Koldewey, Robert
Die antiken Baureste der Insel Lesbos — Berlin, 1890

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ABSCHNITT I.

DIE STÄDTE.

IMMMMMi M -■- ■

i. MYTHEN E.

Mytilenes1) Lage und physische Gestalt im Alterthum sind, namentlich aus Strabo (XIII, 2,2), genü-
gend bekannt, um beides in dem heutigen Mytilini wieder zu erkennen.

Charakteristisch für die Stadt ist die Lage eines Theils derselben auf einer kleinen Insel, welche durch
einen Euripus vom Festlande Lesbos getrennt war. Das ist auch heute nicht zu verkennen, obwohl der Euripus
versandet jetzt einen Theil der modernen Stadt trägt. Der bedeutendere Theil der antiken Stadt lag auf dem
restlande, am östlichen Abhänge eines zweigipfligen Hügels, des Ausläufers einer ins Land sich erstreckenden
Hügelkette.

Der Umfang dieses Stadttheils ist durch die zum Theil in Resten zum Theil in Spuren noch erhal-
tene Stadtmauer genau gegeben. Erstere sind auf dem Plan (Taf. 1 u. 2) roth, die Spuren durch rothe
Schraffierung angedeutet.

Nicht unbeträchtliche Reste finden sich im Norden (bei A und B im Plane:). Die Mauer besteht aus
nicht sehr grofsen Marmor- oder Trachytblöcken, welche polygonal geschichtet und gut gefugt die beiden
äufseren Wände bilden. Zwischen sie sind als Füllung 1 landsteine und Erde eingefügt worden, doch so
dafs durch das unregelmäfsige Eingreifen der äufseren Blöcke aus den drei Constructionstheilen ein festes
Ganze wurde.

Von »B« gegen Süden hin begegnet man ausschliefslich Marmorblöcken, gegen Ost-Nord-Ost, wo
die: Mauer zum Meere hinabsteigt vorwiegend Trachyt. An einer Stelle (bei A im Plan) greifen die Marmor-
blöcke in den Trachyt so ein, dafs man auf gleichzeitiges Verwenden beider Materiale schliefsen mufs.

Die äufseren Schichten dieses Mauerwerkes sind vielfach entweder tue Abhänge: hinabgestürzt oder
systematisch abgebaut. Während meines Aufenthaltes auf der Insel wurde: elas .Marmormaterial für elie Kirche
der Panajia in der Langäda aus dem südwestlichen Mauerzug gewonnen. Die Art des Abbaus, bei welcher
man die gewünschten Blöcke unter möglichste']- Arbeitsersparnifs zu gewinnen suchte, hat eine' grabe'nförmige



') Diu Schreibart MYTFuiHNH ist in Uebereinstimmung mit fast allen Münzen, während die Eilschriften selten und nur die Handschriften
lüiulig die Schreibweise Mnvkqvri aufweisen, vergl. Plehn a. a. O. s. ioff.

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