Koch, Alexander [Editor]; Fuchs, Georg [Editor]
Grossherzog Ernst Ludwig und die Ausstellung der Künstler-Kolonie in Darmstadt von Mai bis Oktober 1901: [ein Dokument deutscher Kunst] — Darmstadt, 1901

Page: 17
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unD Die enTSTGHuns der KHnsTteR-KOiionie.

jin deutscher Fürst, der Sprosse

E eines alten Stammes, dessen
leuchtende Wappen-Zeichen die
Geschicke des deutschen Volkes
begleiten seit jenen kaum aus
der Dämmerung mythischer Zeiten sich er-
hellenden Tagen, von denen uns die ersten
Überlieferungen melden: ERNST LUDWIG,
Grossherzog von Hessen und bei Rhein,
ist der Schöpfer des Werkes, dem dies
Buch gewidmet sei. Nicht um mit ruhm-
rednerischen Worten zu prunken, nicht
um aus Dem ein persönliches Verdienst zu
machen, was als ein geheiligtes Erbe, was
als ein verehrungswürdiger, tiefster Ausdruck
unseres Volks-Bewusstseins erhaben ist über
die alltägliche Abwägung von Anerkennung
und Verdienst, Lob und Tadel, Schimpf und
Bewunderung: nicht darum blicken wir an
dem Eingang unseres Berichtes huldigend
auf zu dem Träger einer Krone, welche in
ihren Kleinodien die Geschichte eines uralten
Fürsten-Hauses und die eines uralten Volks-
Stammes zugleich symbolisiert, sondern viel-
mehr darum, weil es nicht gleichgültig ist,

dass es gerade ein Fürst aus altem Herzogs-
Hause war, der zuerst, den grossen Gedanken
unserer Zeit in der That erstehen zu lassen,
seine Macht und seine Person einsetzte,
den grossen Gedanken: Leben und Kunst
zur Einheit zu verschmelzen. Denn wenn
irgendwo ein inneres Verlangen nach der
Verfeinerung und formenden Meisterung der
Lebens-Haltung im Grössten wie im Kleinsten
jemals zu finden war, so bei den Söhnen
alter Geschlechter, bei den Sprossen aus dem
Blute bevorzugter Ahnen. In ihnen sammeln
sich die geistigen Kräfte kulturellen Schaffens
zur höchsten Spannung, Kraft und Wirk-
samkeit, gleichviel ob das Element, auf das
sich ihr Adel gründet, ein dynastisches ist
oder städtisches Patriziat, oder ein glückliches
Vorwalten geistiger und künstlerischer Kräfte
durch eine Reihe starker, und sei es bäuer-
licher Generationen, die endlich in einem
Stärksten, Schöpferischen zur erfüllenden
Reife gelangten. Es ist auch nicht gleich-
gültig, dass es gerade ein Fürst des Hessischen
Hauses war, der sich in solcher Weise wieder
bewusst wurde der hohen Kultur - Mission
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