Kladderadatsch: Humoristisch-satirisches Wochenblatt — 37.1884

Page: 133
DOI issue: DOI Page: Citation link: 
https://digi.ub.uni-heidelberg.de/diglit/kla1884/0133
License: Free access  - all rights reserved Use / Order
0.5
1 cm
facsimile
Berlin, den 6. April 1884.

XXXVII. Jahrgang.

Nr. 16.

Charwochcnkalcnder.

Montag, den 7. April.

Von der Arbeit Qnnl cntlaftet.
Schläft der Reichötng, fcricnfrcl'.
gern vom .lieben Hause' rastet
Friedlich Herr von Lcvetzow.

Sienstag, den 8. April.

Herr von KSller sis» zu Hause,
Athmet aus, vom Landtag frei:
-C’ictt sei Dank, mal eine Pause
Nach der ew gen Tagcrei!'

Mittwoch, den !>. April.

Vorsitz fnb'rt im Hau» der LordS.
Labt sich au de» Feierkliinge»
Leines stillen Heimatorte,

ChanvschenKalender.

Jonnerstag, den 10. April.

.Jeder Rath kriegt Osterferien,

Areitag, den 11. April.

Schufen «oßlcrS Worte Wch!

Sonnabend, den 12. April.

Doch ich spreche: Bannt die Sorge»,
Harrt des AnferftehungStagS!

Alten Völkern klingt ja morgen

Kladderadatsch.

Humoristisch - satirisches Vachenhlatl.

Mit dieser Nummer beginnt ei» neues Abonnement auf den kladderadatsch mit 2 M. 25 Pf. für In- und Ausland. —
Wir bitten um rechtzeitige Erneuerung des Abonnements, da wir später nicht dafür einstehen können, die bereits erschiene»«»
Nummern noch vollständig nachzuliefer». — Einzelne Nummern, soweit dieselben noch vorräthig, ü 25 Pf.

Die Verlagshandlung A. Hofmann & Comp, in Berlin.

Von einem Gewaltigen

Zeus I Die Bürde droht, mich zu erdrücken!

Ich halt's wahrhaftig länger nicht nrehr aus!
welch eine Last, ach, ruht auf meinem Rücken,

CSeit ich der Träger bin des Weltenbaus.

^ ''S wein Backen ist schon wund — o laß dir's klagen ! —
vom Druck des unermeßlichen Gewichts.

Ich bin verdammt, den hiinmelsball zu tragen;

Ich selber Hab' von deinem Fimmel nichts.

wie lang nun steh' ich an der Erde Grenzen I
wir ward die Zeit bereits zur Ewigkeit.

Ich feh' allnächtlich Stern an Stern erglänzen,

Und feh die Welt erstehn im worgenkleid.

Ich bin es, der mit seinen starken fänden
Das All umfaßt und in der Schwebe hält.

Doch darf ich mich vom platz nicht drehn noch wende»,
weil sonst der wundersame Bau zerfällt.

Ich, ein Titan, darf rucken nicht noch zucken,

Nicht darf niein Arin sich jemals fühlen schwach,
wollt' ich nur mal niir in die Hände spucken —
Gleich gäb's ja einen ungeheuren Urach:

Das ganze Firmament siel' jäh zusammen,

Gin Wolkenchaos und ein Bebelhauf;

Die kleine Grde stünde bald in Flammen,

Der Tiefe Geister stiegen wieder auf.

Ich, ein Titan, muß stehn, wenn Sturm und Wetter
Ritt schneid'gem hohn an niir vorüber eilt.

Erbarmen, Zeus! O schick' mir einen Retter,

Der meines Amtes Bürde mit mir theilt!

Laß, Vater, deines Herzens Rinde schmelzen,

Und sende den Erlöser mir herbei.

Auf seine Schulter» laß die Last mich wälzen!

Und hörst du mich, so sende ihrer Drei!

Ich habe ja für Drei genug an Bürde,

Und jedem wird sein Arbeitsfeld beschafft.

Erhör' mich, Zeus: verklcin're meine würde,
Beschränk' mein Amt, vergrößre meine Uraftl
Laß mich ein Weilchen nur in nächsten Tagen
vom sauren Werk des weltcnträgcrs ruhn!

Gib mir nur mein bescheiden Theil zu tragen,
was du befiehlst, o Zeus, will gern ich thun l

^ ^ Kladderadatsch.
loading ...