Zentral-Dombauverein <Köln> [Editor]
Kölner Domblatt: amtliche Mittheilungen des Central-Dombau-Vereins — 1861 (Nr. 191-202)

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Thlr.Sgr.Pf.

ZS) An ZeugeggeLüLren «on Herren Jos. Strsrser, Frz.

Clsni-, I. A. Wahlen, Emtl Aramer, Aug. Rscholl,

Emil Teudel und Fr. Maria Küfters u. Charl. Du-

meSnil ....... 2 28 —

Summa 2SS1 8 7

Hierzu die Einnahme pro Januar bi-S ult. Nos. c. laut 22V.
Gaben-Verzsichniß (ek. Rr. 261 d. Dl.) mit . . 5S75S 2 5

Eianahme vom 1. Janusr bis 28. December c. . . s8306 11 —

Köln, 28. Decemier 1861.

Der Verwaltungs-Ausschuß
des Centr al-D omb au-Vereins.

Vierundzwanzigste Geueral-Versammlnng

d es

akadrmischkn Dmbau-Vkrrins is Aonv,

verhandelt in der Aula der Univerfität am 28. Mai 1861,
NachmittagS 2^ Uhr.

VsÄ Vorstands waren «nwesend: dcr Vhren-Präsident Herr Domcapi-
tular P-oftffor v. Dteringer; die Herren Profefforen l>. Floß und v.
Schaaffhausen und die Herren Siudirrnden Müller, UerlichS, Lim-
bach, Becker, Gchall, Wagner.

Außerdem beehrten die Versammlung mit ihrer Anwesenhsit die Herreu
Professoren v. Reusch und v. Roth, die Prisatdocrnten Herr v. Neu-
häuser und Lic. Simar; ferner bis Herren Repetsnte» des thsologischsn
LonvictoriumS Äaulen und Langen.

Der Ehren-Präfident eröffnete die Lersammlung, indem er in kurzem
Rückblticke die Ergedniffe de« verfloffenen Semefters erörterte.

Hierauf vsrlas der Ehren-Secretär Herr Proft v. Floß den Rechen-
schaftSdericht.

Laut dem Rechenschaftsderichte unftrer jüngsten General-Versammlung
besaß dis Tasse dc« hiesigen skademischen Dombau-
Bereins vstto ..... . 171 Thlr. 8 Sgr. — Pf.

Hiervon wurden an dte Caffe deS Central-Dsm-
bau-Vereins iu Köln abgeliefert . . - 170 „ — „ — „

Mithin bleibt Caffenbestand . . . . 1 „ b „ — „

DaS Ergebniß der Sammlungen im verwichcnen

Semester belies fich auf.119 „ 28 „ 6 „

Die Auslagen betrugen . . . 2 „ 1 „ 6 „

Mithin brsttzt die Caffe.119 „ 2 „ — „

Von den anderen akadcmischen Dombau-Vrreinen
»hersandte

Freiburg ... 40 Thlr.,

BreSlau . . - 130 „

HüdeSheim ... 40 „

Summa 210 Thlr.

Die Retto-EinnshMe im letzrev.Winter-Semester

beirug also. 329 „ 2 „ — „

Aus dsm Vorstande schetden die Herre« Jansen, Schäfer, Nießen, Du-
plan, Limbach, B^cker, Schall, Müller. Es find also acht ueue Borstsnds-
Nttglieder zu wählen. W!r erlauben uns, die vier letztgenannten Herren,
die bisher dsm B-weine treue Dtenste geleistst haben, für die Neuwahl zu
cmpsehlen.

Dann sprsch der Stuä. tknol. Herr Uerlichs im Nasren der Studi«
rende» folgende Reds;

Commiütonen!

Wiederum stnd wir hier versammelt, uns des Zwcckes einer wich-
tigen Uniernshmung dewußt und über die Aufgabs klar zu werden,
d!e wir zur Errsichung bieses Zweckes zu lösen haben. Wir haben
nämlich auch unsere schwachen Kräfte mit denen vieler Anderer ver-
einigi, m», weon nicht daS großartigste, doch eineS dsr großartigsten
Wsrke, dte je der Menschsn Geist und Hände ins Dasein gerufeu, vor
dem Uatergang zu öewahrsn und dasselbe zugleich der Bollendung
entgsgeszuführen. Diss großartize Werk ist der Dom zu Köln, ein
Name, den man uur zu nsnnsn brauchj, um in ihm dss vollendetste
Jdeal christlich-germsnischer Kunstschöpfuug zu bezcichnen. Jn der Me-
iropole unferer Provinz, an den Usern des herrlichen Rhsinstromes,
erhrot fich dtesss gcwaltig-, Wahrhaft dsutsche Baudenkmal, dsö
dte Mgewalt seiner Magen ffnen eben so überwältigenden, wie durH
durch ihre harmonische Verbindung angenehmen uad erhsdenden Ein-
druck auf jedes für daS Edle und Schöne empfäugliche Gemüth ausübt.

