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teilt Stimmungsbild.

ISinjnm saß Der Landrath z. D. auf dem Schlosse seiner Bäter.
er gemastregelt worden war, halte er Ovationen über Ovationen über sich
ergehen lassen, und seine Pferde waren völlig steifbeinig geivorden,
sie ihm schon am frühen Morgen von seinen Kreisinsassen ausgespannt

Sinnend blickte der Gemastregelte zu den-Bildern seiner Ahnen empor:
Tassilo, der Truhige, Horst, der Geschwollene. Garibert, der Kecke, sie
gehörten alle einer bessern Bergangenheil an und schiene» ihren Nachfahr
zu bemitleiden, der zu Thaienlosigkeit verdammt seht weder Gendarmen
instruiren noch die Aulonialen auf dem Lande verbiete» konnte, um seine
RechtSkmntnisse glänzen zu lassen, wie der Landrath des KreiseS Wolf
Hagen. Nicht einmal Fehde anjagen konnte er den Bürgern von Pimpel-
hag°„. die feige hinter seinem Rücken zu lächeln und ihm doch devot für
ihre Waaren Geld abznnehmen pflegten. Es war ja sicher, das, ihm die
Regierung wieder kommen mußte. Hatte »ick-t die Erde in der Rhein
Provinz bereits gebebt, schien nicht die Sonne manchmal still zu stehen
über dem seht von einem Neuling eonimissarisch verwalteten Kreise! Da
brachte der Diener eine» mit einem amtlichen Siegel veischlossenen Aries!
Also endlich! Er las ihn, er erblich, ihm schwanden die Sinne.

Der Diener warf einen disereten Blick in das Schreibe» und murmelte,
wie es sein Herr getha» Hatte, bevor er in Ohnmacht siel, mit dem Ausdruck
der herbsten Enttäuschung: „BloS RegieningSrath?"

Der Diener Halle Recht: hatte er nicht beim Schneidermeister schon die
Hosunisonn mit den Abzeichen eines Wirklichen Geheimen ObeiregiernngS
rathes bestellen müssen?

Zur Aakrsiundertivende.

Ich kann mich nicht recht erwärmen
Für dieses Festgeschreis
Ich wollte, da» öde Lärmen
Wäü glücklich erst vorbei.

Wie gut, das, mit freundlichem Strahle
Ein Trost durch dnS Dnnlel bricht:

Ich weist, z»m zweiten Male

Erleb' ich die Sache nicht.

Ein (Offenherziger.

In detr nächsten Tagen ivird nun auch England seine Ilnterschrist zu
de» Abmachungen der Friedenseonserenz geben. Die Sache hat sich io
lange hingezogen, weil die englische Regierung darauf bestand, das, während
der Unterzeichnung der Protokolle durch ihren Vertreter eine im Park des
SchlojjeS ten Bosch ausgestellte Batterie einen Salut von 33 Schuf,
abgeben sollte. Die übrigen Mächte haben sich jcpt von der Berechtigung
dieses Verlangens überzeugt und ihre volle Zustimmung erklärt.

Kür den stntcn Zweck.

Bon Anatolc Jmmerfcucht.

Verdoppelt wird unsre Flotte,

! meinen Wünschen entspricht:

Zur vaterlandslosen Rotte
> Gehör' ich noch lange nicht.

I Doch ohne neue Stenern
' Wird schwerlich die Sache geh».

Man ivird uns das Bier veitlieuern.

Schon längst ja sollt' es geschehn.

Hier wird dem Patrioten
Die schönste Gelegenheit
Für lange Jahre geboten
Zu rühmlicher Thätigkeit.

Mag auch das Bild nicht ganz stimmen,

Als Dichter gestatt' ich es mir:

Ich sehe die Panzer schon schwimmen
Aus einem Meere von Bier.

Wie der Philister auch spotte,

Mir ist es völlig gleich:

Ich trinke flott für die Flotte,

Ich trinke für Kaiser und Reich!

Des Bildhauers Lraum.

