Zentral-Dombauverein <Köln> [Editor]
Kölner Domblatt: amtliche Mittheilungen des Central-Dombau-Vereins — 1861 (Nr. 191-202)

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So wärM die Baldachin- und Siandbildsr abgemacht. Sind wir fer-
tig? Nichts wsniger. Dis kirchliche Bildhauerei hat eine edlr, eben so
verzierungSftohe Schwester, die Malerei. die in früheren Tagen nicht
nur über.rll mit dabei war, sondern vie Meißelkunst sogar beherrschte. Daß
die Malerei ursprüngüch beabfichiigt war, lieqt nicht bloß in der Sitte deS
MirtelaltcrS, sondern in der Rothwendigkeit. Bekanntlich ist, wie wir an
anderer stelle nachgetviesen haben, der hundert achtundvierzigste Psalm der
Gesstzgebec sür gewistes Bilowerk. Jn diesem steht auch, daß denHerrn loben
solle alleS besiedsrte Gevögel. Dieser Vorschrift ist man in unserem
Dom pfiichtschuldig nachgekommen, hat die Vözei aus dem Dienffe dec G ral-
bogen angebracht, allein fast kein Kölnec sieht fie, wsil ste eben nicht be-
malt sind und so dem unkundigen Auge entgehen Träte nicht überall die
Epur scüher Bemalung hsroor, so wärs der Vogel aus dem Gratbogendienste
sür fich allein ein hinlänglicher Beweiö. Absr, höre ich unsere Ueberpinselsr,
Änstrsicher, Zustuckerer u. s. w. schon elegisch klagsn: ach, die schöne Siein-
farbe, die aiso schlechter Malerei weichen soll! Daß die Steinsarbs so sehr
schön ist, wüßte ich nicht, denke vielmehr, daß eS noch clasfische Ueberbleibsel
gibt von GypS- und Kaikliebhaberei, die zum Derdruste deS geisteSöoen Weiß-
quastes ein großes Stück ihrer Herrschast einz-büßt hat. Auch glaube ich
nicht, daß die Herren an ihre eigene Behaupiung glauben; denn ist zwischen
einem Mädchen mit Kalkgesicht uno rothen Wangsn ein ahnlicher Untecschiev,
wie zwischsn einem neumodischen Prachtbau. d. h. ausgeworfrner Dreck, der
durch d!e Lntte zu Quadern umgcbogsn tvird, und zwischen dsn ehrtichen
Ziegeln, in welche der Römsr, By;antiner (daS Hebdomon. vgl. bei Salzen-
berg Lgia Sophia), die Nordseeländer eine ivohlthuende Malerei mit auge-
nehmen Farbenabstufungen zu legen verstanden, so müßle unser tüchliger
Stadlbaumeister Raschdorf mi, seinen ehrlichen Zirgeln weit andere
Erfolge haben, a!S biSher. Die schöns Steinfarbe ist cinmal so eine Zeit-
phrase, und damit kann man nicht bloß die gedankenzugeknöpfte ZeüungSwelt
lodtsüttern, sondern auck heutige Kunstliebhaber-Menagerieen.