Wsnn Köln seit den älteßen Zetten mit Fug fich «ls die Mstro-
pole Rhsinlands betrachten konute, so darf es mit gleichem Rechte in
dissem majsstätischen Prachtbaue fich als de« Mittelpunct der vater-
ländifchen, speciel der rheinischen Kssst hinstellen.

Rheiuland war von jeher wie et« Hort der Wiffenschaft, so auch
ei» Förderer der Kunst- Für letzteres zeugt scho» seine alte kölner
Malerschule, vor Allem absr zeugen dsfür seine glänzeuden Sirchen-
bauteu- Wo gibt e« «ohl außer der ewigen Roma eiue andere Siadt,
die im Lauft der Zahrhunderte so viele Prachtkirchen in ihren Mauern
vsreiaigte, wte das heilige Köln, fo daß man einst mit Recht auch
von Köln z« ssgen pflegte, eS befitze so viele Kirchen, wie das Jahr
Tage zähle. Kaum ein Fönftel der Kirchthürme, dte rsr 100 Jahren
Köls schmückten, ist jetzt «och vorhande»; unsere Nrgroßeltsr» würde»
die Stadt nicht wtebererksnne», wenn fie dieselbe gegenwärtig is
einiger Entfernung erblickten. Nber auch außerhalb Köln erhsben »nd
erheben fich in fast alleri Städtrn des LandeS, vorzüglich s» den Ge>
ßaden des Rheines, wie i» einem prächtigen Blumeukranze die herr-

lichstsn Denkmäler aligermanischer Daukunst; doch alls haöen di» hochste
Spttzs und die Ärons küastlerischsr Bollendung in dem Dsms zu Köl».
Wern mm die vielen Usberreste alter Baukunst, wis wir sts so zahl-
rekch in unsevcm Rhftnlandv aatreffe.-, uns schoa einen Cinblick in die
künstlerischs:, Bestrebungen und ie. dis hieran sich knüpfende Geschichie
der rheinlschen Aunst, zumal Lec Srchitekiur, thaa lasssn, ss tritt uns
in dieser Beziehunz vsr Lllem der Dom zu Äöln als ei» sprechender
und zugleich al« bsr zaoerläsfigste Zeage eatgegc«. Da aber dte Ar-
chiftktur gewlsser Naßen die gsnze übrige Äunfi in fich vsreinigt und
zur V-rWiiklichung ihrer Zwecke so sast alle Kunftforme» sich vienß-
bar macht, darf ma» mit R-cht sorausfttze», iu der höchsten architek-
tonischen Schöpfung, wis wir fie im Dome befitzen, die gesammte
Kun-r tn rcichlichstem Maße vertreten zu finden.

SechS Jahrhunderte find an dsn Mauern des DomeS vorüberge-
zogcn, r:»d wenn auch e-nz-lne Zeitepochen nur mit sparsamen und
sast leerrn Hffnde», so haben doch auch wicder aadere mtt um so
größerer Freigebigkeit fich des Domes sngenowmen und, in lebendigem
Stsine ihren Kunstfinn, thre Opferwilligkeit und ihre ReügiöfiLät aus-
prägend, ei» ruhmvollrS Beispiel zur Racheiferung hinterlaffen. So
legt der Dom Zsuginß ab von dem Kunstst»ne dsr ve-gangenen Jahr-
huuderte und schrldert uns i» »nzweid-utigen Zügcn das geistige,
künstlsrische und rsligiöse Leben unserer Vorfahren. Wer aser möchte
woh! bszweifein, daß um die alte kölner Hochschuls und »m die da-
maiigs rhcinische Kunß stch ein enges und lshendigcs Fand geschlun-
gen habe, daß jene Hochschule es gewesen, auf deren Heerd das Fsuer
küiifllsrischer BegeiSeruns- fich st-tS wiedsc anfachte und in voller
Krast erhislk, daß sie auch alS drr Hebel z«r Förderuug der großar-
tigsten Schöpfung jrner Knnft, dcS Riesenbaues, wie ihn nur ein rie-
figer Getfi erzeugen konnte, ststs stch bswäbrt haden wird. Jch brauche
nur an den Ein-n, an Albertns Magmis zu erinnern, demman sogar
den Tedanken des Domes, wohl gar ds» Riesenplan selber zuge-
schrteben hat.