Er schlief und Halle eine» schweren Traum. Ihm träumte, er hätte
von der Regierung den Austrag erhalten, ein Miguel-Hohenlohe
Denkmal zu machen. Nun zerbrach er sich den Kops, wie er die beiden
grosten Männer zusammen ans den Sockel stellen sollte. Vielleicht so, das,
einer den andern bei der Hand jastle oder den Arm »in ihn schlänge?
Sollten sie einsach nur bei einander stehen oder einander ansehen oder aber
einander den Rücken kehren? Oder sollte er beide zusammen ans ein
hohes Pserd sehen? Er überlegte hin und' her und dachte und grttbelte
u»d konnte nicht damit ins Reine kommen. Da ries er plöhlich so laut
„Heureka!" das, er darüber erwachte. Zum Glück konnte er sich noch ans
die Lösung des Problems besinnen, die ihm der Traumgott besihieden hatte.
„Ja, jo mache ich's", sagte er, „ich mache die beiden Figuren drehbar, jo
dast sie, je nach dem das Verhältnis, zwischen den beiden Männer» ist, sich
entweder ansehen oder sich von einander abwenden und mehr oder weniger
einander den Rücken zukehren." *

Nun sipl er da und wartet aus den Anslrag, den er sich erträumt hat.

In England macht der Transport der Zehntaujende, die sich täglich
zum freiwilligen Dienst melden, der Heeresverwaltung schwere Sorgen, und
besonders weist die Intendantur kaum, wie sie auch nur das Allernöthigste
von LebenSmilteln beschossen und nach Südafrika befördern soll.

- Ihr einziger Trost ist dabei, dast sich mm schon gegen dreitausend
englische Gefangene in Pretoria befinden, und dast weitere Capilnlationeii
von ganzen Bataillonen mit Bestimmtheit zii erwarten sind. So oft die
Nachricht von einer solchen Ergebung eintrisft, reibt man sich ans der
Intendantur die Hände und rnst: „Gott sei Dank, wieder ei» paar hundert
hungrige Manier weniger! Lasst die dummen Buren doch die Kerle
durchsüttern."

te r ü k ä r ii n g.

Bei meinem Ausspruch von „jener Kraft,

Die stets das Böse will und stets das Gute schasst",
habe ich nicht aus die dummen Engländer anspielen wollen, die mit dem
thörichten Ausgreisen von deutschen Schissen in ganz Deutschland Stimmung
für die Flottenvorlage machen. Ich habe aber nichts dagegen, wenn man
jesst die Stelle aus sie anwendet.

Elysium, v. Hoellie,

iln Anfang des neuen Jahrhunderts. Staatsminister und Dichter a. D.


Sinti, und Hilfe in den Prüsnnge», die das neue
Richter und Anwälte verhängt! Strengste Diseretn

B. G. B. jept über
n! Coulante Be-
ott 'fS'aöua.

Bon Athen aus ist jüngst bei dem englischen KriegSministerinni tele
...aphisch angesragl worden, ob der Zuzug von einigen hundert griechischen
Freiwilligen willkommen sein würde. Umgehend kam die Antwort: „Um
Golteswillen zu Hause bleiben! Haben leider schon selbst viel zu viel
(ttefiubel in der Armee".

Der Berliner Schuldeputation hat eine ConseetionSsirma eine groste
Anzahl verpasster Aermel, ein Verleger den unverkauslen Rest des Führers
durch die 1886er Ausstellung Kairo als Weihnachlsgeschenk für sleistige und
würdige Volksschüler übersandt. Diese glänzenden Beispiele uneigen
niihige.il Wohllhuns sind nicht vereinzelt geblieben. Der Abbrnchunler
nehmer Mörtelmeyer hat 20080 zerbrochene Ziegelsteine aus dem abge
rissenen Gebäude des Herrenhauses, die Wittwe des Dichters Leiergold
2 Cenlner Tragödien Manujeripie, der Bildhauer Unverstanden seine
»nverkonsle überlebensgroße btypsgrnppe „FrühjahrSeoiilrolversaiiimlung in
Tempelhos" und der Magistrat von Rixdvrs das Material zu 1736 Schnee
männern der Berliner Schuldeputation mit dem Eriuchen überwieien, die
Sachen abholen zu lassen und als Weihnachtsgeschenk zu verltieilen. Noch
ist Edelmulh und Opserwilligkeit in den Herzen der Menschen nicht er
storben. Daist, heißen Dank den Wohlthätern!
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