Doch, liebcr Herr Concad! genug hierübrr, Zum Glücke steht eg füc unS
sest, daß der Dom im Znneren auSgemalt werden muß, in welcher Art Ma-
terei, ob Tempsra ob OU, ob in großen oder feingeüftelten Strichen, über-
lasse ich den thätigen Künstlerii. die daS oerstehen müssen. Wie der Alte
dacübsr dachte, zeigt nicht nur dec Dom, sondern jede alte kölner Kirchs;
ja, unsere Vorväter malken sogac die Kirchen außen, wie St. AndreaS aus
der Nordseile noch vor wenigen Jahren in den deutlichsten Spuren zeigte,
und wie fie gieich den Kirchen auch ihre eigenen Haujer auf der Straßen-
und Giebelseite demalten. Solcher gemalten Häuser aus einer Zeit, als edlc
und Bürgerhäusec nach dem Auüdcucke unsercs wackeren A. RelchenSperger
noch keine Beliihäusec der Kunst hatten, aber selbsr Museen waren, solcher
Häuser, sage ich, finden sich noch zu AugSburg, Nürnberg, Schaffhausen, in
den kleinen Rheinstädtchrn, ja Dörschen vom Bodensee btS Sindau, den Vo-
rarlberg, Tirol, Salzdurg, Steier, Assisi u. s. w. Wir können sogac eine
Menge hieher gehörigec Namen nennen, z. B. Borbecger von RegenSburg,
Dieterlin in Straßbura, Siimmer auS Schasthauscn, Jacoun, Zoppo, Bar-
barelli, Caldava auS Jtalien, L lu Teretta-Maler auS Rom u. s. w. Auch
die Wanburg trug noch vor wenigen Jahcen die offenbaren Spuren äußerec
Bemalung. Das letzte gemalte HauS zu Köln aus der Herzog- uud Brücken-
stcaßen-Ecke, gegenübcr von St. Columba, wurde vor etwa dreißig Zahren,
wenn ich mchr irre, durch den Weißquast auS seinem Blumenfloc in eine
Mehlschüffel verivandelt, und cS wird wohl noch eine Zeit lang währen, biS
der Reichthum fich wieLsr in geordneier Farbenkunst gesällt.

Also, um zur Dom-Sache zurückzukehren, so wscden Sie, liebster College,
daS Geheimniß der Farben wiedec openbac machen müffen an Pilären,
Spandcillen, auch Gewölben, endlich Wandflächen. Jch kann hiec nur kurz
andeuiend vsrfahren, wage absr die Behaupiung, daß die Malerri uicht die
des LhoreS fich zum Lorbilde nehmen darf. Schon Lis Baukunst zeizi klar
an, daß fle unter dsm Pcophetenschiffs etwaS Anderes oerstanden wiffsn
wo'llte. als untec dem Chor- und Apoftelichiffe. Zm Ehore stnv die bemallen
Spandrillen glatt, und die Mitte war ursprünglich durch einen gemalten
Strich dezeichnet, Jm Pcophetenschiffe ist vec Raum etwaS eingeengt Vurch
die aufgesetzlen Kcadben und durch vie halbvorstehende Kreuzblume in der
Mitte. Welche Gegenstände gehören hin? EcstenS die früher nicht grnannten
Propheten, z, B. Nathan, EüaS, ElisäuS, die Prophctin Maria, Schwester
deS Aaron, Samuel, Gad u. s. w. — ZweitenS könnten auch einige Spcuch-
bänder, wie ich fie oben angezeigt habe, als deutliche Bilver herooctceten,
um daS Stanvdild ganz klar zuc Anschaulichkeii zu dringen.

Wie die Pseiier zu behandein find, weiß ich nicht. EineS aber glaube
ich: daß die Karben nicht häufig wechseln dücfen, vielmehr in Massen ivir-
ken müffen, wie auch dis Bausteine nur in Ma»en wirken, unv z. B. bei
dm alten Chorsenstern daS Gcün alleS Uebrige behsrrschi. Unssre ehrlichen
Alten hielten auch in fittlicher Beziehung eiwas ausS Fardehalten unv wechfei-
ten ungerne. Zedoch, wie gesagy Sie Farben und das Gesetz ihrcr harmom-
schen Aufeinanderfolge find noch ein Geheimniß, wemgstenS für mich,

Halten wir bei dem gewaltigen Schewepfeiler der Vorhalle einen Bugen-
blick, so steht dort Daviv, Ler sieger über ven höllifchen Riestn Goliath.
Mit diesem Riesenungelhüm wücds ich gerade die gegenüberstehende Pfeilec-
wand schmücken, und er mag fich durch Dienste uno Hohikchlsn durchwinven,
wie Ler Maler gebietet. Ein wunverlicher Gedanke, wsrven Einige sagen, aber
die alten Dommeister liebtsn solche Duige, dis dem Volke inS Augs fallen,
und in RrgeuSburg ist gar der Zwerg David dem riefigen Golisih gegen-
über aus einem alten Hause gecave so zu sehen, wis wir eS wünschen. Da
der lebendige Goliath sTeust!) nichi in vte Kirche trstsn kann, so köqnte
er todt in die Knieen finkenb autgefaht werden, und eS würde daS Riesen-
haste nicht nur um so mehr hsrvortreten, sonvern auch drm Malcr eine Fcei-
heit zu Gute kommen, die beim tovten Körper, nicht bei dem lebendigen zu-
gegeben werven muß. Dem Goliath ließe fich ein hübscheS Gegenstück g-gen-
überstellen, nämlich ver Berg, von welchem herab MoseS daS Land cker Ver-
heißung und seine Paimen sah. Allein äenug. .

