mir sinb durch geheime Kraft
Gelost des Buches Siegel.

Unb wer, bewundernd nach Gebühr,

Mir huldigt nicht, der büß' dafür
Schwer hinter Schloß und Riegel!

Es folg' die Welt nur meiner Spur,
Und lauschen meinem Worte nur
Soll sie gespitzten Ohres!

Und wer mir widerspricht und wild
Mich noch befehdet, schmäht und schilt,
Den lehre bald ich moros!

Ich bin, parbleu, des Staats Pilot,

Ich weiß, waS ihm an Stenern noth,

An Zoll und Monopolen.

Und wer wie ich nicht spricht und meint
Und thut, der ist des Reiches Feind,

Den soll der T-!

KlMnsLsW.


Aus dem Jenseits.

Mein lieber Cr ein er!

6s thut mir recht leid, zu erfahren, daß Sie in neuerer Zeit wieder
von feindlicher Seite deßhalb angezapft worden sind, daß Sie unser» gemein-
samen Don Carlos wegen seines an mir verübten Raubmordes in Schutz
genommen haben. Da zeigt sich wieder einmal die große Einseitigkeit der
Menschen! Wahrhaftig, ein objeetives Urtheil vermögen sie gar nicht mehr
zu fällen.

WaS sollte denn in aller Welt Don Carlos mit mir anfangen? Er
war doch — wie Sie selbst am beßten wissen — von Beruf Räuberhaupt-
mann, das Rauben und Morden war sein Geschäft —

„Aus Noth erschlug er diesen Mann;

Ein Jeder nährt sich wie er kann" —

So sagt schon ein altes schönes Wort. So dachte auch Don Carlos,
als er meiner Hemdknöpfchcn ansichtig wurde, und ließ mir ohne viel Brim-
borium die Kehle durchschneiden. Sie hätten es also gar nicht nöthig ge-
habt, ihn dieser That wegen noch besonders zu verteidigen.

Und ist mir nicht auch eine kleine Revanche zu Theil geworden? Wo
ist das goldene Vließ hin? Wo — unter uns gesagt — sind Sie hin?
Wenn ich manchmal so als Schatten hinter Ihnen stehe und sehe Ihnen
über die Schulter und lese, was für schöne Sachen Sie schreiben, so empfinde
ich eine Art von Genugthuung. Wie schön ist eS bodi — sage ich mir dann —
daß das Centrum Sie abgeschafft und den Antisemiten angesetzt hat!
Von Denen werden Sie auch Ihren wohlverdienten Lohn bekommen!

Noch Eins! Wenn Sie einmal hierher kommen-aber Sie gehen

wohl lieber nach unten, weil Sie da mehr Bekannte finden? — nun, wenn
Sie doch einmal durch Zufall hierher kommen sollten, berichten Sie mir wohl,
waS aus meiner Uhr geworden ist? Ich vermuthe, daß Don Carlos sie
nicht behalten, sondern an einen seiner Generale verschenkt hat. Sie war
nämlich schon recht alt, ging stark vor und hatte einen nur sehr geringen
Silberwerth. Arrßerdem befand sich in meiner Westentasche ein Braun-
schweigisches Zweigroschenstück mit einem Pferdchen, welches ich als eine Art
von Heckpfennig oder Talisman mit mir führte. Wer hat das bekomnreir?
Wer hat überhaupt meine Weste bekommen?

Diese Frageir wollen Sie mir freundlichst beantworten, wenn wir einmal
irgendwo Zusammenkommen sollten. In der nächsten Nacht zwischen ein und
zwei Uhr werde ich Sie drei Mal hintereinander kalt anhauchen und ein
bißchen dabei klappern - das gehört ja bei uns Gespenster,r zum Handwerk
hnfi Mi ehrlich" ermordet wie ich bin, immer noch

— damit Sie merken, daß ich. „ehrlich" ermordet
gern an Sie denke.

Mit tarrsend Grüßen

Ihr sehr ergebener

Schmrdt,

Preußischer Hauptmann a

„Rührig iiit bür Münorütät!" — hat düscr Hörr von Münnü-
gerode daßumal gerufen. Und alleweule wundern süch düse Lüberalen
und wollen ös ühm ßnm Vorwurf machen, daß ör und dü Sennen düsem
Motto und Befühl gemöß gehandelt und geschwngen haben! Dü Ma-
jor ütöt Hütte gewüß von Hürzen görn gögen Rüchter gesprochen. Alleun
wo fr ft sü? U. A. w. g.

___ Zwickauer.

Die getäuschte Erinurtuiig.

Als zu dem Kanzler sie geladen waren —

Sie dachten Alle, nach dem Essen möchte
Der Kanzler, wie er sonst wohl oftmals thut,

Bein, Glase Bier den Gästen offenbaren,

Wie über Dieses er und Jenes dächte.

Da Hub er an: „Nicht wahr? Das Bier ist gut?"

Das Bier war gut, das ließ sich nicht bestreiten;

Doch sollt'er sonst ein Wörtchen nicht verlieren
Von dem Culturkampf? Ob er endlich ruht? —
Nein doch! Statt sich hierüber zu verbreiten,

Blieb er beim Bier, sprach von verschiednen Bieren
Und wiederholte: „Dieses Bier ist gut!"

Zeit war's zum Gehn; schon stand man an der Pforte
Und als nun höflich Abschied ward genommen,

Was hat er wohl zu sagen noch geruht?

Er sprach — dies waren seine letzten Worte:

„Ein gutes Bier pflegt trefflich zu bekommen;

Nun, meine Herren, bekomm' eö Ihnen gut!"

Zum (£ u [ t u r f r i e ö e n

Als die Nachricht ruchbar wurde, dnß Leo XIIl. bej Preußen angefragt
habe, ob es ihm, dem armen Gefangenen, falls er aus Rom flüchten sollte,
ein Asyl in Fulda gewähren wolle, soll der Deutsche Episeopat sich zu
einer Adreffe vereinigt haben, welche in Deutscher Uebersetzung lautet:
„Heiliger Vater! Wie konntest Du nur einen Augenblick an der Er-
füllung Deines Wunsches zweifeln? Wie konntest Du bitten, wo Du zu
befehlen hast? Lies, Heiligster, waS in diesen letzten Tagen zu Berlin
gesprochen worden, und Du wirst erkennen: es ist dafür gesorgt, daß Du
nicht als armer Gefangener, sondern als Sieger und Triumphator einziehest
 
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