Koch, Alexander [Editor]; Fuchs, Georg [Editor]
Grossherzog Ernst Ludwig und die Ausstellung der Künstler-Kolonie in Darmstadt von Mai bis Oktober 1901: [ein Dokument deutscher Kunst] — Darmstadt, 1901

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264 Christiansen und sein Haus. — Darmstadt, die -»werdende Kunst-Stadt«.

HAUS CHRISTIANSEN.

Aus dem Herren-Zimmer.

ein Atelier. Und eigent-
lich ist hier noch ein
vierter Raum: die Laube
vor dem Atelier. Sie kann
jedenfalls durch Glas leicht
zu einem solchen ge-
macht werden. Durch
diese Laube, wo in Fresko
»ewige« Rosen blühen
und die lebendigen Blüm-
lein daneben, so viel ihrer
auch sind, fast beschämen,
durch diese Laube, mit
dem Blick über wogende
Wälder in der Tiefe und
Ferne, ist dieses Atelier
der »heiligste« Versteck-
winkel des Hauses, eine
Poeten-Dachkammer, wie
sie poetischer nicht ge-
dacht werden kann, eine
Kammer, von Märchen-
Blumen umduftet und um-
glüht , ein Dornröschen-
Verliess, wo . . . Aber
da habe ich gesagt, was
ich über Christiansen und
sein Haus zu sagen hatte;
erlassen Sie mir den sal-
bungsvollen Schluss.

B. RÜTTENAUER—MANNHEIM.

Darmttadf <~ die „werdende Kunff» Stadt",

n München fängt man an, nervös
zu werden. Erst kommen die
Berliner und behaupten, es gehe
mit München's Stellung als
Kunst-Stadt rapid bergab, und
kaum hat man sich deren halb und halb
erwehrt, so dass wenigstens der »Nimbus«
für gerettet gelten konnte, da erfährt man,
dass die Ausstellung der Darmstädter sich
eines grossen Zudranges erfreut, dass ein
Miss-Erfolg kaum mehr erwartet werden
darf, und dass sich die Darmstädter Künstler
trotz allem und allem zu mutigem Weiter-
Schaffen rüsten. Und in der That, wer die
Münchener Presse, die Münchener Kunst-

und Fach-Zeitschriften und die Ausführungen
Münchener Autoren in diesem Sommer des
Missvergnügens der bierehrlichen »Kunst-
Stadt« verfolgt hat, der wird bei dem einen
ein schlecht verhehltes Misstrauen gegen
Darmstadt, bei dem andern offenen und
gerechten Zorn gegen Berlin, bei dem
dritten eine pessimistische, allgemeine Kunst-
Verdrossenheit bemerkt haben, abgesehen
von einigen klugen Herrn, welche die Be-
klemmungen der Isar-Athenienser noch er-
höhen durch ein dumpf drohendes Wehe-Rufen,
wie als ob die schöne, fröhliche Münchener
Stadt nun, wie ehedem Sodom und Gomorrha,
untergehen und vom Erdboden verschwinden
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