lleder die Vierung der Martyrer, Beichtiger und Zungsraum bemerke ich
nur daß mchtS ieichter ist, alS dis Spandrillen mit einem geschichtlichen Er-
eiqn'ifle oder einem Sinnbilve aus Lem Leben deSselben oder -ineS andecen
Helligen zu verzieren, z, B. den heiligen AugustinuS mit bem Engek, der daS
Meer inS Grübchm schöpstn will, u, s. w.

Ferner find auch noch die leeren inneren Flächen aus der Porialmauer
zu verzieren, und man fieht ein, daß viele Leute im Zrrthume find, menn fie

glauben, dis gothische Bauweise sei für den Malerpinsel nicht günstig. Was
dort gebildet wecden soll, üderlaffe ich einstweilen Jhnen selbst. Rur glaube
ich nicht, daß geüüg zusammenhangende Darstellungen dort anzubringen
find, obgieich nichtS leichter wäre, da aus der Evangelienseite daS neue, auf
dsr Evistelseite daS alte Testament Stoff in Uebecfiuß darbietet.

Envlich finv noch die Flächen grcaüe uniec den gebrannisn Fenstern zu
besprechen, wslche die Eigenlhümiichkeit haben, daß fis bis auf die westlich-
sten ducch Wanvsckränke mit und ohns Verschluß gelheilt find. Ein einzigsc
ist noch jetzt verschlossen und verdiente geöffnet ;u werden, da wahrschein-
lich Niemano von den jetzt Lebenden inS Jnnere hineingesehen hat. Wozu
diese Schränke dienlen, ob zu Acmenzwecken, ob zu Opferzwecken, z. B. wie
es in Köln heißt: füc die Kerzenmöhnchen u. s. w , weiß ich nicht zu sagen.
Sehsn wir nun aus die Bilder, so haben viese selbigen Wanvflächen in der
Umfassungßmauer deS ChoreS theilwrise Blumen, z. B. in der Capelle deS
Dombüves, theilweise HeilanVS- und Heiligenbilder, z. B. im Osten der
Sacristei dsn Gekceuzigten mil Maria und ZohanneS. Wir können denselben
Gang befolgen. Jch schlage daher folgenve Bilder vor: erstens Blumen, un-
ler denen die Rose des HohenliedeS, d!e Rose von Jericho, die Lilie, die Son-
nenwende u. s. w., ihre bekannte Bede.-tung haben; zweitenS Pflanzsn, z. B.
Palmen, Weinsiock und Reben Fsigenbaum u. dgl.; drittens könnten auch
Büder, z. B. EhristuS als Beüler, wie er auf den Fenstern zu Straßburg
stcht, ChristuS im Tempel mit dec ermahnenden Peilsche, ChcistuS bei dem
Gichtbrüchzgen und sonstigen Kranken, LhristuS alS guter Hirte u. dgl., sehr
gut angebracht werden. Ln eiuer ver wesilichen Eingangsihücen könnte auch
ein Abbüd deS D omeS seibst stehen, wie er noch l8lü war. Wollte Jemand
einwenden, soich ein Büo paffe uichi, so weise ich ihn nach Pcag auf dcn
Hradschin, >vo aus dec westlichcn L-chiußmauer die Bogen der Zukunft ab-
gemali sind. Vorzüglich aber mache ich auf Eine Veczierung ausmerksam,
welche daü dankbarc, riilerliche und politisch kluge Müieiailer in den Kirchen
so häufig amvandte: die adligen Wappen. Die Minoritenkirche war einst
damit angesüllt, die Locenzkirche zu Nürnbecg hat stch dieseS Sch nuckeS noch
