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34

3>er gfaff Wr-iese

^^Wom Richter citirt als Zeuge ist
W Herr Briese, ein biederer Reservist,
Und da just eingczogcu der Manu,

So tritt in Uniform er an.

Drum marsch mit dem Frevler ins Loch hinein!"
So sitzt Freund Briese sicher und sest
Zwei trübe Wochen im Dunkelarrest.

Er wird um dies und da? befragt,

Und redlich nach bestem Wissen sagt
Di« Wahrheit er: znm Schlüsse meint
Ter Präsident noch: „Wie mir scheint,

Sind Sie doch wohl Socialdemokrat?"

Freund Briese weist sich keinen Rath
Im Augenblick und steht »nd schweigt,

Denn wer als Bebels Jünger sich zeigt
In Uniform, koinmt gleich ins Loch.

Der Präsident drauf: „Was zögern Sie noch?

Wie lange lassen Sie mich noch fragen?

Sic haben geschworen, die Wahrheit zu sagen,

Ihr Eid must Ihnen beilig sein.

Heraus mit der Sprache! Ja oder nein?"
Entschlossen spricht Freund Briese da:
„Socialdemokrai? Im Civilrock, ja!"

Ganz gut gesällt mir das von dem Mann,

Doch anders sieht die Sache an
Der commandircnde Herr General.

Er spricht: „Das ist doch ein Skandal!

Der Briese hat sich ja gut geführt,

Hat nicht agiiirt »nd conspirirt

Und Thron und Altar nicht untcrminirt,

Jehl aber — schämt sich der Man» dcu» nicht? -
Bekennt er ganz frei vor dem Sdiösscugeiicht,

Daß er — wer ist da nicht empört? —

Im Reichstag Herr v. Gostler spricht:

„Ich habe de» Fall, wie's meine Pflicht,

Gar sorglich geprüft und must gestehn,

Dem Manne ist ganz recht gcschehn.

Ich sagte früher: „ES ist ja klar:

Weil Briese noch nicht vereidigt war,

So könnt' er ruhig halte» den Mund.

Was Ihat der Thor freiwillig kund,

Wonach ihn keiner halte z» fragen?"

Jetzt Hab' ich noch einmal nachgeschlagen
Die Acten »nd alles genau gelesen
Und sehe, er ist vereidigt gewesen.

Nun sag' ich: „Es ist ja sonnenklar:

Weil Briese schon vereidigt war,

Sv könnt' erst recht er halten den Mund!"
Drum ist ersichtlich, dast ohne Grund
Die Herren sich wieder mal hier beklagen
Und nnS mit alte» Geschichten plagen.

Ich würde mich wahrlich nicht geniren.

Auch Generale zu rectificiren:

Und hält' ich mich selber cmmal verrannt,

Gern räumt' ich eS ein vor dem ganzen Land.
Doch darum handelt es sich hier nicht:

Der General lhal seine Pflicht,

Ich Ihat die meine und sage noch:

„Ter Briese kam mit Recht ins Loch!"

Zur valcrlandslosen Rotte gehört!

Ob in Bcdrängnist war der Mann,

Das geht uns dabei doch wohl nichts an.
Er hat sich vergangen, Oidnung must sein,

Rn» wurde gleich im ganze» Land
Der interessante Fall bekannt,

Und fröhlich erscholl es weit »nd breit:
„Es lebe die preustische Kleinlichkcil!"

Ai» de» hkinislkhrendcn General Htis.

Krnste Wermaynung.

Leb' wohl! Wir weinen laut und trauern,
Weil du den Rucken uns gewandt.

Du ziehst nun fort ans nnsern Mauern,

O Otis, in dein Vaterland.

Wir sehn dein Schiss die Wellen Pslügen.
Wer wird nun in Manila lügen?

Der Stadtverordiictenvorslehcr Or. Langerhans hat in der Stadl-
verordncleiiversammlung um Entschuldigung dafür gebeten, dast ihm der
Ausdruck „Zeitungsschreiber" entschlüpft sei.

Möge er nun aber auch — er befand sich leider bereits im Rückfall —
sich recht in Acht nehmen und in Zukunft nicht wieder „Zeitungsschreiber"
sagen, sondern „Jonrnalisten". Will er lieber eine deutsche Bezeichnung
haben, so bleibt ihm die Wahl zwischen „Prestmenschen" und „Federfuchser".

An der Sitzung des StaatsministcrinmS, in welcher die Absetzung des
Privatdocentcii Arons beschlossen winde, hat der erkrankte Finanzminister
v. Miguel nicht Ihcilgeiiommen. Er soll cntriistcl gewesen sein, als er
das Resultat deS Disciplinarvcrfahrens erfuhr; man sagt, er habe es kläglich
und unwürdig geuannl, ja er habe es geradezu als ein Fiasko für den
Staat bezeichnet, dast die Kosten des Disciplinarversahrens nur 6 M. 20 Ps.
betragen habe».

Der Oberbürgermeister von Berlin Herr Kirsch »er ist in Las Herren-
haus berujen worden. Wie man sicht, ruhe» die Gegner Berlins nicht«
nicht nur einen besonderen Oberpräsidentcn will man der Stadt ans de»
Racken setzen, nein, man macht sein Oberhaupt auch zum Mitglied einer
völlig uninlercsjanlen und bedeutungslosen Körperschaft.


A» beit Prinzen von Wales.

Engen'jammert darüber, dast Krupp und Frhr. v. Stumm allein
an den Pnuzeiplailen, die bei der Floltenvermehruiig gebraucht werden,

Bella geraut alii, tu Albert Eduard lüde!

170 Milltoncn Mark rein verdienen sollen.

Sieht der verbissene Führer der Freisinnigen nicht ein, dast die beiden
patriotische» Herren nur aus de» edelsten Beweggründen die Preise für
ein Fabrikat, das sie allein liefern können, so hoch angeicpt haben?
Gäben sie die Platlc» billiger ab, so würde» die verctuigien Regierungen
gleich noch die Bewilligung von vier weiteren Reservegcschwadcr» beantragen.

Das in ein Kloster gelockte und aus diesem wieder verschwundene
galizische Jiidenmädchen Ara teil ist trotz aller Nad>jorsch»ngen der Be-
hörden noch nicht ausgefunden. Trotzdem ist die Nachricht, Last die Berliner
Criminalpolizei mit der Ermittelung des Mädchens bcaustragt sei, un-
begründet.

Der Reichskanzler hat ein Gesetz cntworfc», welches das Stehlen von
elektrischer Kraft wie einen Diebstahl bestraft. So wird cS den armen
Spitzbuben fünjtig geradezu unmöglich gemacht, auf ehrliche Weise zu stehlen;
sic werden von der Regieiuitg dem Gcfänquist ja ciilgegcngclriebcn. Und

Don der Aörse.

A. : Miguel hat die Waarenhausslcncr doch ganz vortresslich empfohlen.

B. : Beinahe so wie die Canalvorlage.

das nennt sic eine Miilclstandpolitik! Statt den lleinci, Lciiten in dem
schwere» Kampf gegen die erdrückende Uebermacht der elektrischen Gros,betriebe
bciznstehcn, unterstützt sie durch die Bcstrasung des Elektricilätsdicbslahls
die Interessen des Grostcapitals. Psui!

Die Waarcuhäuscr haben, wie die Zcitniigeii melden, vor, die Steuer,
die über sic verhängt ivcrdc» soll, ans ihre Lieferanten und ihre Angestelllen
abzuivälzcn. So leicht lernt sich das Erdrosseln, wenn man Belehrung
darin empfängt.
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