Die hiesige bonner Hochschuls nun hat vsr, der alteu kölner Uni»
verfität eine aite und wichiige ftrbschaft augetretc-n, indem fie stch fär
die Kuust übsrhsupt, Lesonders aber für die rheinische, lebhast inter-
rfftrk. Welche würdigere und der Begekßermg akavemisSer Jugesd
e«isprcch.'Ndere Lafgabe kövnte dle rheinische Ünivrlfität fich stellen?
Ws könnte fie einen erhabeneren und großartizeren Gegenstaud fin-
dc«, der Kunst ihre höchste Aufmerkssmkeit und daS lebhafteste Jntrreffs
zuzuwenden, wenn nicht in dem kölner Dom? Der Universttät find
alie gsistigen Jntersffen des Volkes anveriraut; Wlffenschsft und
Kusst, die eins dtldend, die andere veredelnd, wandcln als ZwillingS-
schwetiern Hand in Hand in ihren Hallsn. Die Wiffenschast fördert
die Kunst und dtess verleiht jensr ungleich höheren Reiz. Wenn rrun
aber usch daza die Kunst so sehr in das Jnnersts dss menschlichen
Semüihes etngreist, die heiligsts» Empfindunaen des Herzens in unS
ssregt und steiaert, im Dtenste der Religion stshend, religiöse Jdesn
verkörpert »nd so den höchßen Schöpfer in der höchfien Bolleudung
künstlcrischen Schaffens verherrlicht, dsnn ist gswiß nichts geeigneter,
»nftre ganzs Ssele und sll' uusere Thatkrasi für fich in Anspruch zu
nehmsn, sls ste, znmal, wenn fis wis hier in sslchrm untsr des Küust-
lers Meifterhand z» dem lebendig-n Sinnbilde einss kräftigen und
vielgestaltizen religlöse« Lebens fich 'eutfaltenden Bauwerke uns ent-
gegentritt.

Sie wiffen, i» welche Zeit die Entsteyung unftres Domes, wte der
bedeutendsten Werke germanischcr Baukunst fällt. Es tst die glsnzende
Zeit während und unmittslbar nach den Kreuzzügen, in welcher unftrs
Vorfahren, frei von niedrigem Eigennutz und kleinlichem Krämergeiste,
die hochsten Zdsen der Religisn und deS menschrichen Geistss mit
cinrr Begeisterur-g, einem Muihe und einer Ausdauer zu verwirklichen
ßrebte», daß e« mit Staunen und gerechter Bewunderung erfüllt.
Wenn aber in unserer gegenwärtigen, materialifiisch gefinnten, vsn
jener so ganz verschiedenes Zeit dts akademische Jugend gewiß mit
vollem Rechte als diejenigs gilt, welche durch ihre edle Beschäftiguug,
mit Wiffsnschaft und Kunst, durch ernsteS Streben uach allem Schönen
und Gutsn von der Zeitrichtung adgezogen und sus dsS Zdeale hin-
gelenkt wird, so steht fie hierin ihren ehrwürdigen Alrvordern gleich-
sam ebenbürlig zur Seite und iß 'oeßhalb, wie sis, anr metstrs fähig
und empfänglich, fich für eine edle und erhabens Jdee zu begeistern.
Was unsere Vorfahren mit Edelfinn bsgonnen, sollen und wsllen wir
in gleicher Gefinnung, frei von kleiulichen Bedenken, fördern und der
Bsllendung näher bringen. Thstkräftig und entschloffen austretend,
wsllen wtr mit oem Dichtsr sagen:

„Menschen ja wareu es doch, die diese Fragmente gegründet;

„Sind wir nicht ihreS GeschlechtS? Hat daS Geschick uns

„enterbt?"

Nein, das Teschick hat unS ntcht enterbt. Es hat uns eine Erbschaft
hinterlassen, nicht damit fis mis zur Plage nnd zur Lafi gereiche, wie
wohl Einzelns glauben könute.-r, sondern eine Erdschast, derrn wir uuS
sreuen wollen, denn fie geretcht unS wis zur Ehrs, s» auch zum Nutzen.
Sis gereicht uns zum Nutzen, denn wie ein ernfisr Mahner rust uns
der unvoll-ridete Tempel zu, die Kunst nicht zu vernachläsfiaen, viel-
mehr ihre emfige Pflege an seinem AuSöau zu hewähren. Dtese Erb-
schast geretcht uns aber auch zur Shre, wenn wir an ihr unseren Etfer
in Abtragung dieser Ehrenschuld bewähreu; würds cs doch unserer
Zeit gewiß zum nnsterhlichen Ruhm gereichen, wenn wir das große
Werk vollendet der Nachwslt übsrlieftrn wörden, LetztereS gehört gewiß
jetzt nicht mehr dem Gsbiete der llumoglichkeit an, wohin man es früher
stetS zu verweisen gewohnt war. Denn die jöngste Zeit hat gezetgt,
waS vereinte Kraft nnd mnthiges Deginnen zu leisten vermögen, be-
sonders, da nsch dem hochsinntgen Vorgang unseres in Gott rnheuden
KsnigS und Hsrrn und Sr. Majestät unseres jetztregierenden KönigS
die Begeisterung für das große Unternehmen nach alles Seiten his
anregend gewirkt »nd so ueurr Msth und edle Opferwilligkeit sich
der Herzen aller Tdlen nicht nur io unserem deutschen Vaierland,
soudsrn is fast allen Ländern Turopa's bemächtigt hat. An dieOpfer-
willigkeit de« Vslkes ergeht die erste und Hauptaufforderung; denn
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