Kladderadatsch: Humoristisch-satirisches Wochenblatt — 57.1904

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Kr. 15

ßcrlut, den 10. April 1904

lvii. Jahrgang

Mcheilkaleader

Montag, den 11. April

Tagtäglich wirk: der Nedacleur
Mit Lust au seinem Tisch:

Wie Nutzland seinen Aufmarsch macht.
Docicrt er froh, frei, frisch.

Dienstag, den 12. April

Man weis; davon lein Sterbenswort.

Doch macht er sich nichts draus.

Ein lücht'ger Mann schreibt, was er braucl-i
Vergnügt ans sich heraus.

Mittwoch, den 13. April

Wie Luropatlin handeln muh,

Wenn er nicht ganz und gar
Von Gott verlassen ist, das macht
Der waLrc Mann uns klar. ■

Wodpfiafenöer

Donnerstag, den 14. April

Und ist mit Nuhland fertig er,
Versetzt er wohlgeinulh
Sich auf die Gegenseite gleich
Und zeigt, was Japan lhut.

Freitag, den 15. April

Mit gutem Rath ihm bcizuftehn
Ist freundlich er bereit.

Im dunkelsten Lorca weih
Vorlrcfjlich er Bescheid.

Sonnabend, den 16. April

Er ruft: „So ist ins Werk gesetzt
Der Aufmarsch ganz faiuos.

Ich habe meine Pflicht gethan.

Nun thut die eure! Los!"

ZNadderadatsch

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Vas Koblensyitdikat

ou Wrstcn, nur. iirm Duhrgrllict
Ins inuö hinein schollt llnnge Klage:
Wer weiß oll nicht am nnrijjlcn Tage
Schon das Gefürchtete geschieht!

Die Großen dröhn die Kleinen ju vernichten,

Dicht soll der flriß'ge Ardritsinann
In Zriedcn mehr sein Tagewerk verrichten
Und Hallen seine Freude dran.

„Geh fort," so heißt's, „du machst uns nur Keschwcr!
Feg' hin die Arllrit, jtclj von dannen!"

Was ist der Grund? Daß noch des Geldes mehr
Die Reichen wollen Hallen, als llisher
Sie schon dem Kaden allgewannc»,

Drum heißt's: „Was redet ihr noch viel?

Daß es nathwcndig, muß genügen.

Wir Hallen schon gewonnen Spiel,

Ihr oller müßt euch ruhig fügen,

Denn ihr seid klein und wir sind groß'"

O hartes, jammervolles Foos,

Das Tausende vielleicht llald schon erleide»!

Weh euch, ihr Aermstcn, die ihr scheiden
Uan allem müßt, woran das Aerz euch hängt



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Vielleicht so llald schon, ach, dazu gedrängt
Uon llillrer, nnbarmherz'ger Uoth!

Getrennt non dein geliebten Kerde
Müßt ihr vielleicht auf fremder Erde
In Leid und Sorgen euch das Krot,

Das ungern euch der Fremde reicht, erwerben,
Wollt nicht mit Weib und Kind ihr Düngers sterben.
Dicht Schonung kennt und nicht Erbarmen
Die Dabgier, die nicht satt }\\ machen ist.

Weh jedem, der stch kühn vermißt,

Zn trotzen dem Gewalt'gen! Keffer sein
Wird es, ihr schweigt und geht, ihr Armen,

Denn sie sind groß und ihr seid klein.

Wie? Gibt es keine Staatsgewalt,

Die stark genug ist, in den Arm zu fallen
Der Niedertracht, ihr zu gebieten Kalt?

(Y'möchte bald doch eine Stimme schallen:

„Sofort laßt eure Keule los,

Nicht hoffend eure Gier zu stillen,

Nicht wagt ?u trotzen meinem Willen,

Denn ihr seid klein und ich bin groß!"

Kladderadatsch
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