Koldewey, Robert
Die antiken Baureste der Insel Lesbos — Berlin, 1890

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MESSA.

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3. MESSA.

Die Ruinen eines bedeutenden Tempels bei der verfallenen Kirche des Taxiarchis von Messa sind
die gröfsten, die es derart auf der Insel giebt, und der Hauptsache nach schon von Boutan (a. a. O. S. 311)
richtig erkannt (vergl. Einleitung S. 2).

Die Niederung >Ta Messa am Golf von Kalloni (Taf. 18, 1) wird von einer kleinen Hügelkette in
einen östlichen und einen westlichen Theil zerschnitten. In dieser Kette an dem niedrigsten der Hügel liegt
die Ruine bei anderthalb Kilometer Entfernung vom Meer um neun Meter über dem letzteren. Die Ebene
durchzieht ein von den Höhen des Tschamlik herunterkommender, nicht unbedeutender Flufs, der, bei dem
geringen Gefälle das er in der Ebene nur hat, mit seinen zwei Zuflüssen winterlich oft das ganze Thal in
einen undurchdringlichen Sumpf verwandelt. Ich habe nach einem scharfen Regen die Kirche wie eine Insel
aus der fluthenden Fläche hervorragen sehen. Über die umgebenden Höhenzüge blickt von Süden her
(dal. iS, 2) der nackte Marmorkegel des Olymp, von Norden der Gipfel des Lepetymnos herüber.

Die Ruine des »Taxiarchis« zeigte vor der Ausgrabung im Schatten ihrer fünf riesigen Pappeln
aufser einigen ionischen und dorischen1) Säulentrommeln viele Fragmente eines reichen ionischen Baues aus
weifsem Liparit, einem Material das in der Nähe von Pyrrha bricht, aber selten verwendet zu sein scheint.
Aufserdem bestand dw Fufsboden der Kirche aus sauber grefüeten, zum Theil verklammerten Blöcken, deren
Stemmlöcherreihen sie als untere Schicht eines grofsen antiken Baus erkennen liefsen.

Die Einsicht des Gouverneurs von Mytüene Fahri Hey, Excellenz ermöglichte die Ausgrabung des
Denkmals, und während der Monate December 1885 und Januar 1886 wurden die Fundamente soweit freige-
legt, dafs sie und die dabei gefundenen Bruchstücke die Restauration des Tempels gestatteten, die auf den
Tafeln iX bis 26 dargestellt ist.

Der hohe Wasserstand, der auch im Sommer nicht beträchtlich sinkt, verhinderte bei der Grabung
ein Tiefergehen über anderthalb Meter unter der höchsten Plattenschicht. Die Kirche konnte unberührt ge-
lassen werden, da die dünnen Mauern nur unwesentliche Theile des Stereobats verdeckten. Aus ähnlichen
Gründen blieben die "Töfsten der bäume unberührt, die noch heute in ihrer einzigen Pracht eine Zier des
Taxiarchis bilden. Auch die nordwestliche Ecke des Stereobats, die in ein benachbartes Feld hineinreicht, ist
nicht ausgegraben.

Das Fundament (Taf. [9), welches allein noch am alten Platze liegt, besteht aus vier Umfassungs-
mauern und zwei Längs- und zwei (hiermauern innerhalb, welche mit den äufseren zusammen ein Netz von
neun Rechtecken bilden. 1 )as Material ist Trachyttuff von schwarzer, selten weifslicher Farbe.

Beide mittleren Rechtecke der Schmalseiten sind mit einem Vollfundament derselben Art ausgefüllt,
das wahrscheinlich nicht so tief hinabreicht wie die Hauptmauern. In den sechs äufseren Rechtecken der
Langseiten beginnt mit der Schicht dv\- untersten Stufe, welche gerade noch erhalten ist, ein ebenfalls durch-
gehendes Fundament, so dafs die Schichten der Tempelstufen, der Krepis, ein compactes Ganze bildeten mit
Ausnahme des innersten Rechtecks, des Cella-Innern.

Die Räume innerhalb der durch die Fundamentmauern gebildeten Rechtecke sind mit Splittern des-
selben Materials soreffältief ausgefüllt.

!) Boutan a. a. <'. scheint nur diese gesehen zu haben, denn er nennt den Tempel einen dorischen.
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