nicht lange abgethan, unser Dom zeigk auf den gebrannten Fsnstern noch
übsrall die Wappen der Geschlechier, der>n Reichihum nach Vem Spcüch-
worte: klvdlsseo odlrs« hal er Gemeindeiäckel war; ja, ich wücde mich
sreuen, we»n die neuen eveln Pairizier Wallcaf, Rickartz, Fcank eben-
fallö inü ihcen Wappsn ecschienen; aber — aber die Sache hat ihrenHaken.
Die Hscren von Thaierhausen und respectabler Geldkiste werden die Nase
rümpfen, und dis unsterbücheii gesiocbmen Gervinuffe von dem Kortschritte
jwohin?) reden, allein unserer Zcit läßt fich leicht weiSsagrn, daß fis nicht
so alt wecden wird, wie unser Jnhrhundrct, unv ich halte eS mit unserem
Hecrgott, der in Pflanz-n, Bäuwen, Tht-ren, gesunden, klugen, kcüppelhaften
ünv beschränkten Menschcn überall U n gleichheü predigt, unv mit den Welt-
lichtern Aristoieles, Plaio, ThomaS von Aquino und den altrn qeordneten
ReichSstäVten, v h. ich liebe die Noihweudigkeit, dcn Avel, die Wappen. Der
Dom haüe voreinst seinen Ecbhosmeistec im gräflichsn Hause Mandsrscheiv-
Biankenhsim mit dem schlangenweise geschobrnen rothen Balksn, dem queren
goidencn Felve u. s. w., seinen Erbschenk.n aus dem herzoglichen Hause
Aremberg, ssinen Grbmarschall aus dem Hause Reifeischeid undseinen Ecb-
kämmerer aus dem Hause PleNenberg. Wie ber Herzog von Acembrrg noch
jetzt zu Vcn Wohlihätern unserrS DomeS gehört, so haben auch Lte übrigen
Namen dsu besten Klang selbst in der Geschichte des dsutschen BaierlandeS,
und glänzen neben einem Hohenzollern-Sigmaringen,. Zeil-Wallburg, Hohen-
lohe u. s, w. Lieler Andenken zu ehren, z. B. ei eS wohithätigen von Fcan-
ken-SierSdorf, wäre Kölns Pflichr, wsnn cS seine Voczeit noch kännte. Also-
gchen wir nun gelrost anS Wsik, prüfen die Schiide aiS ehrlichs Wappen-
heroloe und lassen sie gleich unseren Väiern in Lie Kirche ein, denn dahm
gehöcen ste. Jch weiß, waS allsü dagegen zu sagsn ift; aver ich gehöre nicht
zu den Spinnen, die Mft, abec zu oen Bienen, die Honig auS denselben
Blumenstoffen ziehen. Od und wie die Geivöibs auch zu bemalen find, stelle
ich einsach anheim, da schon das segnende Christusbild über dem Altare einen
Fingerzeig obgibt. EmS aber möchte im VorauS seststchen, daß die jstzige
FreSkenmalerei passen würde wie eine Faust auf dem Augs.

(Schluß folgt.)

Zum Besten des kölner DombaueS

ist erschienen und im BereinS-Secretariate (RathhauSplatz Nr. 3) vorräthig:

Der kölner Dmn,

eine Kunstbetrachtung.

Vortrag,

gehaltell zur Mer -es Geburtstffges Sr. Maj. -es Aönige
in der Akademie der Wiffenschaften zu Berlin

V 0 N

Molph Tkmdeteuburg,

Seccetär Lerseiben.

Köln, 1853. Preis 5 Sgr.

Bersntwortkrcher HerauSgeberr I. I. Relles kn Köln.
EonlMisßonS-Verlag und Druck von W- DlMont-Schauberg tn Lälu.
(Lrpedition der Kölntschen Zeitung.)
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